Big Eyes – Frauen und die Welt der Kunst

· 14. Oktober 2018

Big Eyes (2014) ist wahrscheinlich der für ihn unüblichste Film von Tim Burton. Es ist wirklich schwer, seinen einzigartigen Stil darin zu finden. In der Tat ist dieser Film nicht, was Burton normalerweise produziert, weil er auf realen Ereignissen basiert.

Margaret Keanes Geschichte scheint gut zu Burton zu passen, da er Werke von Malern bewundert. Tatsache ist, dass wir Burton aus den Augen verlieren, während der Film sich entwickelt. Wir fangen an, etwas anderes zu sehen. An dieser Stelle lohnt es sich, zu fragen, ob das ein Problem ist? Es war tatsächlich ein Problem für viele Burton-Fans, die ungeduldig auf einen Film mit seinem charakteristischen Stil und seiner eigenartigen Ästhetik warteten.

„Das Bild sagt ‚Keane‘. Ich bin Keane, du bist Keane. Von nun an sind wir eins. „

Walter Keane, Big Eyes

Dennoch können wir bestimmte Aspekte dieses Films reflektieren. Lasst uns aufhören, an Burton zu denken, und uns auf den Film konzentrieren. Für diejenigen, denen Burton-Filme nicht bekannt sind, kann dieser Film eine große Entdeckung sein! Und auch für die, die sie kennen, aber bereit sind, sich auf etwas anderes einzulassen.

Big Eyes  ist kein herausragender, aber auch kein schlechter Film. Er nähert sich der Realität von Margaret Keane, ihrer Kunst und dem Kampf der Frauen, um in der Welt der Kunst Geltung zu erlangen. Er ist nicht Edward mit den Scherenhänden,  sondern Teil unserer Geschichte der zeitgenössischen Kunst.

Big Eyes  und die Unterwerfung der Frau

Wenn wir in die Geschichte blicken, finden wir nur wenige Hinweise auf Frauen, die sich in der Welt der Kunst hervorgetan haben. Es spielt keine Rolle, ob wir über Literatur, Philosophie, Film, Malerei oder Skulpturen sprechen. Es gibt nur wenige weibliche Namen, die usn dabei in den Sinn kommen.

Frauen sind in den Hintergrund gedrängt worden. Die patriarchalische Gesellschaft hat ihre Frauen versteckt, und nur wenige beschritten in dieser Männerwelt einen leichten Weg. Es ist nicht so, dass Frauen weniger schreiben würden, weniger gut malen oder philosophieren könnten; sie sind schlicht weg im Schatten geblieben.

„Niemand kauft Gemälde, die von Frauen gemalt wurden.“

Walter Keane, Big Eyes

Viele Frauen wurden gezwungen, männliche Pseudonyme zu verwenden, um ein Werk veröffentlichen zu können. Zum Beispiel verwendete die berühmte Autorin, die Harry Potter  schrieb, die Initialen J. K. Rowling, statt ihres Namens Joanne. Sie tat dies, um die Tatsache zu verbergen, dass sie eine Frau ist und um sich Zweideutigkeiten erlauben zu dürfen.

Die Geschichte, die Burton in Big Eyes  präsentiert, ist die wahre Geschichte von Margaret Keane, einer US-amerikanischen Malerin, die um die Urheberschaft ihrer Arbeit kämpfen musste. Margaret signierte ihre besonderen Bilder mit Keane, dem Familiennamen ihres Mannes Walter. Deshalb dachte die Öffentlichkeit, dass er diese Gemälde geschaffen habe.

Walter Keane war verantwortlich für den Verkauf der Gemälde. Er leitete die Geschäfte seiner Frau und wurde zum selbsternannten Autor dieser Werke. In dem Film sehen wir Walter, gespielt von Christoph Waltz, als Manipulator. Er ist eine Art Verführer mit einer sehr dunklen Seite.

Szene aus "Big Eyes"

Big Eyes  und Manipulation

Margaret, gespielt von einer herausragenden Amy Adams, war bereits einmal verheiratet. Aus dieser Ehe stammte ihre Tochter Jane. In den 50er und 60er Jahren war es für Frauen sehr wichtig, einen Ehemann und eine stabile Familie zu haben. Die Gesellschaft hätte auf sie herabgeschaut, wenn sie keinen Mann gehabt hätte, und auch die Scheidung war verpönt. Einen Ehemann zu finden, wenn man schon eine Tocher hatte, war deshalb keine leichte Aufgabe. Daher wird Margaret vom „charmanten“ Walter so leicht getäuscht.

Margaret ist eine Frau ihrer Zeit, unschuldig und unterwürfig mit großem künstlerischen Talent. Zunächst erliegt Margaret Walters Reizen. Sie ist froh, zu sehen, dass ihre Arbeit Anklang findet und finanziell lukrativ ist. Aber nach und nach wird sie entzaubert. Sie beginnt, Walter als den Manipulator zu erkennen, der er wirklich ist. Am Ende führt sie diese Erkenntnis in felsiges Terrain, einschließlich der Kommunikation mit den Medien und dem Gang zum Gericht.

„Ich habe nie in Freiheit gehandelt. Ich war eine Tochter, dann eine Frau und dann eine Mutter. Alle meine Bilder sind von Jane inspiriert, weil sie das Einzige ist, was ich kenne.“

Margaret Keane, Big Eyes

Big Eyes  und das Erwachen der Frauen

Margaret erwacht aus ihrem Märchen und beginnt ihren Kampf gegen Walter. Sie steht unter permanenter Anspannung, während sie das Urheberrecht an ihren Gemälden verteidigt. Nach Jahren des Kampfes gelingt es ihr, den Prozess zu gewinnen und zu zeigen, dass sie der wahre Autor dieser „Big Eyes“ ist. Die Käufer ihrer Werke konnten nicht glauben, dass es seine Frau gewesen sein sollte, die sie geschaffen hatte.

Zu dieser Zeit war die Frauenbewegung erst im Kommen. Es war nur die Spitze des Eisbergs zu sehen, der langsam herantrieb. In einer Zeit, in der die Mentalität dem Patriarchat unterworfen war, konnte Margaret ihrem manipulativen Ehemann nur schwer Grenzen setzen. Daher dauerte ihr Kampf Jahre.

Margaret Kampf ist ein Kampf, den alle Frauen, die versuchen, in der Welt der Kunst zu bestehen, ausfechten müssen. Für sie war es ein Erwachen, eine Wiedergeburt. Burton präsentiert einen Film, der uns einer nach wie vor aktuellen Realität näherbringt: Margarets Kampf war auch ein Kampf gegen den Machismo, der so viele Bereiche unseres Lebens infiziert hat.

Szene aus "Big Eyes"

Margaret Keanes Bilder

„Ich denke, in den Augen sind Dinge zu erkennen. Die Augen sind das Fenster zur Seele. „

Margaret Keane, Big Eyes

Margarets Gemälde zeichneten sich durch die expressiven, großen Augen aus, die sie malte. Die Gemälde wurden zunehmend trauriger, wie Margaret selbst. Sie schienen Kinder zu zeigen, die einen Krieg durchlebt hatten. Es waren ihre Augen, die die Tiefen der Seele, der menschlichen Gefühle, widerspiegelten.

Es sind überwältigende Bilder, aber sie entsprachen nicht der Art, wie sie in einem Museum ausgestellt wird. Viele würden die Gemälde wohl für kitschig halten. Margaret Keane hat dennoch eine ganze Reihe berühmter und eigenartiger Anhänger wie Burton selbst, Joan Crawford, die sich von Margaret ein Porträt ihrer selbst malen ließ, und Marilyn Manson.

Margaret Keane steht vor ihren Werken.

 

Die Wahrheit ist, dass viele Menschen Keanes Arbeit schätzen. Sie galt jedoch immer als Außenseiterin; als Malerin, zu kitschig, um in der Welt der Kunst aufzusteigen. Sie lag nicht falsch, als sie sagte, dass „das Banale im Laufe der Zeit fantastisch werden kann“. Das wollte Burton in diesem Film vermitteln. Eine Künstlerin darstellen, die gelitten, für ihre Arbeit gekämpft und Anerkennung verdient hat.

„Ich wollte nur, dass die Welt weiß, dass dies meine Bilder sind.“

Margaret Keane, Big Eyes