An dich, der ging, ohne Lebewohl zu sagen

11. August 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Frau schaut traurig aus dem Fenster.

An dich, der ging, ohne Lebewohl zu sagen, der nach so vielen Gemeinsamkeiten alles so unbedeutend machte. Ich verstehe noch immer nicht, wie du in Bruchteilen einer Sekunde von heiß zu kalt wechseln konntest. Du hast dein Licht in nur einem Tag verloren und Worte, die mich einst aufbauten, wirken jetzt wie Geschosse.

An dich, ja. Wann hast du deine Meinung geändert und wieso habe ich nichts bemerkt? Wie ist es möglich, dass ich weiterhin denke, unsere Liebe sei authentisch und echt gewesen? Wieso hast du mir nichts gesagt, als du anfingst zu realisieren, dass unser Verteidigungsmechanismus nicht mehr funktioniert? Dass wir nicht länger geschützt sind?

Ich bleibe zurück ohne Antworten, mit tausenden Gedanken des Zweifels, mit dem beschleichenden Gefühl der Schuld. An einem Tag denke ich, ich wäre schuld, dann du, dann wir beide, oder einfach die Zeit oder der Alltag­… An anderen Tagen realisiere ich, dass ich im Kreis laufe und mich das nur noch mehr ärgert, mehr verletzt. Dabei hält dich dieses Denken am Leben, wenn auch nur in meiner Erinnerung.

An dich, der mir alles in Bruchteilen einer Sekunde nahm

An dich, ja. Dich, der sich die Zukunft mit mir vorstellte. Der mich träumen ließ vom Reisen, von magischen Momenten und bedingungslosem Rückhalt. Der, der mich in seinen Alltag integrierte, in neue Projekte, sogar in die eigenen Fantasien.

Partner stehen nah beieinander

Tatsächlich warst du es, der unsere Pläne bestärkte, der uns an das Gute erinnerte, der sagte, nichts und niemand würde uns trennen. Du warst derjenige, der mich wissen ließ, alles, was du brauchst, sei das Gefühl, das ich dich fühlen lasse. Manchmal so entspannt, friedlich, ruhig, andere Male so leidenschaftlich und voller Verlangen. Ich habe dich motiviert, Grenzen zu überwinden, und dir gesagt, wie sehr ich dich schätze.

Ich weigere mich zu glauben, dass du fähig seist, all das in einem Wimpernschlag auszulöschen. Nicht nur, was wir einander sagten, sondern auch alles, was wir durch Gesten und Umarmungen ausdrückten. Das Verlangen, die ganze Welt zu erobern, mit geschlossenen Augen auf dem Sofa zu kuscheln, Händchen zu halten und zu küssen, uns selbst mit Freude zu umgeben, zu lachen, bis wir weinen, gegen unsere Ängste anzukämpfen und jeden Morgen nach dem Aufwachen die Hände übers Bett zu streichen, wenn auch nur für ein paar Millimeter, um sicher zu sein, dass der andere da ist. Ich weigere mich zu glauben, dass das alles vorbei sein soll.

Ich weiß, es ist möglich, ich weiß, dass ich es nicht ausschließen kann. Aber ich finde, es ist schwer zu glauben, dass die glücklichen Zeiten vorüber sind. Nenne mich naiv oder ignorant, aber unsere Gefühle haben viel Kraft über uns und ich habe die schlechte Angewohnheit, ihnen nachzugeben.

An dich, der ging, ohne Lebewohl zu sagen, der einfach aufgab, anstatt zu kämpfen

An dich, der ging, ohne Lebewohl zu sagen. Dieser Brief ist für dich; dieser brennende Brief, entstanden aus der Liebe, von der ich dachte, sie würde nie enden.

Ich verstehe noch immer nicht, woher der Riss kam – diese Gleichgültigkeit, das Verlangen, alles zu beenden, bis fast nichts mehr da war, das uns zusammenhielt. Am Schlimmsten jedoch ist für mich die Ungewissheit über deine Gründe und dass ich nicht versuchen will zu verstehen. Es war das erste Mal, dass uns ein Sturm so durchschüttelte.

„Streiten“ ist ein Verb, das Paare stärkt; zumindest die, die an ihren Fehlern wachsen und nicht gleich in Erwägung ziehen, das angeschlagene Schiff zu verlassen. Die, die wissen, dass Zusammenbleiben sie stärker macht, die wissen, dass die Aufregung abnimmt, wenn die Liebe sich entwickelt. Trotzdem ist es möglich, dieses Feuer neu zu entfachen.

Es tut mir leid, aber ich verstehe es nicht. Es ist unmöglich, eine Tür ohne Schloss oder Schlüssel zu schließen und du warst derjenige, der sie geöffnet hat. Das Schlimmste ist, dass du nicht einmal in Erwägung zogst, Zerbrochenes zu reparieren oder zumindest über das zu reden, das nicht gut lief.

Träne hängt an Wimper

Denke nicht, dass ich es bereue, dir ein Jahr meines Lebens gewidmet zu haben. Ich weiß, dass ich an irgendeinem Punkt etwas getan habe, das dir nicht gefallen hat, aber du hättest mir das sagen müssen. Ich bin nicht perfekt. Ein Wort, eine Geste, ein kleines Zeichen … irgendetwas, um darauf hinzuweisen, dass du mit Gefühlen auf meine naiven Aktionen reagierst. Denn eine Kristallkugel habe ich nicht.

Ich bitte um deine Vergebung. Ich wollte dich nie verletzen. Es tut mir leid, wenn ich es tat. Dennoch verstehe ich die Abruptheit dieser Situation nicht. Zumindest dieses erste Mal. Wäre das zuvor schon mal passiert, wäre es jetzt vielleicht einfacher. Oder wenn sich negative Gefühle über längere Zeit aufgebaut hätten. Aber erst heute nahmst du meine Hände, sagtest mir, dass du mich lieben würdest und sprachst über deine Träume für uns. Und dann hast du alles rückgängig gemacht.

An dich, ja. Du, der ging, ohne Lebewohl zu sagen. Ich spreche zu dir, weil mich deine Abwesenheit verfolgt, mich verletzt. Es fühlt sich so an, als würde dieses Gefühl der Leere nur weiterwachsen. Weil ich dich liebe, dich vermisse und ich weiß, dass auch du mich vermissen wirst.

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