Den Sinn des Lebens finden wir durch innere Gelassenheit

27. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Sinn des Lebens finden - Farnblatt in den Händen eines Menschen

Den Sinn des Lebens finden wir nicht immer in der Liebe oder in einer Leidenschaft, die so schnell wie sie gekommen ist, manchmal auch wieder geht. Wir finden ihn durch ein Herz, das in sich ruht, und durch innere Gelassenheit, die uns die uns umgebenden Juwelen viel mehr schätzen lässt. Auch können wir diese Kräfte, die in uns allen schlummern, die wir aber noch nicht alle zum Leben erweckt oder zu schätzen gewusst haben, auf diese Weise entdecken.

Viele Philosophen und auch einige spezialisierte Psychologen, vor allem aus dem Bereich der Logotherapie, sagen, dass es äußerst kompliziert sei, inmitten unserer heutigen Gesellschaft unsere persönlichen Ziele ausfindig zu machen. Wir würden von so vielen Reizen aus so vielen unterschiedlichen Quellen gleichzeitig überflutet, dass es sehr schwierig sei, gegen diese enorme Vergiftung mit Filtern anzukommen, um auf unsere innere Stimme, auf die Stimme unseres wahren Wesens zu hören.

„Der Sinn des Lebens ist zu leben, und zu leben bedeutet, bewusst zu leben, zu genießen, fröhlich und gelassen zu sein, einfach himmlisch bewusst zu leben.“

Henry Miller

Der NASA-Wissenschaftler Adam Steltzner, der die Curiosity entwarf und die Landung dieses mobilen Fahrzeugs auf dem Mars möglich machte, berichtet davon, dass er während seiner Kindheit und frühen Jugend niemals daran gedacht hätte, dass er sein Leben solch einem Projekt widmen würde. Eigentlich hätte er Rocksänger werden wollen. Er hätte seine eigene Band gehabt, Konzerte gegeben und wäre nicht einmal daran interessiert gewesen, an die Universität zu gehen, so wie der Rest seiner Klassenkameraden.

Aber dann veränderte sich von der einen auf die andere Sekunde alles. Nach einer Probe ging er nach Hause und lief ganz allein eine Straße entlang. Der Himmel hätte klarer nicht sein können. Es war absolut still. Genau in diesem Moment blickte er nach oben und war von den Sternen geradezu hypnotisiert, besonders von der Orion-Konstellation. Mehr als eine halbe Stunde blieb er fasziniert stehen. Da war er nun: ein Mensch, der an Geräusche, Musik und Hektik gewöhnt war, der plötzlich mitten in der Stille den Sinn des Lebens fand.

Ein paar Monate später schrieb er sich an der Universität ein, um Physik zu studieren. Sein persönliches Abenteuer sollte gerade erst beginnen.

Das Universum in schwarz, pink und blau

Mit Gelassenheit sehen, denken und sprechen: Nietzsches Theorie, um den Sinn des Lebens zu finden

Manchmal haben wir das starke Gefühl, wie ein Blatt zu sein, das sich von einem Fluss mitreißen lässt. Wir haben kaum Zeit, das zu genießen, was uns umgibt. Wir können es uns selbst nicht erlauben, dass uns eine Brise Wind für ein paar Sekunden hoch in die Luft trägt, um eine bessere Sichtweise auf das zu erlangen, was um uns herum ist, was uns erfreut oder erschreckt, sogar auf das, was bedeutungslos ist.

Unsere Kultur, Erziehung und die Gesellschaft selbst bestärken das, was uns zu Gefangenen macht: unsere eigenen Gewohnheiten. Manche Menschen sind sogar regelrecht süchtig nach sofortigen Belohnungen, vergänglichen Freuden, etc. Wir wollen alles und fühlen uns gleichzeitig leer. Wir wollen einzigartig und besonders sein, aber im gleichen Moment wünschten wir, wir hätten Eigenschaften oder Charakterzüge, die unser Gegenüber hat.

Es ist schwierig, inmitten dieser unreflektierten und zugleich unbefriedigenden Dynamik den Sinn des Lebens zu finden. Und interessanterweise passt an diese Stelle ein Zitat, das uns Friedrich Nietzsche hinterlassen hat: „Um den Sinn unserer Existenz zu finden, sollten wir dazu in der Lage sein, mit Gelassenheit zu sehen, zu denken und zu sprechen.“  Der Philosoph führt diese drei Prinzipien als Grundlage der aristokratischen Gesellschaft an.

Nietzsche in Schwarz-Weiß

Die aristokratische Gesellschaft und das Bedürfnis, bei der Erziehung Wert auf Gelassenheit und Geduld zu legen

In Nietzsches Werk Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert  erklärte er, dass jeder Erzieher bei seiner Arbeit ein Ziel verfolgen sollte: das Fundament für die sogenannte aristokratische Gesellschaft legen. Dieser berühmte deutsche Philosoph bezog sich damit nicht auf das Ideal der Oberschicht, sondern er wollte alle neuen Generationen zu einer kritischeren und anspruchsvolleren Denkweise bewegen, damit jeder sein Leben zu einem wahrhaften Kunstwerk machen konnte.

Dafür empfahl er den Menschen, die eine Erziehungsfunktion hatten, dass sie ihre Arbeit nach drei bestimmten Achsen ausrichten sollten:

  • Lernen, ruhig und gelassen zu betrachten, was uns umgibt, ohne etwas vorwegzugreifen, bevor wir es uns nicht wenigstens angesehen haben.
  • Lernen, auf die gleiche Weise zu reden und zu schreiben. Wenn wir uns daran gewöhnt haben, etwas ruhig zu betrachten, dann sollten auch unsere Hand und unsere Kommunikation gelassen und ruhig sein.
  • Der dritte Grundpfeiler der Erziehung wäre, zu vermeiden, nur instinktiv zu reagieren. Dafür sollten wir dazu in der Lage sein, ausgeglichen und vernünftig zu denken.

Jeder, der seinem Wesen diese Fähigkeiten angeeignet hat, wer also gelassen und geduldig sehen, beobachten und sprechen kann, wird früher oder später den Sinn des Lebens finden, der ihn am meisten definiert und am besten zu seiner Identität passt.

Mann sitzt auf einem Berg und schaut auf eine Wolkendecke

Die Suche nach dem Sinn des Lebens muss keine endlose Suche sein

Um den Sinn des Lebens zu finden, müssen wir nicht nach Tibet reisen. Wir müssen nicht mit einem Rucksack auf dem Rücken die Welt erkunden und immer wieder an einem anderen Ort haltmachen. Zweifellos gewinnen wir dadurch an Erfahrung, aber höchstwahrscheinlich werden wir nicht die Antworten finden, nach denen wir suchen. Hakuin, ein japanischer Poet des 12. Jahrhunderts, pflegte zu sagen, dass der Mensch den Fehler begehen würde, die Wahrheit so weit wie möglich in der Ferne zu suchen, wenn er nicht wisse, wo sie zu finden sei. Dabei könnte er Antworten auf all seine Fragen in seinem Inneren finden.

Deshalb müssen wir keine endlose Suche antreten, um einen Sinn in unserem Leben zu finden. Es geht lediglich darum, Raum in unserem Geist zu schaffen, an dem wir die Selbstreflexion begünstigen. Aber wie gelingt uns das? Die folgenden Tipps können uns dabei helfen:

  • Gehe einen Schritt langsamer.
  • Mache eine Liste, was für dich in deinem Leben Priorität hat und was nicht, was dir ein gutes Gefühl gibt und was dich aus dem Gleichgewicht bringt. Bringe Ordnung in dein inneres Leben.
  • Widme dir selbst mehr Zeit. Suche im Laufe des Tages nach Momenten, in denen du für dich allein und gelassen bist.
  • Entdecke deine Begeisterungsfähigkeit. Sei du dieser Mensch, der sich nachts die Sterne ansieht, die ungewöhnlichen schönen Farbkleckse inmitten einer Stadt und den Zauber des Alltags zu schätzen weiß.
  • Nimm all die Dinge bewusst wahr, die dir Freude bereiten, die dir ein gutes Gefühl geben und deine Neugier wecken, weil genau dort dein Sinn im Leben und das, was dich ausmacht, zu finden sind.

Loch in Herzform in einem Busch

Am Ende dieses Artikels wollen wir nur noch sagen, dass sich der Sinn in unserem Leben für gewöhnlich im Laufe unserer Existenz ändert. Das ist normal und sogar wünschenswert, weil das eine Reaktion auf unsere eigene Bewegung, auf dieses menschliche Wachstum ist, in dem wir unsere Wünsche und Ziele nähren, je mehr wir erreichen und entdecken.

Das Leben bedeutet letztendlich Bewegung, und wenn wir unserem Inneren mit der Gelassenheit, die es verdient, zuhören können, werden wir immer Antworten auf unsere Fragen finden.

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