Beleidigende Nachrichten von Ex-Partnern: ein Risiko für die psychische Gesundheit

Manche Menschen akzeptieren das Ende einer Beziehung nicht und fangen an, ihren Ex-Partner durch ständige Nachrichten und respektlose Kommentare in sozialen Netzwerken zu belästigen.
Beleidigende Nachrichten von Ex-Partnern: ein Risiko für die psychische Gesundheit
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 06. Dezember 2021

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Beziehung zu beenden: den gesunden und respektvollen Weg oder den problematischen Weg. Letzteres kommt häufiger vor, als wir denken, und kann ernste psychische Folgen haben. So sehr, dass eine aktuelle Studie uns warnt, dass missbräuchliche Nachrichten von Ex-Partnern das Risiko von Angstzuständen, Depressionen und sogar Selbstmordgedanken erhöhen.

Das Thema ist ernster, als es scheint. Wir sprechen hier von psychologischer Manipulation, Belästigung und somit von Missbrauch. Die Tatsache, dass eine Person WhatsApp-Nachrichten, E-Mails oder unangemessene Nachrichten in sozialen Netzwerken erhält, bringt sie aus dem Gleichgewicht. Es gibt noch eine weitere Tatsache: die Unmöglichkeit, die Beziehung definitiv abzuschließen, auch wenn sie nur noch Vergangenheit ist.

Andererseits ist es nicht schwer zu folgern, dass das Opfer dieser Art von “digitaler” Misshandlung weiterhin unter der gleichen Dynamik leidet, die es bereits während der Beziehung ertragen musste. Das Leiden wird verlängert und erreicht noch quälendere Ausmaße.

Es gibt viele Formen von Mobbing, doch neue Technologien eignen sich dafür besonders gut. Diese Art von Dynamik ist am häufigsten bei jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren zu beobachten.

Beleidigende Nachrichten von Ex-Partnern

Beleidigende Nachrichten von Ex-Partnern, eine Form der Belästigung

Eine Beziehung zu beenden, ist für niemanden einfach. Bei Missbrauch, egal in welcher Form, ist dies besonders schwer, jedoch absolut notwendig. Der Missbraucher versucht, das Beziehungsaus zu verhindern und zögert oft nicht, das Opfer zu bedrohen.

Wenn der Ex-Partner die Trennung nicht akzeptiert, beginnt er in vielen Fällen sein Opfer auf unterschiedliche Arten zu belästigen. Dies kann durch Überwachung, unerwünschte Besuche, Stalking und auch durch ständige Nachrichten erfolgen. Er betrachtet das Opfer als seinen Besitz und dieses muss dies zusätzlich zur Trennung und der schwierigen Situation erleben.

Wir kennen die psychologischen Auswirkungen von Stalking, doch bisher gab es wenig wissenschaftliche Literatur über missbräuchliche Nachrichten von Ex-Partnern. Die Daten könnten nicht überzeugender sein: Die Opfer dieser Art von Dynamik zahlen einen hohen psychologischen Tribut.

Digitales Mobbing und die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Die Untersuchung wurde in der Zeitschrift Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology veröffentlicht und am Institute of Psychiatry, Psychology and Neuroscience am King’s College London durchgeführt. Die Daten von 6.857 Menschen, die eine Trennung erlebt hatten, wurden ausgewertet und haben Folgendes ergeben:

  • Viele Ex-Partner nutzen WhatsApp-Nachrichten, E-Mails, Kommentare in sozialen Netzwerken oder sogar das Verschicken von Karten als eine Form der Belästigung. Sie bitten oder fordern nicht nur, die Beziehung wieder aufzunehmen, sondern drohen auch häufig mit obszönen Nachrichten.
  • Sowohl Männer als auch Frauen erhalten missbräuchliche Nachrichten von Ex-Partnern. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen solche Nachrichten erhalten, doppelt so hoch wie bei Männern.
  • Obwohl diese Realität in jeder Altersgruppe und sozialen Schicht auftreten kann, ist sie in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen häufiger anzutreffen.
  • Eine weitere wichtige Tatsache ist, dass die Wahrscheinlichkeit, in diesen Situationen unter Angstzuständen, Depressionen und sogar Selbstmordgedanken zu leiden, sehr hoch ist. Das Risiko, psychische Probleme zu entwickeln, liegt bei 39,2 % im Vergleich zu der Bevölkerung, die keine missbräuchlichen Nachrichten von Ex-Partnern erhält.

Missbräuchliche Beziehungen und Trennungen, die Loslassen unmöglich machen

Viele mögen von den Daten überrascht sein. Warum sollte jemand Selbstmord in Erwägung ziehen, nur weil er unangemessene Nachrichten von Ex-Partnern erhält? Würde es nicht reichen, sie einfach auszufiltern?

Die Realität ist viel komplexer. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass die Person, die nach der Trennung digital belästigt wird, auch während der Zeit, in der die Beziehung andauerte, missbraucht wurde.

Körperliche und psychische Misshandlung sind häufig ein Vorläufer. Diese Form der Gewalt hinterlässt schwerwiegende Nachwirkungen und die Tatsache, dass man sich nicht vollständig von dieser Realität distanzieren kann, verstärkt das Leiden.

Es herrscht ein ständiges Gefühl der Angst und Unsicherheit. Drohungen und obszöne Sprüche untergraben das psychologische Gleichgewicht völlig. Es ist nicht möglich, die Seite umzublättern und eine neue Etappe zu beginnen. All das kann zu extremen Situationen führen.

Beleidigende Nachrichten von Ex-Partnern

Die Notwendigkeit, angesichts missbräuchlicher Nachrichten von Ex-Partnern zu handeln

Es darf nicht vergessen werden, dass Missbrauch heute auf viele Arten ausgeübt wird und digitaler Missbrauch die einfachste und am häufigsten vorkommende ist. Es ist nicht nötig, zu reisen oder das Haus zu verlassen, um in die tägliche (mentale) Realität einer Person einzutreten. Die Täter können sogar gefälschte Profile verwenden oder andere mobilisieren, ebenfalls als Trolle für jemanden zu agieren.

Digitale Belästigung muss als eine weitere Form des Missbrauchs von Ex-Partnern betrachtet werden. Das wird immer häufiger bei Teenagern beobachtet und nicht alle jungen Menschen wissen, wie sie sich verhalten sollen. Aufklärung, Vorbeugung und die Entwicklung neuer Mechanismen zum Schutz und zur psychologischen Unterstützung der Opfer sind entscheidend und auch dringend notwendig. Lass uns darüber nachdenken.

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  • McManus S, Bebbington PE, Tanczer L, Scott S, Howard LM. Receiving threatening or obscene messages from a partner and mental health, self-harm and suicidality: results from the Adult Psychiatric Morbidity Survey. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol. 2021 Jul 28:1–11. doi: 10.1007/s00127-021-02113-w. Epub ahead of print. PMID: 34322732; PMCID: PMC8318057.
  • Karakurt, G., & Silver, K. E. (2013). Emotional abuse in intimate relationships: the role of gender and age. Violence and victims28(5), 804–821. https://doi.org/10.1891/0886-6708.vv-d-12-00041