Die Savannenglückstheorie: Besser allein als in schlechter Gesellschaft

· 30. August 2018

Die Savannenglückstheorie beruht auf den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Studie, die im British Journal of Psychology  veröffentlicht wurde. Sie ist zwar noch nicht ausreichend belegt, stellt aber einen interessanten Ansatz dar.

Alles begann, als eine Gruppe von Forschern eine umfangreiche Umfrage zum Thema Glück durchführte. Sie wollten herausfinden, ob das Gefühl des Glücks von der Umgebung abhängt, in der die Menschen leben. Es ging darum, den Grad des Glücks, den diejenigen, die in ländlichen Gebieten lebten, mit denen, die in städtischen Gebieten wohnten, zu vergleichen. Man sammelte auch demografische Daten und testete den IQ der Befragten. Insgesamt wurden 15.000 Erwachsene im Alter von 18-28 Jahren befragt.

Erstes Fazit der Savannenglückstheorie

Eine der ersten Schlussfolgerungen, und auch eine der überraschendsten, hat mit der Beziehung zwischen dem IQ und dem bevorzugten Wohnumfeld zu tun. Der Studie zufolge ziehen es klügere Menschen vor, in der Stadt zu leben. Auf der anderen Seite haben diejenigen mit einem niedrigeren IQ eine besondere Vorliebe für ländliche Gebiete.

Silhouette einer Frau vor einer Großstadt

Das ist einer der wichtigsten Aspekte der Savannenglückstheorie. Die Forscher fragten sich, warum Menschen mit höherem IQ eine städtische Umgebung bevorzugten, die viel doch viel mehr Stress bedeutet? Die Antwort ist, dass unser Gehirn diese einst erlernten Vorlieben von unseren Vorfahren geerbt hat.

Es lässt uns nach ländlichen Gegenden – oder Savannen – suchen, die einfacher zu handhaben sind, wenn wir eben jene Umstände bevorzugen. Das weiterentwickelte Gehirn jedoch begann, sich an Umgebungen mit hoher Bevölkerungsdichte anzupassen. Obwohl sie stressiger waren, beinhalteten sie auch mehr Möglichkeiten. Und Menschen mit höherem IQ kommen mit diesen Bedingungen scheinbar besser zurecht. Solche Menschen finden in der Stadt eine Menge Chancen zum Wachstum und zur Selbstverwirklichung.

Einsamkeit, ein Schlüsselfaktor

In der Umfrage wurde auch nach der Quantität und Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen gefragt. Die Daten zeigten ein interessantes Muster: Menschen mit einem höheren IQ neigen dazu, sich mit weniger sozialen Interaktionen glücklicher fühlen. Für Menschen mit einem niedrigeren IQ gilt das Gegenteil und sie sind umso glücklicher, je mehr soziale Interaktionen sie haben.

Ebenso erklärten die Forscher, dass diejenigen, die einen höheren IQ haben, die Einsamkeit tatsächlich als einen Mechanismus nutzen, um mit städtischem Stress erfolgreicher umzugehen. Eine der Möglichkeiten, die Anzahl der Reize zu reduzieren, besteht darin, die Beziehungen zu anderen zu begrenzen. Das hilft den Städter, Stress zu vermeiden, und gibt ihnen die nötige Zeit und Ruhe, um in langfristige Projekte zu investieren.

Savanna Happiness Theorie

Auf der anderen Seite fühlen sich diejenigen, die einen niedrigeren IQ haben, glücklicher, wenn sie häufig mit anderen interagieren können. Diese Interaktion ist ein wichtiger Faktor, der ihren Stress und ihre Sorgen verringert, und deswegen verbringen sie einen großen Teil ihrer produktiven Zeit mit der Pflege ihrer sozialen Beziehungen.

Die Gültigkeit der Savannenglückstheorie

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Savannenglückstheorie suggeriert, dass die Klügsten eher Stadtbewohner und Einzelgänger seien. Und diejenigen mit einem niedrigeren IQ seien geselliger und an die ländliche Umgebung angepasst. Während die einen lieber allein sind als in schlechter Gesellschaft, finden die anderen in der Einsamkeit wenig Befriedigung.

Es könnte jedoch etwas voreilig sein, uns bedingungslos hinter diese Theorie zu stellen. Obwohl die Hypothese auf einer sehr umfangreichen Studie basiert und einige neue Ideen liefert, braucht es zu ihrer Akzeptanz in der Welt der Wissenschaft noch einiges mehr. Keine solide Theorie kann auf der Grundlage einer einzigen Studie aufgebaut werden, so umfangreich und überzeugend sie auch sein mag.

Vor allem die Tatsache, dass die Forscher dem IQ eine solche Bedeutung beimessen, scheint uns wenig nachhaltig zu sein. Die Wahrheit ist, dass die Messung der Intelligenz immer noch ein umstrittenes Thema ist. Zum Beispiel sehen wir im Laufe der Geschichte sowohl „gesellige Genies“ als auch „Einzelgängergenies“. Mozart gehörte zu ersteren, Beethoven zu letzteren. Dennoch ist die Studie interessant und wir können sicher sein, dass sie viele weitere Untersuchungen inspirieren wird.