Auch wenn du mich vergisst, werde ich dich für immer in meinem Herzen behalten

· 1. Dezember 2016

Ich würde dir gern all das sagen, was ich dir nie gesagt habe, weil ich es immer für gegeben hielt, dass es später noch Zeit geben würde, um dir zu sagen, wie stolz ich auf dich bin. Ich dachte, wenn ich dir zu oft sage, wie wichtig du für mich bist, dass dann die Worte ihren Wert verlören, aber jetzt kann ich nur daran denken, dass ich nie vergessen werde, was du für mich getan hast, Mama, obwohl du einfach alles vergisst, sogar deinen Namen.

Ich höre nicht auf, daran zu denken, wie schlecht wir mit Worten und Momenten umgehen, weil wir die Zeit nicht nutzen, unsere Gefühle dann zu äußern, wenn wir es können. Die Zeit ist launisch, und jetzt, wo die Demenz dir deine Erinnerungen nimmt und dafür sorgt, dass du vergisst, wer du bist, merke ich, welchen Wert wir dem beimessen, was wir verlieren, dass wir es aber nicht genießen, wenn wir es haben.

„Wir sterben mit den Worten, die wir nicht aussprechen können. Wir sterben mit der Trauer um diejenigen, die das Leben damit verlieren, auf diese zu warten.“
Gustavo Martín Garzo

Und auch wenn ich zugeben muss, dass es viel schwerer war, als ich dachte, mich um dich zu kümmern, bereue ich dennoch keine Sekunde, die ich dir gewidmet habe, genauso wie du dich mir gewidmet hast, als du mich großgezogen hast. Ich bin jemand, dank dir, dank deiner Anstrengungen, und deshalb habe ich mir geschworen, dich bis zu deinem letzten Atemzug zu pflegen.

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Ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit der Demenz

Am Anfang war es schwer, zu glauben, in wen du dich langsam verwandelt hast. Ich sah dich dahinwelken, mit deinem verworrenen Kopf, mit deinen immer löchrigeren Erinnerungen und mit einer noch schmerzhafteren Zukunft vor uns. Morbus Alzheimer ist viel größer als du und wir müssen uns daran gewöhnen, im Schatten der Demenz zu leben.

Man pflegt zu sagen, dass der Kranke seine Angehörigen nicht wiedererkennt, aber in diesem Fall viel es auch mir schwer, dich zu erkennen. Mit jedem Tag wurde dein Blick noch abwesender, so als würde er die Leere widerspiegeln, die sich in deinem Kopf ausbreitete und ihn mit Vergessen auffüllte.

Es ist sehr hart zu sehen, wie du Stück für Stück verwelkst, wie du aufhörst, mit mir zu sprechen, mir Ratschläge zu geben und selbst mit mir zu schimpfen. Ich würde einfach alles geben, für noch einen Streit, für noch eine Umarmung, noch einen Blick, noch ein kleines Stückchen von diesem Universum, das wir gemeinsam erlebten, das aber nie mehr zurückkommen wird.

Ich erinnere mich, wie du mich gestärkt hast, um über Schwierigkeiten hinwegzukommen, aber ohne jemandem auf dem Weg zu zertrampeln; wie du gegen den Wind und die Flut gekämpft hast, um mich vorwärtszubringen, ohne dass es mir an etwas fehlen würde, obwohl wir nicht im Überfluss geschwommen sind; und wie du mich wertschätzen gelehrt hast, dass die Familie immer das Wichtigste im Leben ist, denn was auch immer passiert, wir bleiben immer zusammen, du und ich.

So warst du, du warst stark, mutig, kämpferisch und leuchtend. Du warst meine Liebe und mein Leben. Und jetzt bist du das Vergessen, Schwäche und Leere. Aber du bist es doch, Mama, du bist es und gleichzeitig ist es das Nichts. Was auch immer passiert, du wirst für mich immer du bleiben und jeder Lichtstrahl, der dich aus dieser Dunkelheit holt, in die dich die Demenz gestürzt hat, erinnert mich daran, dass sich jede Minute an deiner Seite lohnt, egal was noch kommt.

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Auch wenn du mich vergisst, werde ich dich für immer in meinem Herzen behalten

Ich bin nicht darauf vorbereitet, dass das Licht ausgeht und du dich für immer verabschiedest. Ich bin nicht darauf vorbereitet, dass du vergisst, wer wir sind, wer wir gewesen waren oder welche Pläne wir für die Zukunft hatten, die wir nie erreicht haben. Ich bin nicht darauf vorbereitet, deine Hand mitten auf dem Weg des Lebens loszulassen, weil ich schon niemanden mehr haben werde, der mir beim Aufstehen hilft, wenn ich wieder einmal hinfalle.

Man sagt, das Abschied schwerfällt, aber niemand redet darüber, wie schwierig es ist, sich von der Person zu verabschieden, die du am meisten im Leben magst, weil sie aufhört, sie selbst zu sein, weil die Demenz ihr Sein, ihre Essenz überkommen hat, und obwohl sie weiterhin präsent ist, sie nicht mehr sie selbst ist.

Aber wenn es etwas gibt, was ich für dich tun kann, auch wenn du schon nicht mehr da sein solltest, dann wohl, deine Hand mit aller Kraft zu ergreifen, damit du dich nicht allein fühlst, dich in deinen letzten Tagen zu begleiten und dich die Zärtlichkeit spüren lassen, die du verdient hast, denn auch wenn du mich vergisst, werde ich dich immer in meinem Herzen halten.

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