Beeinflusst der frühe Bindungsstil unsere romantischen Beziehungen?

23 August, 2020
Neueste Studien über Bindungsstile zeigen, dass die Qualität und Struktur der ersten Beziehungen, die Menschen normalerweise zu ihren Eltern herstellen, einen signifikanten Einfluss auf ihren Kommunikationsstil und ihre romantischen Beziehungen haben.

Der Bindungsstil während der Kindheit ist eine Variable, die eine entscheidende Rolle beim Aufbau gesunder romantischer Beziehungen im Erwachsenenalter spielt. Immer mehr Paartherapeuten vertreten die Meinung, dass unser früher Bindungsstil einen großen Einfluss auf unsere Beziehungen im Erwachsenenalter hat.

John Bowlbys Bindungstheorie definiert Bindung als die emotionalen Verbindungen, die wir während unseres gesamten Lebens mit den Menschen um uns herum aufbauen. Zunächst erstellen wir sie mit unseren Eltern während der Kindheit; später dann auch mit anderen, wie beispielsweise:

  • unseren Geschwistern
  • weiteren Familienmitgliedern
  • Freunden
  • Partnern

Die emotionale Verbindung, die wir mit unseren ersten Bezugspersonen (in der Regel sind dies die Eltern) aufbauen, wirkt sich direkt darauf aus, wie sicher und geschützt wir uns fühlen.

Das Maß an Sicherheit und Selbstvertrauen, das wir von unseren Eltern wahrnehmen, bestimmt den Bindungsstil unserer Kindheit. Gleichzeitig kann dieser Bindungsstil aber auch die Art der romantischen Beziehungen beeinflussen, die wir als Erwachsene aufbauen.

Im Folgenden werden wir uns die verschiedenen Arten der Bindung genauer ansehen. Außerdem werden wir darauf eingehen, wie sie unsere romantischen Beziehungen beeinflussen können.

Der sichere Bindungsstil in der Kindheit schafft vertrauensvolle und positive Beziehungen

Der sichere Bindungsstil in der Kindheit: vertrauensvolle und positive Beziehungen

Sicherheit und Vertrauen bilden die Grundlage für den sicheren frühen Bindungsstil und unsere Bezugspersonen sind diejenigen, die diese Gefühle inspirieren.

Im sicheren Bindungsstil verstehen die Eltern die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder und reagieren entsprechend darauf. Durch diese Dynamik fühlen sich junge Menschen geliebt und beschützt. Es ist eine sichere Umgebung, in der sie ihre Gefühle ausdrücken können, da ein Klima des Vertrauens vorherrscht. Sie können ihre eigene Person sein, ohne Angst vor Ablehnung zu haben.

Wenn die Bindungsfiguren diese beiden Grundmerkmale (Sicherheit und Vertrauen) fördern, erziehen sie ein Kind, das selbstsicher ist und anderen vertraut. Das Kind wird auch die Fähigkeit haben, seine Emotionen zu regulieren und gute soziale Gewohnheiten zu entwickeln. Rafael Guerrero, Psychologe und Direktor von Darwin Psychology Services, beschreibt es so:

„Es ist wahrscheinlich, dass diejenigen, die in ihrer Kindheit eine sichere Bindung erfahren haben, gesündere und ausgeglichenere romantische Beziehungen haben.“

Es ist wahrscheinlicher, dass sie ihrem Partner vertrauen und Abhängigkeitsprobleme vermeiden. Außerdem wird es für sie einfacher sein, gut zu kommunizieren und die Bedürfnisse des anderen zu identifizieren.

Der vermeidende Bindungsstil: unsichere und entfernte Beziehungen

Kinder mit dieser Art der Bindung wurden von ihren Eltern abgelehnt und ihre Bedürfnisse wurden nicht ausreichend berücksichtigt. Da die Bezugspersonen der Kinder nicht verfügbar waren, zeichnet sich dieser Bindungsstil durch eine emotionale Distanz und mangelnde Verfügbarkeit aus. Die Eltern waren nicht da, um sie zu unterstützen oder ihnen zu helfen, wenn sie sie brauchten.

  • Kinder, die diesen Bindungsstil erfahren haben, haben gelernt, emotionalen Kontakt und Intimität mit anderen zu vermeiden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie erfahren haben, dass sie sich nicht auf ihre Bindungsfiguren verlassen können.
  • Sie haben Probleme, ihre Gefühle auszudrücken, weil sie befürchten, Ablehnung oder Gleichgültigkeit zu erfahren. Dies liegt daran, dass sie in gleicher Weise unter ihren Bezugspersonen gelitten haben.
  • Sie bauen eine Art unsichtbare Mauer und eine scheinbare Autonomie auf, die auf einer Reihe erlernter Strategien basiert. Diese Strategien wurden aus Angst vor Ablehnung gelernt.

Romantische Beziehungen, in denen ein Partner eine unsichere vermeidende Bindung in der Kindheit erfahren hat, sind in der Regel distant. Der Grund dafür ist der, dass die Person das Gefühl hat, der anderen Person nicht wirklich vertrauen zu können. Sie vermeiden emotionale Verbindungen aus Angst und Furcht vor ihrem Partner und sich selbst. Darüber hinaus fällt es ihnen sehr schwer, andere um Hilfe zu bitten oder diese anzunehmen.

Eine ambivalente Bindung kann zu instabilen und abhängigen Beziehungen führen

Die ambivalente Bindung: instabile und abhängige Beziehungen

In ambivalenten Bindungen haben Kinder instabile Eltern. Manchmal lehnen sie die Kinder ab, ohne dass ihre Motive konsequent sind. Diese Inkonsequenz führt dazu, dass die betroffenen Kinder die Welt nicht erkunden möchten. Denn sie wissen nicht, ob ihre Anforderungen erfüllt werden, wenn sie um Hilfe bitten.

Menschen, die diesen Bindungsstil in ihrer Kindheit erfahren haben, entwickeln sehr wahrscheinlich eine emotionale Abhängigkeit und lernen, in Beziehungen mit Angst und Unsicherheit zu leben. Sie neigen dazu, ein negatives Selbstbild, ein geringes Selbstwertgefühl und ein geringes Gefühl der Kontrolle darüber zu haben, was passiert. Darüber hinaus haben sie Angst vor dem Verlassenwerden und fordern viel Aufmerksamkeit; sie brauchen andere, die ihnen ständig ihre Liebe zeigen.

Zusammenfassend erklärt dies den Zusammenhang zwischen frühen Bindungsstilen und späteren romantischen Beziehungen. Die Beziehungen, die wir zu unseren ersten Bezugspersonen in der Kindheit aufgebaut haben, scheinen unsere spätere Partnerwahl zu beeinflussen. Darüber hinaus hat diese Bindung aber auch einen Einfluss auf die Art der Beziehungen, die wir aufbauen sowie die Qualität der Verbindungen, die wir mit unseren Nächsten eingehen.