Ableismus: die Diskriminierung der Vielfalt

Wir sprechen heute über die Diskriminierung und Ungleichbehandlung von Menschen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen.
Ableismus: die Diskriminierung der Vielfalt

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2023

Der Begriff Ableismus umschreibt negative Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen oder funktionaler Vielfalt. Diese diskriminierende Denkweise reduziert von der Norm abweichende Personen auf ihre körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen. In unserer wettbewerbsorientierten Gesellschaft ist das keine Seltenheit, denn es gilt vielfach die Regel des Stärkeren.

Diese Behindertenfeindlichkeit kann extreme Ausmaße annehmen und stark diskriminierend sein. Betroffene Menschen werden als minderwertig gekennzeichnet und auf ihre “Fehler” reduziert. Die ungleiche Behandlung kann sich durch verbale Äußerungen oder auch durch Verhaltensweisen bemerkbar machen. Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass sich der Ableismus auch durch vermeintlich gut gemeinte Gesten zeigen kann. Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.

Ableismus: Diskriminierung von Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung

Ableismus ist eine Tendenz, die sich durch Überzeugungen und Verhaltensmuster äußert. Manche Menschen fühlen sich nicht normotypischen Menschen gegenüber überlegen. Sie betrachten Personen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung als fehlerhaft und minderwertig und bringen das zum Ausdruck. Mit ihrem Verhalten reduzieren sie diese Menschen auf ihre Beeinträchtigung. Sie sehen nur, dass sie nicht “produktiv” sind und deshalb nicht in ihr Weltbild passen.

Wie kommt Behindertenfeindlichkeit zum Ausdruck?

Wir können zwei Arten von Ableismus differenzieren: den abwertenden und den aufwertenden Ableismus. Beide sind diskriminierend.

  • Der abwertende Ableismus ist an der aktiven Diskriminierung zu erkennen, die im öffentlichen Verkehr, auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen oder in anderen Bereichen stattfinden kann. Ein Beispiel dafür ist, wenn eine Person im Rollstuhl abwertend behandelt wird, da sie länger benötigt, um eine Straße zu überqueren oder Hilfe benötigt, wenn sie im Bus mitfahren möchte.
  • Der aufwertende Ableismus drückt sich durch Lob oder Bewunderung aus, ist jedoch trotzdem diskriminierend. Ein Beispiel dafür ist, wenn eine blinde Person zu hören bekommt: “Ich bewundere Sie, dass Sie sich trotz allem allein auf die Straße trauen.”

Welche Folgen hat der Ableismus?

Die ungerechtfertigte Diskriminierung oder Ausgrenzung kann für Betroffene ernste Folgen haben. Menschen mit einer physischen oder psychischen Beeinträchtigung fühlen sich unter Druck und entwickeln häufig Selbstzweifel. Sie schämen sich, wenn sie unfähig sind, bestimmte Leistungen zu vollbringen, nehmen sich selbst als Belastung wahr und empfinden oft Schuldgefühle. Sie internalisieren den Ableismus, da sie ständig mit ihrer Behinderung oder Krankheit konfrontiert werden.

Dazu kommt der strukturelle Ableismus: Menschen mit Behinderung stehen im Alltag ständig vor Barrieren und werden ausgegrenzt. Die Barrierefreiheit ist keinesfalls gewährleistet, deshalb können Betroffene oft nicht an kulturellen, gesellschaftlichen oder politischen Ereignissen teilnehmen und auch ihre Freizeit nur begrenzt gestalten.

Der strukturelle Ableismus führt zu Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt, in der Ausbildung, in öffentlichen Räumen und in praktisch allen anderen Lebensbereichen.

Wie kann man Ableismus vermeiden und funktionale Vielfalt fördern?

Im Jahr 2005 schlug Javier Romañach Cabrero mit dem Begriff funktionale Vielfalt eine alternative Bezeichnung für Behinderung vor, um der Behindertenfeindlichkeit entgegenzuwirken und die abwertende Semantik zu vermeiden. Er definiert damit Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Realitäten. Die funktionale Vielfalt ist dynamisch und veränderlich, es handelt sich nicht um ein statisches Konstrukt.

Vielfalt ist für die Gesellschaft bereichernd und macht uns menschlich. 

Wir müssen uns zunächst über ableistisches Verhalten bewusst werden, auch über den aufwertenden Ableismus. Einfühlungsvermögen ist eine wesentliche Voraussetzung, um sich in die Lage der betroffenen Menschen versetzen zu können. Es geht nicht darum, sie zu bemitleiden, sondern ihre Individualität zu schätzen und Vorurteile abzubauen.

Wenn wir Ableismus beobachten, müssen wir Aufklärungsarbeit leisten, um die Ungleichbehandlung zu verhindern. Voreilige Schlüsse sind kontraproduktiv, wir müssen uns für eine gerechtere Gesellschaft engagieren und das Bewusstsein schärfen, denn es handelt sich um ein soziales Problem.

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