Beeinflusst dein Herkunftsland deine Persönlichkeit?

9. Mai 2017 en Psychologie 66 Geteilt

Wie beeinflusst das Land, in dem du geboren wurdest, deine Persönlichkeit? Diese Frage stellen sich viele Denker und Wissenschaftler seit Jahrhunderten. Die Antworten auf diese Frage reichen von geographischem Determinismus bis hin zu universaler menschlicher Essenz.

Die Kultur, in der du aufwächst, hat ohne Zweifel einen großen Einfluss darauf, wie du denkst und fühlst. Sie beeinflusst ebenfalls die Ausbildung deines Selbstbildes. Zwar gibt es nicht wirklich eine nationale Wesensart, aber viele Einwohner eines Landes zeigen tatsächlich bestimmte dominante Eigenschaften und vertreten gemeinsame Werte. Viele, nicht alle.

Nationalismus kann durch Reisen geheilt werden.

Camilo José Cela

Und es gibt sogar bestimmte Eigenschaften, die allen Menschen gemein sind, egal, aus welcher Kultur sie stammen. Margaret Mead, eine englische Anthropologin, die im 20. Jahrhundert bekannt wurde, zeigte, dass es selbst in den exotischsten Kulturen eine Trennung von Pflichten und Machtbefugnissen aufgrund des Geschlechts gibt. Und die Menschheit verfügt über ästhetische Ausdrucksweisen, die von der Gemeinschaft geschätzt werden.

Kerneigenschaften und Stereotype

Es ist nicht einfach, eine Reihe von Charaktereigenschaften festzuschreiben, welche die Wesensart einer Person in Abhängigkeit von ihrem Herkunftsland definierten. Vorurteile und Stereotype bestimmter Kulturen können hier eine Rolle spielen. Aber es ist nicht jeder gleich, der aus diesem oder jenen Land kommt, auch wenn bestimmte Eigenschaften hervorzustechen scheinen.

Natürlich werden die vorherrschenden Gepflogenheiten in die Persönlichkeiten der Menschen, die einer Kultur angehören, aufgenommen. Es ist auch klar, dass Menschen, die aus dem gleichen Land stammen, ähnlichen historischen Faktoren ausgesetzt waren und dass diese die Individuen stark prägen können. Auch hat jede Nation ihren eigenen Wertekatalog, der sowohl im familiären als auch im Bildungskontext verstärkt wird.

Zum Zweck der Definition verschiedener Wesensarten wurden Gruppen definiert: Angelsachsen, Latinos und Asiaten. Obwohl jede dieser Gruppen Personen vieler verschiedener Länder umfasst, zwischen denen bedeutende Unterschiede bestehen, malt die Gesellschaft uns doch ein eindeutiges Bild von ihnen.

  • Man sagt, dass Angelsachsen sich durch ihren Individualismus auszeichnen. Sie sind demnach eher reserviert, unabhängig und praktisch orientiert. Sie sind in der Regel wettbewerbsorientiert und schätzen Freiheit und Autonomie über alles. Sie begrüßen Präzision, Genauigkeit und Methodik. Sie werden meist als systematisch betrachtet. Sie schätzen Humor als einen Ausdruck von Intelligenz und nicht als eine Laune. Die Vorstellung von Erfolg und Versagen ist tief verwurzelt in ihnen und ihr ganzes Leben dreht sich darum.
  • Asiaten haben meist großen Respekt vor Autoritäten und verlangen viel von sich selbst. In asiatischen Ländern wird jegliche Art von Hierarchie respektiert und geradezu verehrt: die familiäre, religiöse, politische, usw. Sie sind disziplinierte Menschen, die Respekt und Toleranz für andere ausstrahlen. Sie möchten, dass ihr Handeln im Einklang mit diesen ethischen Prinzipien steht. Sie schätzen die Arbeitsfähigkeit und Würde einer Person über alles.
  • Latinos assoziiert man mit sozialer Kompetenz, unterhaltsamen Gesprächen und Extroversion. Man sagt, dass sie nicht viel von Normen halten und sich stattdessen gern den angenehmen Seiten des Lebens widmen. Sie sind kreativ, gastfreundlich, herzlich und großzügig. Sie stellen ein ruhiges Leben mit Freunden und Familie über beruflichen Erfolg. Sie haben einen großartigen Sinn für Humor und bringen gern zum Ausdruck, wie sie sich fühlen, am besten durch Kunst. Sie haben den Ruf, die besten Liebhaber zu sein und stehen ihrer Familie meist sehr nahe.

Das passt soweit, oder? Wahrscheinlich kennen unsere Leser aber auch zahlreiche Ausnahmen und wissen daher bereits, dass man über bestimmte Charakteristika zwar lachen darf, aber andere Menschen nicht in eine Schublade stecken sollte, in die sie mit Sicherheit nicht vollkommen passen.

Denn wir dürfen nicht vergessen, dass aufgrund von politischen und ökonomischen Interessen oft Stereotype entwickelt werden, die eine ganze Personengruppe entwerten oder untergraben. Dies passierte etwa der jüdischen Gemeinde, die über Jahrhunderte als Betrüger gebrandmarkt waren. Oder den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents, die als hinterlistig, schmutzig und verkommen verurteilt wurden. Oder den Vietnamesen, die als blutrünstig, träge und verrückt bezeichnet wurden. Und so weiter – wer heute eine Zeitung aufschlägt, findet sicher aktuelle Beispiele.

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