Bemerkungen fallen zu lassen, statt zu kommunizieren, schadet Beziehungen

· 7. April 2019

Menschen lassen häufig Bemerkungen fallen, anstatt zu sagen, was sie wirklich denken. Doch täglich Bemerkungen gegenüber dem Partner, der Familie oder Freunden zu machen, kann zu Spannungen führen. Denn diejenigen, die zwar das Eine sagen, aber in ihrem tiefsten Inneren etwas anderes meinen, verzerren den Kommunikationsprozess und üben eine sehr subtile Art von Missbrauch aus. Das gilt insbesondere, wenn sie sich darauf konzentrieren, mit dem Finger auf ihr Gegenüber zu zeigen und ihm die Worte im Mund zu verdrehen.

Menschen unterschätzen oft die Macht, die Sprache haben kann, und entwickeln daher sehr gefährliche Gewohnheiten. Auf der anderen Seite neigen wir dazu, diejenigen in unserem Umfeld zu bewundern, die eine scharfe Zunge haben, und diejenigen, die einen unbestreitbaren Witz haben, den sie dazu nutzen, uns auf indirekte Weise ihre Überzeugungen zu vermitteln. Wir können also nicht bestreiten, dass es Menschen gibt, die es lieben, auf diese unwirksamen und schädlichen Weisen zu kommunizieren – und die Anerkennung seitens ihres Umfeldes bestärkt sie noch in ihrem Tun.

Es ist offensichtlich, dass es vom Kontext, der Situation und dem Moment abhängt, welche Botschaft mit einer bestimmten Nachricht übermittelt wird. Doch oft ist demjenigen, der verletzende Bemerkungen fallen lässt, durchaus bewusst, was er tut. Die Frage ist, warum Menschen weiterhin so reden, selbst wenn sie wissen, dass es schädlich ist? Nun, aus zweierlei Gründen: Der erste, den wir bereits angesprochen haben, ist, dass es „originell“ wirkt. Zweitens kann eine Person in dieser Rolle leichter ihren wahren Charakter verstecken und sich deshalb besser schützen. Schließlich kann sie sich am Ende mit Sätzen wie „Oh, das habe ich eigentlich nicht so gemeint“  rechtfertigen.

Durch dieses „Sprachspiel“ der Manipulation können Menschen uns etwas sagen, was eigentlich eine andere Bedeutung hat, und müssen am Ende nicht einmal dazu stehen. Vielleicht kann es in einem bestimmten Kontext bereichernd wirken, beispielsweise bei dem Versuch des Flirtens, aber in vielen anderen Situationen ist dies nicht der Fall.

„Die Tendenz zur Aggression ist eine angeborene, unabhängige, instinktive Disposition des Menschen.“

Sigmund Freud

Ein Paar sitzt auf der Couch und streitet.

Bemerkungen fallen lassen und perverse Kommunikation

Normalerweise kommunizieren passiv-aggressive Menschen in der Weise, dass sie „nur“ Bemerkungen machen. Sie sind es gewohnt, andere auf eine subtile Weise zu beleidigen und die Schuld umzukehren. Wenn Dinge nicht nach ihrer Nase laufen, distanziert sich diese Art von Mensch. Natürlich machen wir auch dann Bemerkungen, wenn wir witzig sein wollen. Wir sollten jedoch wissen, wann ein solches Verhalten unangemessen ist und wann es wehtut.

Der Psychologie-Professor Jim K. McNulty von der University of Florida (Florida, USA) bezeichnet diese Dynamik als „indirekte Feindseligkeit“. Er sagt, es handele sich dabei ein vorsätzlicher Kommunikationsfehler, der durch mangelnde Kohärenz zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir kommunizieren wollen, gekennzeichnet sei.

Wenn Leute Bemerkungen fallen lassen, benutzen sie oft auch eine nonverbale Kommunikation (z. B. Mimik und Körpersprache), die sich als sehr aufschlussreich herausstellen kann. An Gesten können wir erkennen, welche Emotionen der Bemerkung zugrunde liegen. Sind es Wut und Verachtung oder Witz und Freude?

In den meisten Fällen ist die nonverbale Kommunikation, die wir Menschen verwenden, aufrichtiger als die verbale. Deshalb verarbeiten wir zuerst den Ton und das Verhalten der anderen Person, bevor wir der eigentlichen Nachricht Aufmerksamkeit schenken.

Wenn Bemerkungen mit dem Zweck von Spott oder Erniedrigung auf der Tagesordnung stehen, ist von psychischem Missbrauch zu sprechen. Diese Art der Gesprächsführung ist daher gleichbedeutend mit perverser Kommunikation und kann das Opfer schwer beeinträchtigen.

Eine Frau reibt sich besorgt die Augen.

Wie sollten wir auf jemanden reagieren, der ständig Bemerkungen macht?

Professor McNulty, den wir bereits erwähnt haben, ist ein geschätzter Experte auf dem Gebiet der affektiven Beziehungen. In einer von ihm im Jahr 2016 durchgeführten Studie beschrieb er die am besten geeigneten Kommunikationsstrategien in Liebesbeziehungen. Diese Strategien können zur Lösung von Konflikten beitragen.

Eine dieser Strategien vermeidet Doppelbindungen. Dieser von dem Anthropologen Gregory Bateson geprägte Begriff definiert die Verwendung von Hinweisen oder mehrdeutigen Botschaften, die Zuneigung ersticken und vor allem respektlos sind.

Jetzt wissen wir also, dass wir keine Bemerkungen machen sollen. Aber was ist, wenn wir diejenigen sind, die solche Aussagen zu hören bekommen? Wie sollen wir auf jemanden reagieren, der immer nur Andeutungen macht?

Hier sind einige Strategien, die in einer solchen Situation helfen können.

Illustration von Bäumen, die die Form von Gesichtern haben

Strategien, um mit jemanden umzugehen, der dir gegenüber nur Bemerkungen macht

  • Fordern wir eine effektive Kommunikation: Sobald wir feststellen, dass jemand nur Andeutungen macht, sollten wir eine klare Kommunikation einfordern. Wenn das Gegenüber sagt, dass wir nicht „intelligent“ genug wären, um ihn zu verstehen, können wir darauf bestehen, dass jemand „Kluges“ an unserer Seite steht, wenn es wieder zum Gespräch kommt. So können wir auf Unterstützung zählen.
  • Identifizieren wir passive Aggressivität: Viele Menschen, die ständig Bemerkungen fallen lassen, anstatt zu sagen, was sie wirklich meinen, haben eine passiv-aggressive Persönlichkeit. In diesen Fällen ist es äußerst wichtig, sobald wie möglich Grenzen zu setzen. Stellen wir sicher, dass der Gesprächspartner versteht, dass wir sein Vorgehen nicht akzeptieren, und fordern wir, dass er uns angemessen behandelt.
  • Versuchen wir auch, ein gutes Beispiel dafür zu sein, was wir von der anderen Person erwarten. Wenn wir aufrichtige Kommunikation wünschen, sollten wir selbst aufrichtig kommunizieren.
  • Vermeiden wir Kontrolle: Wir sollten daran denken, dass hinter dieser Praxis ein versteckter Kontrollbedarf steckt. Bemerkungen, Sarkasmus und Spott sind Mittel, um das Selbstwertgefühl anderer Menschen zu sabotieren und sie so leichter zu kontrollieren.
  • Diese schädliche Sprache kann auch ein Tor zu anderen ungesunden Dynamiken sein, die wir identifizieren und stoppen müssen. Setzen wir deshalb unbedingt Grenzen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Andeutungen in bestimmten Situationen toleriert (und sogar geschätzt) werden können, dass sie aber oft unangebracht sind und einer perversen Kommunikation entsprechen. Denken wir immer daran, dass gesunde Kommunikation ehrlich ist.

  • McNulty, J. K. (2016) What Type of Communication during Conflict is Beneficial for Intimate Relationships? Journal of Experimental Psychology https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2016.03.002
  • McNulty, J. K. (2010). When positive processes hurt relationships. Current Directions in Psychological Science19(3), 167–171. https://doi.org/10.1177/0963721410370298
  • Baker, L. R., McNulty, J. K., & VanderDrift, L. E. (2017). Expectations for future relationship satisfaction: Unique sources and critical implications for commitment. Journal of Experimental Psychology: General146(5), 700–721. https://doi.org/10.1037/xge0000299
  • Long, N., Long, J., and Whitson, S. (2017). The Angry Smile: The New Psychological Study of Passive-Aggressive Behavior at Home, at School, in Marriage and Close Relationships, in the Workplace and Online. Hagerstown, MD: The LSCI Institute.