Aston Hall: Die düstere Geschichte dieser psychiatrischen Klinik

30 Mai, 2020
In jüngster Zeit erfuhr die Welt von den "Therapien", die in der psychiatrischen Klinik Aston Hall angewendet wurden. Sie verwendeten eine Substanz, die als "Wahrheitsserum" bezeichnet wird. Diese Vorgehensweise und die zahlreichen Beschwerden über die dortigen Vorkommnisse erwecken den Eindruck, dass es sich nicht um eine Gesundheitseinrichtung, sondern vielmehr um ein Horrorhaus gehandelt hat.

Die psychiatrische Klinik Aston Hall erlangte ihren zweifelhaften Ruf, nachdem verschiedene Missbrauchsvorwürfe ehemaliger Patienten bekannt geworden waren. All das geschah im Jahr 1993 und kurz darauf wurde das Gebäude abgerissen und ein Wohnkomplex an gleicher Stelle errichtet.

Daher werden wir wohl nie die ganze Wahrheit über die Geschehnisse in dieser Klinik erfahren. Das liegt hauptsächlich daran, dass die einzigen Zeugnisse von den Patienten stammen, die bei dem damaligen Klinik-Chef Kenneth Milner in Behandlung waren.

Offensichtlich hat er die Patienten willkürlich unter Drogen gesetzt, was dazu geführt hat, dass das Gedächtnis vieler Patienten beeinträchtigt wurde. Da Milner inzwischen verstorben ist, hat er auch die Möglichkeit mit in sein Grab genommen, dass wir diese Geschichte von ihm selber erfahren könnten.

Vielen Menschen ist das psychiatrische Krankenhaus Aston Hill als ein Ort bekannt, an dem verrückte Wissenschaftler psychische Experimente durchgeführt haben. Allerdings ist es nicht ganz klar, ob all das tatsächlich geschehen ist oder nicht.

Aber was außer Zweifel steht, ist die Tatsache, dass sie ihre Patienten mit einer Substanz, dem so genannten “Wahrheitsserum”, behandelt haben. Offensichtlich erfolgte dies nicht zu Forschungszwecken, sondern weil sie davon überzeugt waren, dass es sich tatsächlich um eine valide Therapie handeln würde.

Die psychiatrische Klinik Aston Hall

Die psychiatrische Klinik Aston Hall wurde im Jahr 1930 in der Grafschaft Derbyshire in England eröffnet. In ihr sollten Kinder und junge Menschen behandelt werden, die als “besonders” eingestuft wurden, das bedeutet, Kinder mit Verhaltensproblemen. Daher war diese Klinik eine Mischung aus einer Besserungsanstalt und einer Gesundheitseinrichtung. Und allem Anschein nach erfüllte die Klinik auch den Zweck, für den sie bestimmt war.

Alles begann im Jahr 1993, als eine Gruppe von Forschern eine Reihe von Fotos der psychiatrischen Klinik Aston Hall im Internet veröffentlichte. Kurz danach erschienen überall Kommentare ehemaliger Patienten, die als Teenager Patienten in dieser Klinik waren. Sie berichteten über Missbräuche wie Vergewaltigungen und unmenschliche Behandlungsmethoden.

Später wurde die Klinik geschlossen und das Gebäude wurde zerstört. Allerdings gab es niemals eine eindeutige Erklärung dafür, warum diese Entscheidung getroffen wurde. Was allerdings bestehen blieb, war das Echo der schweren Vorwürfe, die gegen diese Einrichtung erhoben worden waren.

Daraufhin versuchten einige Journalisten, mehr über die Hintergründe in Erfahrung zu bringen. So kam es, dass weitere Details über die Vorkommnisse in diesem freudlosen Hospital an die Öffentlichkeit gelangten.

Narkoanalyse

Während des zweiten Weltkrieges kam eine Droge auf, das sogenannte “Wahrheitsserum”. Ihr Hauptbestandteil ist Natriumamytal, eine sehr starke chemische Substanz, die eine enthemmende Wirkung hat. Das bedeutet, dass Menschen, die unter diesem Einfluss stehen, die Kontrolle über ihre Selbst-Repressions-Mechanismen verlieren. Sie verlieren ihren eigenen Willen. Diese Methode wurde als “Narkoanalyse” bezeichnet.

Während des Krieges wurde diese Droge als Notfallbehandlung für Soldaten eingesetzt, die sich in einem Schockzustand befanden. Dies geschah, nachdem sie ein wirklich sehr traumatisches Erlebnis gemacht hatten.

Durch die Behandlung verdrängten sie die schmerzhaften Erinnerungen und vergaßen sie. Allerdings kamen diese Erinnerungen als teilweise oder vollständige Lähmung und in Form tiefer Depressionen zurück, was sie daran hinderte, ein normales Leben zu führen.

Wenn dies geschah, setzten die Militärpsychiater das “Wahrheitsserum” erneut ein. Sie nutzen es, um die Verdrängung der Soldaten zu durchbrechen. Dadurch begannen die Soldaten, sich wieder an ihre traumatischen Erlebnisse zu erinnern. Sie erlebten eine Katharsis, die (zumindest teilweise) dazu führte, dass sie ihr Gleichgewicht wiederfinden konnten. Es war so, als würde man eine infizierte Wunde wieder öffnen, um sie zu reinigen und sie dann anschließend ausheilen zu lassen.

Aston Hall - verängstigte Frau

Eine fragwürdige Behandlungsmethode

Darüber hinaus führt dieses “Wahrheitsserum” auch zum Verlust des Willens. Eine Person, die sich unter diesem Einfluss befindet, lässt sich sehr leicht manipulieren und beeinflussen. Laut Experten auf diesem Gebiet ist es auch möglich, falsche Erinnerungen aufzubauen. Daher sind Menschen unter dem Einfluss von Natriumamytal extrem suggestibel.

Und genau diese Droge wurde auch in der psychiatrischen Klinik Aston Hall systematisch eingesetzt. Darüber hinaus gibt es einige Berichte über sexuellen Missbrauch. Leider behaupten diese Aussagen, dass die Patienten sich ausziehen mussten, bevor sie die Droge einnahmen. Experten erklären, dass einige der Erinnerungen, die unter dem Einfluss dieser Substanz entstehen, nicht vollkommen transparent sind. Außerdem ist es möglich, dass sie induziert oder modifiziert wurden.

Eine der Patientinnen von Aston Hall “entdeckte” während einer solchen Behandlung, dass ihr Vater sie sexuell missbraucht hatte. Sie glaubte dies und denunzierte ihn daraufhin. Allerdings war dieser Missbrauch nach Angaben der restlichen Familie eher unwahrscheinlich. Nach einigen Jahrzehnten bekam das mutmaßliche Opfer Zweifel an ihren eigenen Erinnerungen. Heute glaubt sie, dass diese Erinnerungen auf irgendeine Art und Weise induziert wurden.

Darüber hinaus gibt es aber auch andere Patienten der psychiatrischen Klinik Aston Hall, die davon überzeugt sind, dass ihnen die Therapie mit dem “Wahrheitsserum” geholfen habe. Allerdings werden wir all das niemals wirklich sicher wissen können, denn auch diese Aussagen beruhen auf den Erinnerungen von Menschen, die falsche Erinnerungen haben. Was wir aber mit Sicherheit wissen, ist, dass “Narkoanalyse” zu viele Risiken birgt, als dass sie eine valide Therapieform werden könnte.

Picnon-Rivière, E. (1948). Teoría y práctica del narcoanálisis. Revista de psicoanálisis, 5(4), 1036-1051.