Altruismus, graue Zellen und das Gehirn

Altruismus bedeutet, etwas zu geben oder zu opfern, ohne sich im Gegenzug etwas zu erwarten: Es kann Zeit, Reichtum, Energie oder Wissen sein. 
Altruismus, graue Zellen und das Gehirn

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2022

Altruismus kann als ständige Sorge um die Bedürfnisse anderer definiert werden. Diese Eigenschaft kennzeichnet großzügige Menschen, die sich darum kümmern, anderen zu helfen und sich für sie einzusetzen. Diese Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit, die im Gehirn verankert ist, ist ebenfalls in der Kultur, der Erziehung und der Religion präsent.

Wir können auch Tiere beobachten, die sich für das Wohl der Herde opfern, es handelt sich also nicht um eine rein menschliche Eigenschaft. Altruistisches Verhalten im Tierreich erhöht die Überlebenschancen anderer. Der Preis dafür ist allerdings, dass die eigenen Überlebenschancen sinken.

Altruismus bedeutet, etwas zu geben oder zu opfern, ohne sich im Gegenzug etwas zu erwarten: Es kann Zeit, Reichtum, Energie oder Wissen sein. 

Wieso sind manche Menschen altruistisch?

Altruismus macht glücklich

Manche Menschen sind egoistisch, doch andere geben alles für das Wohl ihrer Mitmenschen. Die Forschung hat gezeigt, dass die soziale Schicht, das Bildungsniveau, das Geschlecht oder das Einkommen erklären können, warum du altruistisch oder egoistisch bist.

Es gibt jedoch noch einen weiteren grundlegenden Aspekt für altruistisches Verhalten, nämlich die Gehirnstruktur, die nicht nur bestimmte Fähigkeiten oder Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst. Ein Schweizer Forschungsteam unter der Leitung von Professor Ernst Fehr kam zu dem Schluss, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Anatomie des Gehirns und einer altruistischen Einstellung gibt.

Was sagt diese Studie über den Altruismus?

Um herauszufinden, ob das stimmt oder nicht, wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten die Möglichkeit, einen Teil ihres Geldes zu spenden, um einer anderen Person zu helfen. Nicht alle Teilnehmenden waren bereit, dies zu tun. Manche dachten länger darüber nach und wiederum andere spendeten ihr Geld, ohne zu zögern.

Altruismus, graue Zellen und das Gehirn

Was ist der Grund für diese Unterschiede? Sicherlich könnte man die Bildung, Erfahrungen oder das Gemeinschaftsgefühl dafür verantwortlich machen. Die Wissenschaftler konnten jedoch feststellen, dass ein spezifisches Gehirnareal das Einfühlungsvermögen mit den Gefühlen anderer verbindet. Es handelt sich um den Schläfen- und Scheitellappen.

Altruismus hängt zweifelsohne mit dieser Fähigkeit zusammen. Daher gehen die Forscher davon aus, dass die Unterschiede zwischen den drei Gruppen mit diesem Gehirnbereich zu tun haben. Die zu prüfende Hypothese lautet: Altruistische Menschen haben mehr graue Substanz in diesen Gehirnarealen.

Die Teilnehmer zeigten unterschiedliche Gehirnaktivitäten, als sie entschieden, das Geld zu spenden oder nicht. Die Gehirnregion hinter den Ohren wurde aktiv, wenn egoistischen Menschen die Kosten des Altruismus gering schienen. Umgekehrt wurde sie bei altruistischen Menschen aktiv, wenn die Kosten hoch waren.

Dies geschieht nach Ansicht von Wissenschaftlern, weil es ein größeres Bedürfnis gibt, die natürliche Tendenz zur “Selbstbezogenheit” zu überwinden, die für die heutige Gesellschaft typisch ist, oder die Tatsache, für sich selbst zu sorgen.

Andere Faktoren, die den Altruismus beeinflussen

Ernst Fehr weist darauf hin, dass die Ergebnisse interessant sind, auch wenn keine einzelnen Schlussfolgerungen gezogen werden sollten. Altruismus wird nicht nur durch das Gehirn oder biologische Faktoren bestimmt. Das Volumen der grauen Zellen kann durch verschiedene soziale Prozesse beeinflusst werden.

Wenn du zum Beispiel von wohltätigen Menschen umgeben bist, die die Gewohnheit haben, zu spenden, Almosen zu geben oder anderen zu helfen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du auch altruistisch bist. Wenn du jedoch in einem egoistischen Umfeld lebst, in dem jeder nur an sich selbst denkt und nichts teilt, wird dies auch deine eigenen Entscheidungen und Einstellungen beeinflussen. Wie bereits erwähnt, ist es nicht nur eine Frage der grauen Zellen, es gibt auch verschiedene andere Einflussfaktoren.

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