Bewunderung und Liebe: Was ist der Unterschied?

20. Februar 2019

Es ist ein schmaler Grat, der zwischen Bewunderung und Liebe verläuft. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen diesen beiden Gefühlen so subtil, dass es leicht ist, sie miteinander zu verwechseln. Das passiert sogar relativ häufig, da diese Gefühle durch eine komplexe Dynamik voneinander abhängig sein können. Zwar können wir jemanden bewundern, ohne ihn zu lieben, aber wir können niemanden lieben, wenn wir ihn nicht gleichzeitig auch bewundern.

Noch komplizierter wird es, wenn wir berücksichtigen, dass das Verlieben in eine Person eine gewisse Idealisierung dieses Menschen mit sich bringt. Daher sind in der ersten Phase einer Beziehung Bewunderung und Liebe beinahe identisch. Mit der Zeit setzt sich jedoch eine Emotion durch. Schließlich entscheiden unser Verstand und unser Herz, was wir für die andere Person empfinden werden …

Äußerliche Schönheit mag Bewunderung und Verlangen wecken. Diese Gefühle können sehr intensiv sein. So intensiv, dass wir sie manchmal mit Liebe verwechseln. Dasselbe gilt für andere Eigenschaften, wie Ruhm oder Macht, die wir an anderen schätzen und für uns selbst begehren. Sie erzeugen so viel Bewunderung, dass wir glauben, wir würden lieben.

„Zu lieben bedeutet, mit dem Herzen zu bewundern; Bewundern heißt, mit dem Verstand zu lieben.“

Alfredo La Mont

Bewunderung und Liebe

Wenn wir verliebt sind, bewundern wir unseren Partner auch. Dann gehen Liebe und Bewunderung Hand in Hand. Das gilt allerdings nicht, wenn wir jemanden „nur“ bewundern. Das heißt, wir müssen jemanden nicht lieben, um ihn zu bewundern.

Die Komplexität dieser Logik ist darauf zurückzuführen, dass Menschen dazu neigen, andere Personen zu idealisieren, insbesondere wenn diese auf ihre Erwartungen oder Bedürfnisse reagieren. Die Beziehung zwischen Bewunderung und Liebe kann noch vielschichtiger werden, weil manchmal der Wunsch, geliebt zu werden, die Kontrolle übernimmt.

Ein Paar steht zusammen vor einem Sonnenuntergang, während der Mond aufgeht.

Wenn wir über Idealisierung sprechen, dann geht es darum, dass wir Menschen Tugenden zuweisen, die sie nicht haben. Idealisierung bedeutet auch, die Qualitäten einer Person zu übertreiben. Häufig geschieht dies in der Verliebtheitsphase. Wir kennen die andere Person noch nicht sehr gut und nehmen sie durch einen Filter wahr. Wir möchten, dass unser neuer Partner wunderbar ist. In solchen Fällen speisen sich unsere Emotionen sowohl aus Liebe als auch Bewunderung. Beide haben jedoch ein schwaches Fundament, da diese Art der Liebe oft auf unrealistischen Erwartungen und Fantasien basiert.

Auf der anderen Seite tendieren wir dazu, von der beliebtesten, attraktivsten oder mächtigsten Person in einem Raum „geliebt“ werden zu wollen. Dahinter steckt die (manchmal unbewusste) Annahme, dass die Liebe von so einer Person den eigenen sozialen Status fördere. Daher kann es passieren, dass wir die Liebe einer solchen Person tief begehren und dabei mit einer Liebe zu dieser Person verwechseln.

Bewunderung und mangelndes Selbstwertgefühl

Es ist üblich, dass Menschen mit geringem Selbstwertgefühl die Liebe und den Geliebten idealisieren. Sie „verlieben sich“ in Menschen, die sie für überdurchschnittlich halten. Auf diese Weise entsteht ein Gefühl der Liebe in ihnen, das sich aber aus Bewunderung speist. Letztendlich besteht ihr Ziel darin, diese Selbstliebe wiederzugewinnen, die ihnen fehlt. Sie wollen Zuspruch von ihrer Umwelt und von jemandem geliebt werden, den sie für mächtig oder wichtig halten.

In unserer Kultur gibt es auch eine Reihe von Klischees darüber, was wir bewundern bzw. nicht bewundern sollten. Bewundernswert ist jemand, der zu den Idealen passt, die unsere Gesellschaft propagiert. Dies ist eine Person, die den Standards der Gesellschaft entspricht und entweder schön, sportlich, wohlhabend oder selbstbestimmt ist.

Daher suchen viele Menschen, die nach Akzeptanz streben, diese Eigenschaften in einem potenziellen Partner. Auf diese Weise können sie sich angenommen fühlen und vermeintlich gesellschaftlicher Ablehnung entgehen. In solchen Beziehungen gibt es jedoch weder Bewunderung noch Liebe. Das Einzige, was gegenwärtig ist, ist ein Mangel an Selbstliebe und Selbstachtung.

Eine junge Frau lehnt sich an die Schultern ihres Partners an.

Gesunde Bewunderung und gesunde Liebe

Wahre Liebe ist nicht so sehr darauf fokussiert, Liebe in der anderen Person zu erwecken, sondern der anderen Person ein Stück seiner selbst anzuvertrauen. Es ist kein „blendendes Gefühl“ und es entwickelt sich nicht einfach über Nacht. Dazu gehört, die andere Person zu kennen und sie zu akzeptieren und zu bewundern. Bewunderung entspringt in diesem Fall dem Wissen und der Vertrautheit.

Wenn wir eine Person lieben, kann Bewunderung helfen, die Beziehung zu vertiefen. Daher existiert dieses Gefühl in jeder gesunden Partnerschaft. Wir investieren mehr in unseren Partner, wenn wir seine vielfältigen Eigenschaften und Talente entdecken, von denen wir viele anfangs gar nicht gesehen oder verstanden haben. Positives an unserem Partner zu entdecken, macht uns glücklich und ermöglicht es uns, ihn auf eine neue Art und Weise zu sehen. Wir haben kein Interesse daran, seine Fähigkeiten für unseren eigenen Gewinn einzusetzen, sondern wir lieben diese Person, weil sie genau jene Eigenschaften hat, die sie eben ausmachen.

Bewunderung ohne Liebe ist die Frucht der Reflexion. Bewunderung impliziert, wie wir unterschiedliche Werte, Fähigkeiten oder Qualitäten schätzen, die wir für erstrebenswert halten. Wir bewundern einen Künstler für sein Talent, einen Kapitän für seine Hartnäckigkeit oder einen Lehrer für seine Weisheit. Nichts davon impliziert Liebe im romantischen Sinne des Wortes. Daher ist es möglich, jemanden zu bewundern, ohne ihn zu lieben. Aber das Gegenteil, jemanden zu lieben ohne ihn zu bewundern, ist unmöglich.