Bessere Entscheidungen: Grenzen wir unsere Auswahl ein

22. März 2019

Beeinflusst die Auswahl, die wir haben, den Prozess der Entscheidungsfindung? Denken wir, unser Gehirn ziehe alle Optionen in Betracht, die uns angeboten werden? Könnten wir dann bessere Entscheidungen treffen, wenn wir mehr oder weniger Optionen hätten? In diesem Artikel versuchen wir, diese Fragen zu beantworten, um bessere Entscheidungen zu treffen.

Stellen wir uns vor, wir gehen in ein Restaurant und die Speisekarte würde etwa 100 Gerichte umfassen. Nun stellen wir uns vor, wir gehen ins Kino und es stünden über 50 Filme zur Auswahl. Wie lange würden wir brauchen, um uns zu entscheiden? Glauben wir, dass wir mit unserer Wahl zufrieden sein könnten? In den meisten Fällen erleichtern weniger Optionen die Entscheidungsfindung. Das liegt daran, dass weniger Optionen auch weniger Szenarien bedeuten, die wir uns vorstellen und analysieren müssen.

„Mögen unsere Entscheidungen unsere Hoffnungen widerspiegeln, nicht unsere Ängste.“

Nelson Mandela

Die neuen Technologien sind genau auf dieses Phänomen zugeschnitten. Sie filtern Informationen so, dass uns nur diejenigen erreichen, die unserem Geschmack entsprechen. Besonders empfehlenswerte Alternativen werden hervorgehoben oder die gesamte Auswahl in Kategorien zusammengefasst, sodass wir leichter eine Entscheidung treffen können. Sie tun dies, damit unser Gehirn nicht viel Zeit braucht, um sich zu entscheiden.

Das heißt in den allermeisten Fällen, dass wir schneller zu einer Entscheidung kommen, was wir für das Beste halten. Diese Strategie der limitierten Optionen passt außerdem perfekt zu unserer Konsumgesellschaft, in der es eine grauenhafte Vorstellung zu sein scheint, dass wir uns nicht entscheiden können. Dies sehen wir zum Beispiel an den  „Sonderangeboten“, die nur für die ersten Bestellungen von Produkt XY gelten.

Eine Zeichnung, die eine Frau zeigt, die keine Entscheidung treffen kann, da sie von der Auswahl überwältigt ist

Das FOBO-Phänomen

FOBO ist eine Abkürzung, die vom Englischen „Fear of better options“ abgeleitet ist, was etwa „Angst vor besseren Alternativen“ bedeutet. Dieses Phänomen spielt auf die Verzögerung der Entscheidungsfindung an, weil wir uns sicher sein wollen, uns für das Beste zu entscheiden. Je mehr Zeit wir haben, desto mehr Optionen können wir in Betracht ziehen und desto höher sind unsere Chancen, vielleicht die perfekte Alternative zu finden. In vielen Fällen führt dieses Phänomen dazu, dass wir Entscheidungen, die wir heute treffen könnten, auf morgen verschieben.

Andererseits gibt es auch Zeiten, in denen wir über eine bereits getroffene Entscheidung noch einmal nachdenken: Wir denken immer noch über andere Autos oder Waschmaschinen nach, obwohl wir bereits beide gekauft haben. Wir haben den Flug nach Spanien schon gebucht, schauen aber immer wieder nach, ob die Preise nicht doch noch gesunken sind. Und wenn sich eine bessere Option ergibt, ein technologisch weiterentwickeltes Produkt beispielsweise oder eine günstigere Verbindung, fühlen wir uns am Ende völlig überfordert und frustriert.

In den 1950er Jahren unterschied Herbert Simon bezüglich der Entscheidungsfindung zwei Arten von Menschen:

  • An einem Ende des Spektrums siedelte er die Menschen an, die über längere Zeit Alternativen vergleichen, bis sie die beste gefunden haben.
  • Am anderen Ende finden wir diejenigen, die sich auf ihre momentane Befriedigung konzentrieren.

Obwohl die Menschen, die sich bei der Auswahl länger Zeit lassen, in der Regel die besseren Entscheidungen treffen, geraten sie auch leichter in die Falle des FOBO-Phänomens. FOBO kann zu Stress, Unzufriedenheit und mangelndem Wohlbefinden führen, da wir uns nicht festlegen wollen. Im Gegenteil, dieser Zustand lässt uns ständig nach Möglichkeiten suchen, sodass unser Gehirn sich nicht ausruhen und die gewählte Option genießen kann. Daher garantieren mehr Optionen nicht notwendigerweise bessere Entscheidungen oder mehr Zufriedenheit.

In einer Studie aus dem Jahr 2012 gelangten Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Versuchspersonen nach einer getroffenen Entscheidung am unzufriedensten waren, wenn sie danach ständig gefragt wurden, was sie gewählt hatten. Das bedeutet, dass sich die Probanden trotz ihrer Entscheidung weiterhin unsicher über ihren Entschluss waren.

„In jedem Moment der Entscheidung ist das Beste, was wir tun können, das Richtige, das Nächstbeste ist das Falsche, und das Schlimmste, was wir tun können, ist nichts.“

Theodore RooseveltEIn Mann steht vor zwei Wegen im Wald.

Wie wir bessere Entscheidungen treffen können

Wir können den Prozess der Entscheidungsfindung vereinfachen, indem wir drei grundlegende Schritte berücksichtigen, die uns dazu bringen, unsere Auswahl einzuschränken und bessere Entscheidungen zu treffen:

  • Der erste Schritt ist die Klärung der Frage „Was möchten wir erreichen?“. Dadurch können wir unsere Optionen auf diejenigen beschränken, die uns unserem gewünschten Ziel näherbringen.
  • Der zweite Schritt besteht darin, unsere verfügbaren Optionen zu identifizieren. Welche Werkzeuge brauchen wir? Wie viel Zeit haben wir? Haben wir genug Motivation, um diese Entscheidung zu treffen und diesen Weg zu gehen? Wo fangen wir an? In diesem zweiten Schritt können wir einen Aktionsplan erstellen, den wir zur Entscheidungsfindung hinzuziehen können.
  • Der letzte Schritt ist die Untersuchung der kurz- und langfristigen Vorteile der Entscheidung. In diesem Schritt müssen wir die Vor- und Nachteile unserer Optionen herausfinden. Auf diese Weise vermeiden wir Entscheidungen auf der Grundlage unserer aktuellen Emotionen und unmittelbaren Bedürfnisse. Wir müssen uns fragen, wie sich eine Entscheidung in einigen Monaten oder in einigen Jahren auf uns auswirkt und wie wir sie bewerten werden.

Mit diesen einfachen Schritten können wir unseren Entscheidungsprozess optimieren, sodass wir bessere Entscheidungen treffen können, die uns näher zu unserem Ziel bringen.