Angst und Ignoranz – Angst vor dem Unbekannten

· 27. Mai 2018

Angst ist eine grundlegende menschliche Emotion, die eine sehr wichtige Funktion erfüllt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Notfallkoffers zum Überleben. Obwohl es nicht angenehm ist, Angst zu erleben, ist Angst tatsächlich ein Zeichen guter psychischer Gesundheit, solange es sich beim Auslöser um eine echte Gefahr handelt. Auf der anderen Seite, wenn sie aus einer imaginären Bedrohung heraus entsteht, wird sie zu einem Symptom einer Störung.

Wie andere Emotionen kann Angst in verschiedener Intensität auftreten, von einem beunruhigenden Verdacht bis zu voller Panik. Wenn die Angst geringer ist, ist sie relativ leicht zu überwinden. Aber sie stark ist, kann sie die Kontrollmechanismen unseres Körpers völlig außer Kraft setzen. In der Tat gibt es Fälle von totaler Lähmung aufgrund von Angst, Fälle, in denen die Emotionen das Individuum buchstäblich paralysieren. Das ist sicher nicht von Vorteil, um einer Gefahr aus dem Weg zu gehen.

Neurotische Ängste sind eine komplexe Angelegenheit und können sogar weiterbestehen, wenn der Reiz, der sie geweckt hat, verschwunden ist. Außerdem gibt es Lebensentwürfe, die ganz und gar auf solchen Ängsten aufbauen. Betroffene Menschen werden von ihren Ängsten regelrecht versklavt, fürchten Menschen, Situationen oder Objekte und handeln entsprechend. Wir können in ihrem Verhalten oft Hinweise auf sozial angeheizte Ängste sehen, die darauf abzielen, den Menschen ihre Freiheit zu nehmen und sie manipulierbar zu machen. Häufig handelt es sich dabei um Ängste vor Umständen, die sich von den gewohnten unterscheiden, die unbekannt sind.

In diesem Artikel werden wir die innere Verbindung zwischen Angst und Ignoranz, also die Angst vor dem Unbekannten, beleuchten.

Die Angst vor dem Unbekannten

Eine der fundamentalsten Ängste aller Menschen ist die Angst vor dem Unbekannten. Wenn uns ein Objekt oder eine Situation fremd ist, dann fürchten wir es, auch wenn es keine Bedrohung für uns darstellt. Wenn wir plötzlich auf eine Person stoßen sollten, die vier Arme hat, werden wir mit ziemlicher Sicherheit einen Schritt zurücktreten. Und wenn wir von Fehlbildungen nichts wissen, wird die Angst noch viel größer sein. Es ist nicht so sehr die Angst, die uns einen Schritt zurückmachen lässt, sondern viel mehr unsere Ignoranz. Was unsere Angst nährt, ist die Unfähigkeit, zu verstehen.

Vertraute Dinge erzeugen Frieden und Ruhe, während jene, die uns fremd sind, uns in unterschiedlichem Maße erschrecken. Wenn wir anfangen, sie zu verstehen, dann bringt das ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit.

Mann mit Uniform und Helm voller Blumen

Wenn wir uns einer neuen Situation gegenübersehen, die aber über Elemente verfügt, die wir erkennen können, fühlen wir uns weniger stark beunruhigt. Wenn wir zum Beispiel eine neue Stadt besuchen, erschreckt uns das kaum, weil die unbekannte Stadt Eigenschaften anderer Städte, Gemeinsamkeiten mit deren Häusern, Gebäuden und Straßen hat. Wenn wir hingegen eine uns völlig unbekannte Landschaft besuchen, kann sich die Situation anders ergeben: Stelle dir vor, du wärst in die Antarktis gegangen und ein Tier erscheint vor dir, das du noch nie zuvor gesehen hast. Deine natürliche Reaktion wird die der Angst sein. Angst und Ignoranz gehen Hand in Hand.

Angst und Ignoranz

Das Wissen und das Verstehen der Dinge beruhigt uns, aber die Unwissenheit versetzt uns in einen Zustand der ängstlichen Wachsamkeit. Wir müssen nicht in die Antarktis gehen, um dieses Gefühl zu erleben. In der heutigen Welt sind wir von vielen Gefahren umgeben, wie der sogenannten Unsicherheit der Öffentlichkeit. Manche Menschen fürchten sich vor dem, was ihnen passieren könnte, wenn sie ihr Haus verlassen. Und wenn sie in den sozialen Netzwerken darüber lesen, dass eine bestimmte Gegend gefährlich sei, werden sie Angst haben, sie zu betreten, selbst wenn sie ihnen objektiv ziemlich sicher erscheint.

Gleiches gilt für das Phänomen des Terrorismus. Terrorismus verursacht Angst aufgrund der Tatsache, dass wir nicht wissen, wann, wo oder wie er wieder geschehen wird. Da Terrorismus nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt werden kann, ist er im Wesentlichen überall und wir können ihm nicht ausweichen. Er ist zu einer allgegenwärtigen Bedrohung geworden, die ständige Angst erzeugt. Und die Unmöglichkeit, eine Bedrohung vorauszusehen, von der wir wissen, dass sie existiert, kann dafür sorgen, dass Schutzmechanismen in Gang gesetzt werden.

Kinder vor dem Fernseher werden dazu animiert, nicht zu denken

Angst vor dem Unvorhersehbaren

Derartige globale Bedrohungen machen uns mehr oder weniger ängstlich, und das führt dazu, dass wir unseren Machthabern misstrauen. Sie sollten die Kontrolle bewahren, die wir scheinbar verloren haben. Wir fühlen, dass sie da sind, um uns vor diesen Unsicherheiten zu bewahren, sehen uns aber dennoch mit Gefahren, Angst und Ignoranz konfrontiert.

Wir spüren diese Angst, weil wir wissen, dass man uns ohne Vorwarnung schaden kann und uns keine Zeit geben wird, vor der Gefahr zu fliehen. So wie die primitiven Menschen den Blitz fürchteten, weil sie nicht wussten, wo er herkam und wie sie sich vor ihm zu schützen hatten, so sehen die modernen Menschen Gefahren, wo keine sind, und Verantwortung, wo keine zu verteilen ist.

So wie in früheren Zeiten die Menschen zu Göttern gebetet haben, um Schutz zu erlangen, vertrauen wir heute auf die außerordentlichen Qualitäten einiger selbsternannter Führer, die versprechen, die Gefahr abzuwehren. Unsere Unwissenheit verurteilt uns zur Knechtschaft der Angst. Das einzige Gegenmittel, das wirklich hilft und befreit, ist Wissen.