Beeinflusst die Beziehung unserer Eltern unsere Partnerwahl?

· 24. Oktober 2018

Hat die Beziehung unserer Eltern wirklich einen Einfluss auf unsere Partnerwahl? Wenn wir nach unserer Erfahrung gehen, dann würden wir wahrscheinlich ja sagen. Wissenschaftler bestätigen ebenfalls, dass eine gesunde Beziehung unserer Eltern es sehr wahrscheinlich macht, dass wir als Erwachsene selbst eine solche Beziehung pflegen. Aber natürlich gibt es immer auch Ausnahmen.

Das erste Beispiel einer romantischen Beziehung und des Zusammenlebens, das wir als Kinder erleben, ist die Beziehung unserer Eltern bzw. unserer Erziehungsberechtigten. Diese vorgelebte Beziehung kann im Kindesalter zweifellos einen großen Einfluss auf uns haben. Aber was wir als Kinder täglich sehen, wirkt sich auch langfristig auf uns aus und kann unsere Handlungen sogar noch Jahre später beeinflussen.

Manchmal hören wir Phrasen wie „Die Kinder sind noch so klein, die verstehen doch gar nicht, was um sie herum passiert“,  aber das kann man nicht so einfach sagen. Denn wir nehmen schon als (Klein-)kind vieles wahr. Was wir als Kinder erleben, wird daher einen Einfluss auf unser zukünftiges Beziehungsleben haben.

Die Beziehung unserer Eltern spiegelt sich in unserer eigenen Beziehung wider

Die Beziehung unserer Eltern kann in unserer eigenen Beziehung präsent sein, ohne dass wir es merken. Zum Beispiel in der Tendenz, immer wieder einen Partner zu wählen, der nicht zu uns passt – wenn die Beziehung unserer Eltern von Höhen und Tiefen geprägt war, dann kann das dazu führen, dass wir nach einem Partner suchen, der uns Stabilität schenkt. Aber manchmal ist die Person, die wirklich zu uns passt, eine solche, die dynamisch und spontan ist.

Es kann auch sein, dass wir als Kinder Zeugen wichtiger Ereignisse in der Beziehung unserer Eltern wurden. Vielleicht gab es ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen unseren Eltern oder die Beziehung war von Misstrauen geprägt. Wir haben vielleicht erlebt, welche Auswirkungen Fremdgehen auf eine Beziehung haben kann oder sogar Missbrauch. Um das besser zu illustrieren, wollen wir nun ein Beispiel nennen. Auf diese Weise können wir besser verstehen, wie groß der Einfluss der Beziehung unserer Eltern auf unsere eigene Partnerwahl sein kann.

Ein Kind steht zwischen seinen Eltern.

Die Beziehung von Lauras Eltern und wie diese auf Laura Einfluss nahm

Laura war noch nicht einmal 30 Jahre alt, hatte aber schon ein paar Beziehungen hinter sich. Diese Beziehungen waren alle schlecht verlaufen. Laura konnte jedoch nicht verstehen, was genau falsch lief. In einigen Fällen wurde sie von ihrem Partner betrogen. Manchmal waren ihre Freunde die reinsten Muttersöhnchen. Daher beschloss Laura, eine Psychologin aufzusuchen. In einer der ersten Sitzungen bat die Psychologin Laura, von der Beziehung ihrer Eltern zu erzählen.

Die Beziehung von Lauras Eltern verlief dramatisch. Ihr Vater betrog Lauras Mutter nicht nur mehrere Male, viel schlimmer war, dass er sie auch misshandelte und manipulierte. Lauras Mutter unterwarf sich ihrem Partner und hatte Schwierigkeiten, ihre Gefühle auszudrücken. Sie fühlte sich in der Beziehung gefangen, da sie Lauras Vater immer noch liebte. In Wahrheit war Lauras Mutter aber emotional abhängig. Sie fühlte sich meistens einsam und verlassen. Dieses Gefühl entsprang nicht nur der Tatsache, dass ihr Mann sie misshandelte, sondern sie fühlte sich auch von ihrer Familie im Stich gelassen. Diese drängte Lauras Mutter, bei diesem Mann zu bleiben, anstatt diese ungesunde Beziehung abzubrechen.

Lauras Geschichte konnte sich nur in zwei Bahnen entwickeln: entweder eine engagierte, liebevolle Beziehung finden und abhängig sein, oder vor festen Beziehungen davonlaufen und völlig unabhängig sein. Unbewusst entschied sich Laura für die erste Option.

Als Typ war Laura nicht unterwürfig. In ihren Beziehungen hatte es nie Missbrauch gegeben. Tatsächlich tat sie in ihren Beziehungen alles, was ihre Eltern nicht getan hatten: Sie kommunizierte mit ihren Partnern, achtete darauf, dass diese sie respektierten, und blieb nie bei jemandem, der versuchte, sie zu unterdrücken … Trotzdem waren ihre Partner manchmal selbst zu unterwürfig oder schreckten nicht davor zurück, Laura anzulügen.

Lauras Beziehungswahl war stark davon geprägt, was sie als Kind in der Beziehung ihrer Eltern gesehen hatte. Obwohl Laura sich so sehr bemühte, eine gesunde Beziehung aufzubauen, gelang es ihr nicht. In ihren Therapiesitzungen lernte sie dann endlich, warum sie scheinbar ständig die falsche Partnerwahl traf.

Das Problem in Lauras Beziehungen war, dass es ihren Partnern an Bindungsfähigkeit fehlte. Die Leute, mit denen sie zusammen war, konnten sich nicht binden, sie betrogen Laura lieber oder hatten immer noch eine zu starke Bindung zu ihren Müttern. Daher kam Laura in ihren Beziehungen immer nur an zweiter Stelle. Diese Erfahrung war ähnlich der Erfahrung, die ihre Mutter in ihrer Beziehung gemacht hatte.

Eine gesunde Partnerwahl

Nachdem wir nun Lauras Geschichte gelesen haben, fragen wir uns sicher, wie das wohl bei uns aussieht. Ist es überhaupt möglich, einen Partner zu finden, ohne bei dieser Wahl von der elterlichen Beziehung beeinflusst zu werden? Die Antwort ist ja, aber wir müssen auch lernen, warum unsere Partnerwahl schwierig sein kann.

Dazu machen wir uns am besten bewusst, welchen Mustern wir folgen, wenn wir auf der Suche nach einem Partner sind. Natürlich muss nicht jede Beziehung aus den gleichen Gründen enden. Aber wenn wir vier Beziehungen hatten und diese alle wegen des gleichen Problems endeten, dann sollten wir vielleicht über das nachdenken, worüber in diesem Artikel gesprochen wird.

Eine Frau unterhält sich mit ihrer Psychologin.

Wenn es uns schwerfällt, Beziehungsmuster zu finden, kann eine Therapie uns dabei helfen, diesem Problem auf den Grund zu kommen. Therapeuten vermitteln uns Strategien, um unser Selbstwertgefühl zu steigern, und helfen uns, unsere Unsicherheiten zu überwinden. Wir lernen auch, eine Situation objektiver zu betrachten. Auf diese Weise können wir versuchen, unser Leben durch die Person zu bereichern, die wir für uns selbst auswählen. Das ist eine viel bessere Möglichkeit, um unsere Bedürfnisse abzudecken, als vor den Geistern unserer Vergangenheit davonzulaufen.

Des Weiteren kann die Therapie auch ein Bewusstsein dafür schaffen, wie unsere Beziehungen anfänglich verlaufen. Hier kann der Schlüssel zur Lösung unseres Problems liegen, denn gerade zu Beginn greifen wir gern auf alte Verhaltensmuster zurück. Sind unsere Erwartungen normalerweise zu hoch? Werden wir blind, wenn wir jemanden lieben?

Der Schlüssel zu unseren Beziehungen liegt in ihrem Anfang. Daher sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Anfang unserer Beziehungen konzentrieren.

Sobald wir diese Punkte analysiert und darüber reflektiert haben, können wir die Stolpersteine auf unserem Weg erkennen. Auf diese Weise können wir ihnen viel besser ausweichen. Wenn wir unsere Augen öffnen, dann werden wir dazu in der Lage sein, Beziehung aufzugeben, die uns nicht guttun. Wenn wir erkennen, was uns in unseren Entscheidungen beeinflusst, können wir schließlich viel bessere Entscheidungen für uns selbst treffen.