Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen kein Mitleid

30. August 2016 en Emotionen 3 Geteilt

Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen kein Mitleid. Sie brauchen andere Dinge, die jeder von uns vermitteln kann: Natürlichkeit, Liebe und Verständnis. Niemand mag es, wenn andere Menschen sie mit Mitleid in den Augen anschauen.

Ein einfühlsamer Blick kann die besten Absichten der Welt haben, aber in Wirklichkeit kann er die Person, auf die man schaut, brandmarken und entwerten. Wenn dich jemand aufgrund eines physischen Mangels, einer schweren wirtschaftlichen Lage oder eines Fehlers, den du verursacht hast, mit Mitgefühl anschaut, dann fühlst du dich um so schlimmer. Es bringt dich dazu, über alle Dinge nachzudenken, die du falsch gemacht hast und durch die du dieses Mitleid hervorrufen hast.

Das Kind und dessen Eltern gehen durch unendliche stressvolle Situationen, die leichter werden können, wenn die Beteiligten soziale Unterstützung fühlen. Wir werden einige der Situationen beschreiben, durch die diese Familien und deren Kinder gehen, um dir zu helfen, eine einfühlsame und angemessene Einstellung ihnen gegenüber zu entwickeln.

„Eine Behinderung kann dich nicht definieren. Wie du die Herausforderungen meisterst, die diese Behinderung darstellt, ist, was dich definiert.“

Jim Abbott

Eine schwere Diagnose

Jede Schwangerschaft stellt ihre eigene Welt dar, doch jeder Vater und jede Mutter wünscht sich, dass sie so problemlos wie möglich verläuft. Sie wünschen ihrem zukünftigen Kind die beste Gesundheit, damit es sich den Dämonen dieser immer anspruchsvoller werdenden Welt stellen kann.

Einige Untersuchungen können helfen, durch Teratogene und andere Faktoren ausgelöste genetische Probleme während der Schwangerschaft festzustellen. Andere Studien können eine unheilbare fetale Pathologie aufzeigen. Die Eltern werden auf diese schwere Situation reagieren und entscheiden, ob sie mit der Schwangerschaft fortfahren möchten, oder nicht – basierend auf ihren eigenen Überlegungen und Werten, die wir hier nicht ansprechen werden.

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Mit anderen Worten, vielen Müttern und Vätern ist die Diagnose bereits während der Schwangerschaft bekannt. Aber bei anderen erfolgt die Diagnose im Moment der Geburt und in wieder anderen Fällen zeigen sich die Schwierigkeiten erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben. Doch unabhängig davon, wann die Diagnose bekannt wird, ist sie immer schwer zu verarbeiten und sie hat einen großen emotionalen Einfluss auf die Eltern.

In diesem Moment der Diagnose ist es die Frau, die zusammen mit ihrem Partner akzeptieren muss, dass ihre Mutterschaft anders sein wird, nicht besser oder schlechter… und das ist ein fundamentaler Augenblick für die spätere Bewältigung. Die Informationen sollten akkurat und präzise sein und sie müssen mit Feingefühl und Verständnis übermittelt werden.

Der Umgang mit der Diagnose

Das ist der Zeitpunkt, die richtigen Informationen zu wählen, einen Plan als Eltern zu entwickeln, gemeinsam die Sorge für das Kind zu übernehmen, sich psychologisch zu wappnen und sich bewusst zu werden, dass die Erziehung dieses Kindes ein Marathon werden wird, und dass man zusätzlich noch das Unbekannte bewältigen muss. 

Familienumarmung

Schritt für Schritt werden die Eltern die Diagnose akzeptieren und sich mit aller Kraft und Hoffnung auf die harte Arbeit stürzen, die die Erziehung dieses Kindes ist, um ihm das zu geben, was es braucht. Rehabilitationssitzungen, einen guten Lebensraum für das Kind und ein Projekt, basierend auf Liebe, die das Kind braucht, wie jedes andere auch.

Ein Kind mit besonderen Bedürfnissen erziehen

Wir können viel von Kindern mit besonderen Bedürfnissen lernen. Sie sind Meister, die langsam all die Schwierigkeiten überwinden, die sie haben, und sie machen das, ohne sich großartig zu beschweren und mit einem Lächeln im Gesicht.

Manchmal sind ihre Gefühle so intensiv, dass sie unser Innerstes erschüttern, doch die Menschen um sie herum müssen ein positives Bild vermitteln. Sie müssen dem Kind zeigen, dass sie ihnen bei ihren kleinen Herausforderungen des Tages helfen.

„Teil des Problems an dem Wort ‚Behinderung‘ ist die Ansicht, dass man nichts sehen kann, nichts hören kann, nicht laufen kann oder andere Dinge tun kann, die viele von uns als normal ansehen. Doch was ist mit den Menschen, die nichts fühlen, nicht über ihre Gefühle sprechen können, ihre Gefühle nicht kontrollieren können oder keine Beziehungen aufbauen können? Menschen, die die Hoffnung verloren haben, deren Leben elend und verbittert ist? Für mich sind das die wahren Behinderungen.“

Fred Rogers

Menschen mit besonderen Bedürfnissen öffnen unsere Herzen und sie behalten nichts für sich. Sie sind die pure Emotion in einem Körper, der eventuell nicht auf sie hört. Sie sind großzügig, liebenswürdig, urteilen mit Liebe in den Augen und ihre Stille ist niemals unangenehm. Es ist die Stille der Gelassenheit und Besinnung, die auch unsere ist.

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Oft müssen sie mehr Krankenhäuser und Rehabilitationszentren in einigen Monaten besuchen als die meisten von uns in einem ganzen Leben. Sie verdienen keine Blicke voll mit Mitleid, denn es gibt keinen Grund, sie zu bemitleiden. Sie bringen uns ständig neue Lektionen über den Kampf im Leben bei. Pur, wunderschön und unermesslich heilsam.

Integration mit Gleichaltrigen und in der Gesellschaft

Abhängig vom Problem haben diese Kinder mehr oder weniger Schwierigkeiten, sich ihrer Umgebung anzupassen. Unglücklicherweise verhalten sich Menschen ohne geistige Behinderung ihnen gegenüber mit einer gewissen Lustlosigkeit, werfen ihnen mitleidsvolle Blicke zu, murmeln mit Kummer, wie schrecklich „das“ doch sein muss.

Sie äußern sogar schmerzvolle Kommentare: „Was für eine Schande!“ – „Dir wurde diese Bürde aufgetragen und das ist nicht fair.“ – „Na ja, die Wege des Herren sind unergründlich.“ – Die Ignoranz einiger Menschen beeinflusst sie sicherlich.

Diese Menschen sollten vom Kind und dessen Eltern ferngehalten werden und man sollte sie ignorieren, genau wie sie es verdient haben. Die meisten Menschen sind gut, gebildet und gehen respektvoll mit diesen Problemen um, also sollte man dem nicht zu viel Bedeutung zumessen.

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Die vom Kind geliebten Personen sollten die Situation mit Natürlichkeit handhaben, wie ein medizinisches Problem, das von den besten Profis behandelt werden sollte, zusammen mit den Menschen, die es mehr als alles auf der Welt lieben, das Kind lächeln zu sehen. Wir sollten dafür kämpfen, dass das Kind in Parks oder in Schulen integriert wird, oder dass architektonische Barrikaden eliminiert werden. Denn ein wenig Gerechtigkeit, gute professionelle Kräfte und ein Kreis voller Liebe für das Kind können Wunder bewirken: Das Kind ist glücklich.

Die Familie des Kindes, die Kollegen, professionelle Kräfte… sie können nichts mehr verlangen. Denn wenn das Kind trotz der Situation glücklich ist, was ist wichtiger als das?

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