An alle Frauen: Hoch leben die Antiprinzessinnen!

· 1. Juni 2016

Nadia Fink ist eine argentinische Schriftstellerin, die auf die Idee gekommen ist, eine Geschichtensammlung über Frauen zu schreiben, die mit dem Frauenbild brechen, welches uns in Märchen übermittelt wird. Es sind Geschichten für Kinder und sie versuchen, die sexistischen Vorstellungen zu zerstören, die uns durch die Prinzessinnen von Disney, Barbiepuppen oder Ähnlichem vermittelt werden.

Obwohl wir uns bereits mitten im 21. Jahrhundert befinden, bestehen Stereotype über das Weibliche weiterhin fort. Einer der Gründe dafür ist, dass bereits in Geschichten für Kinder bestimmte Ideen verbreitet werden, die eine Prinzessin als das Idealbild einer Frau darstellen.

„Frauen mit Vergangenheit und Männer mit Zukunft sind die interessantesten Personen.“

Chavela Vargas

Videospiele als auch viele bekannte Hollywoodfilme übertragen diesen Stereotyp, der stark im Verstand der Kinder haften bleibt. Und so wird bereits in der Kindheit ein altmodisches Modell über Geschlechterrollen ernährt.

Frauen aus den Märchen

Frida

Traditionelle Märchen sind sich in ihrer Erzählstruktur sehr ähnlich. Alle sind phantastische Liebesgeschichten, in denen eine Frau im Zentrum des Konfliktes steht, die von ihrem Schicksal ungerecht behandelt wurde. Alle, ohne Ausnahme, lösen ihr Problem über zwei Wege: Ein magisches Eingreifen durch eine andere Frau, einer Fee, und die endgültige Rettung durch einen Prinzen.

Diese Geschichten enden mit dem qualitativen Aufstieg der Hauptperson zu einer Prinzessin in einem Zauberreich. Diese Art von Argumenten und Lösungen wird hunderte Male reproduziert, natürlich angepasst an das Format Soap, Serie und Film.

Aber was ist schlecht an solchen Geschichten, wenn am Ende die Gerechtigkeit und das Glück in der Liebe siegt? Sind es nicht einfache Geschichten mit einer einfachen Moral, in denen gute Mädchen und die Liebe am Ende als Sieger hervorgehen?

Das Problematischste an dieser Art Geschichten ist, dass sie die Essenz vieler Werte verfälschen. Zum Beispiel setzen sie willkürlich Güte mit Schönheit gleich. Die Prinzessin vereint immer beide Charakteristika. Es gibt keine hässliche Prinzessinnen. Die hässlichen Menschen sind die, die gegen sie Pläne schmieden, aus Neid. Sie beinhalten auch die Idee, dass es der größte Triumph für eine Frau sei, ihren Prinzen zu finden. Damit wird wiederum eine falsche Vorstellung von Liebe übermittelt.

In der wirklichen Liebe fängt die Geschichte erst da an, wo das Märchen aufhört. Man lebt nicht für immer glücklich bis ans Lebensende und das gemeinsame Leben stellt das Pärchen vor schwierige Herausforderungen. Und es gibt keinen Prinzen, sondern einen Mann aus Fleisch und Knochen, der nicht immer die Erwartungen eines Mädchens erfüllen kann, das eine Idealvorstellung von Männern hat.

Zum Schluss führen diese Art von Fantasien zu Frustration, zum Unglück. Auch wenn es einem schwerfällt, dies zu glauben, so leiden viele Personen ihr ganzes Leben darunter, nicht diese ideale Frau, diesen idealen Mann oder diese ideale Liebe zu finden, anstatt sich an den realen Situationen zu erfreuen, die das Leben ihnen bringt.

Die Antiprinzessinnen

Frida-Kahlo

Nadia Fink hat ihre Sammlung der Antiprinzessinnen mit Frida Kahlo begonnen. Die Sammlung beschreibt Frauen, die nicht darauf gewartet haben, von einem Prinzen gerettet zu werden, die nie gerettet wurden, noch auf eine solche Rettung gewartet haben.

In ihren Liebesgeschichten gab es jedoch durchaus Widersprüche, sie wurden verlassen und Beziehungen gingen zu Bruch. Man findet auch große Erfolge, und eine individuelle Entwicklung unabhängig von den Geschehnissen im Bereich der Liebe. Anders als man vielleicht erwarten würde, enttäuschen diese Geschichten nicht, sondern wecken eine andere Form des Interesses: Interesse für die reale Welt.

Frida Kahlo war nicht die typische Engelsblonde, die ihren Traumprinzen gefunden hat. Sie war eine Frau, von jungen Jahren an von Krankheit gezeichnet, die eine leidenschaftliche und widersprüchliche Liebesgeschichte mit einem Mann erlebt hat, der Ken nicht ähnlich sah, dem ewigen Freund von Barbie. Das Interessante an dieser Geschichte war die Form, wie sie im Werk von Frida ihren Ausdruck gefunden hat: Eine wahre Poesie der Bilder.

Und wie sehen deine Antiprinzesinnen aus?

Es gibt viele Antiprinzessinnen aus Haut und Knochen, die eine tiefe Spur in der Welt hinterlassen haben, weil sie es ablehnten, einem Stereotyp zu folgen. Frauen, mit einer großen Persönlichkeit gesegnet, die in der Lage waren, sich Vorurteilen zu stellen und sich trauten, frei zu sein. Deshalb können wir ohne Zweifel sagen: Hoch leben die Antiprinzessinnen!

Antiprinzessin

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Bejamin Lacombe