Die moderne Erziehung steckt Kinder in Zwangsjacken

18. Mai 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Überfürsorgliche Eltern - trauriger Junge, der am Fenster sitzt

Carles Capdevila hat einmal gesagt: „Unsere Kinder müssen Kinder sein und Fehler machen. Doch sie sollten auch verstehen, wie das Leben funktioniert.“  Allerdings zeigt uns die Realität, dass wir Kinder manchmal so sehr einschränken, dass wir sie zu kleinen Erwachsenen machen, die bereits wissen sollen, wie das Leben läuft. Einige moderne Erziehungsstile folgen der Idee, dass Fehler der Teufel und Überbehütung normal seien.

Diese strenge Philosophie steckt Kinder in enge Uniformen, die nur in ihrer Größe hergestellt werden. Die moderne Erziehung versucht viel zu oft, beeindruckende Kinder zu formen, die nicht enttäuschen dürfen. Sie dürfen nicht frustriert sein. Sie müssen perfekt sein, oder es zumindest versuchen. Kinder werden schließlich zu den Gefangenen dieser Utopie, und statt Motivation ernten sie Depressionen.

Der Fehler der modernen Erziehung

Auf dem Papier sind diese Kinder glücklich, jedoch nicht im wahren Leben. Genau genommen greifen manche Eltern vorsätzlich in das Leben ihrer Kinder ein, damit diese keine Fehler machen. Die Folge davon ist, dass die Kinder frustriert sind, wenn dann etwas doch nicht so läuft, wie sie es gewohnt sind. Die Eltern nehmen ihnen die Möglichkeit, an Niederlagen zu lernen.

Junge, der hinter einem Gitter steht

Eine Studie aus dem Jahre 2011 weist genau darauf hin. Darin haben Forscher Vorschulkindern verschiedene Spielzeuge angeboten. Später ging ein Forscher mit jeweils einem Kind in einen Raum. Das Experiment schrieb vor, wie sich der Forscher im Raum zu verhalten hatte. Eine Option war es, dem Kind zu erklären, wie das Spielzeug, das es gewählt hat, funktioniert. Anderen Kindern wurden keinerlei Hinweise zur Funktion des Spielzeugs gegeben. Dann ging der Forscher und ließ das Kind allein.

Wenn die Forscher dem Kind beigebracht hatten, wie man das Spielzeug benutzt, dann hat es kaum damit gespielt. Ebenso hat das Kind sich schneller gelangweilt. Doch wenn die Forscher keine Anweisungen gegeben hatten, haben die Kinder selbstständig versucht, herauszufinden, wie es funktionierte. Die Herausforderung half also dabei, ihre Kreativität anzuspornen.

Die nicht aufgeklärten Kinder fanden mehrere Wege, wie sie mit dem Spielzeug spielen konnten und demzufolge dauerte es länger, bis ihnen langweilig wurde. Alison Gopnik ist Psychologieprofessorin an der University of California (Kalifornien, USA). Sie sieht in dieser Studie den Beweis dafür, dass überfürsorgliche Erziehung ein Fehler ist.

Eltern müssen ihren Kindern dabei helfen, erfolgreich zu sein. Gleichzeitig dürfen sie nicht außer Acht lassen, dass jedes Eingreifen nur dazu dienen sollte, zu begleiten und die Entwicklung zu erleichtern. Es geht definitiv nicht darum, sich den Herausforderungen der Kinder zu stellen. Kinder sind in der Lage, Herausforderungen mit den Fähigkeiten, die sie bereits erworben haben, selbstständig zu bewältigen.

Kind mit Eltern im Hintergrund

Wie moderne Erziehung aussieht

Alison Gopnik definiert Eltern, die die moderne Erziehung verteidigen, als Tischler. Warum? Weil sie ständig versuchen, ihre Kinder so zu formen und zu schnitzen, als ob sie ein Stück Holz wären. Solche Eltern wollen, dass ihre Kinder ihre Normen, Werte und Träume übernehmen. Genau genommen legen sie damit auch ihre Frustrationen und Träume auf ihre Schultern. Solche Eltern haben folgende Eigenschaften:

  • Sie planen das Leben ihrer Kinder bis ins letzte Detail. Es gibt keine offenen Fragen, weil sie den Tag ihres Kindes durchorganisiert haben.
  • Eltern schätzen keinen Traum wert, den das Kind hat. Die Eltern haben immer das letzte Wort.
  • Eltern geben ihre Werte in Form einer Lehre weiter. Es sind praktisch Glaubenssätze. Die Kinder haben keine keine Freiheit zum Nachdenken oder Urteilen. Jeder Versuch, anders vorzugehen, wird bestraft oder ignoriert.
  • Die Eltern bieten alle möglichen pädagogisch wertvollen Spielzeuge und Aktivitäten an, die sie für das Kind als sinnvoll betrachten. Jedoch denken sie nicht an das Vergnügen des Kindes, sondern nur daran, dessen Fähigkeiten zu erweitern. Dabei darf das Kind seine Entwicklung nicht kommentieren. Die Meinung des Kindes zählt nicht, sondern nur die der Eltern.
  • Sie glauben, dass Kinder ihren Eltern verpflichtet seien. Deshalb denken die Eltern, dass sie das Recht hätten, die Kinder zu manipulieren, selbst wenn sie schon erwachsen sind.
  • Sie beschützen und isolieren die Kinder vor der realen Welt. Überfürsorgliche Eltern sehen ihre Kinder als Besitztümer von hohem Wert an. Sie bieten ihnen bezüglich ihrer Vorlieben und Abneigungen keine angemessenen Mittel zur Entwicklung an.

Es gibt einen anderen Weg, um Kinder zu erziehen

Andererseits glaubt Gopnik, dass es eine andere, viel positivere Form der Erziehung gebe. Sie bezeichnet Eltern, die diesen Stil wählen, als „gärtnernde Eltern“. Die Idee dabei ist, dass Eltern sich mit Liebe und Aufmerksamkeit um ihre Kinder kümmern, wie um Blumen, damit diese wachsen können.

„Lebe so, dass deine Kinder bei den Worten Anstand und Rechtschaffenheit gleich an dich denken.“

H. Jackson Brown

Das heißt, Alison Gopnik ist überzeugt, dass Eltern ihre Kinder wachsen lassen sollen, ohne zu sehr einzugreifen. Sie müssen der Versuchung widerstehen, sie zu kontrollieren und störend auf ihr Leben einzuwirken. Kinder müssen die Welt entdecken, Fehler machen, hinfallen und lernen, Konflikte zu lösen. Sie müssen lernen, Frustration zu tolerieren und ihre eigenen Probleme zu lösen.

Spielendes Kind auf dem Feld

Um dies zu tun, müssen Eltern ihren Kindern zuhören. Kinder sollten ihre eigenen Vorlieben und Fähigkeiten entdecken. Um das tun zu können, sollten Eltern ihre Neugier und Gedankenfreiheit fördern. Eltern sollten ihre Kinder nachdenken lassen. Und wenn sie dazu in der Lage sind, sollten sie sie ihre eigenen Entscheidungen treffen können.

Eltern, die die moderne Erziehung in Zwangsjacken verteidigen, glauben nicht, dass Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen sollten. Das ist ein problematische Einstellung. Und wenn du zu sehr versuchst, deine Kinder zu kontrollieren, könntest du sie schließlich von dir wegstoßen. Du musst einfach da sein, um sie zu beschützen und ihnen zu helfen. Es ist zwar eine Herausforderung, aber eine sehr schöne.

Es gibt nichts Besseres, als sie mit dem Stolz aufwachsen zu sehen, dass sie tun, was sie sich Monate vorher nicht erträumt hätten. Einfach da zu sein, ohne sie zu sehr zu schützen, ist unbezahlbar. Und ja, sie werden oft fallen, während sie das Laufen lernen. Doch für sie ist es besser, wenn sie so jung fallen, als wenn sie es im späteren Leben tun müssen. Unsere Rolle ist es, ihnen unsere Hand zu reichen und sie dazu zu ermutigen, wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen.

„Es gibt nur zwei Hinterlassenschaften, die wir unseren Kindern hoffen können zu geben: das eine sind Wurzeln, das andere Flügel.“

Hodding Carter

Auch interessant