Altersdiskriminierung, laut WHO eine immer häufigere Realität

Ein Bericht der WHO macht deutlich, dass Diskriminierung, Kritik und Verachtung gegenüber älteren Menschen immer häufiger zu beobachten sind.
Altersdiskriminierung, laut WHO eine immer häufigere Realität
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2024

Altersdiskriminierung ist leider eine Realität, die keine Grenzen kennt. Wir lesen jeden Tag über Sexismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung, sind uns jedoch oft nicht bewusst, wie wir mit älteren Menschen umgehen. Ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht deutlich, dass sich die Hälfte der Weltbevölkerung älteren Menschen gegenüber diskriminierend verhält. Diese schockierenden Daten, sollten uns nicht nur nachdenklich stimmen, sondern Veränderungen bewirken.

Dieses Phänomen ist nicht neu, doch offensichtlicher denn je. Die letzten Jahre haben diese Situation besonders deutlich gemacht. Es ist an der Zeit, Strategien zu entwickeln, um Altersdiskriminierung zu vermeiden. 

“Altwerden ist wie auf einen Berg steigen. Je höher man kommt, desto mehr Kräfte sind verbraucht, aber umso weiter sieht man.”

Ingmar Bergman

Altersdiskriminierung ist eine traurige Realität

Ursachen für die Altersdiskriminierung

Die Diskriminierung älterer Menschen wird bereits seit 1968 untersucht. Sie äußert sich durch stereotype Denkweisen, Vorurteile und Handlungsmuster. Robert Neil Butler, Arzt, Gerontologe und Psychiater, gilt auf diesem Gebiet als Pionier. Er setzte sich für die gerontologische Forschung und den Schutz älterer Menschen ein.

Sein Buch Human Aging ist noch immer eine Referenz für das Verständnis dieser diskriminierenden Praxis, die auf individueller, sozialer und institutioneller Ebene stattfindet. Wir sehen, dass Altersdiskriminierung kein neues Phänomen ist, allerdings spielen neue Dynamiken eine wesentliche Rolle, wie aus dem WHO-Bericht hervorgeht.

Länder mit höherem Einkommen diskriminieren mehr

Die von der WHO in dem Bericht World Values Survey ausgewerteten Daten machen deutlich, dass die der Respekt vor älteren Menschen in Ländern mit hohem Einkommen geringer ist. Viele lassen sich von bestimmten Denkmustern und Vorurteilen mitreißen, ohne sie zu hinterfragen. Die Altersdiskriminierung ist eine Ironie und ein Widerspruch, denn wir dürfen nicht vergessen, dass bis zum Jahr 2050 schätzungsweise 2 Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sein werden.

Obwohl unsere Gesellschaft immer älter wird, nimmt die Altersdiskriminierung zu.

Altersdiskriminierung und Denkmuster, die wir verstärken

Die University of Alberta in Kanada führte 2019 eine Studie durch, die das Ausmaß der Diskriminierung älterer Menschen deutlich macht. Donna Wilson, die Autorin dieser Arbeit, weist darauf hin, dass diese Realität die häufigste Form der Diskriminierung ist, auch wenn wir uns nicht darüber bewusst sind.

Die Diskriminierung älterer Menschen hängt mit verzerrten Gedanken, Gefühlen und Vorurteilen zusammen, die in unserer Gesellschaft verstärkt werden. Einige Beispiele:

  • Ältere Menschen wissen nichts über Handys, Internet oder Computer, da sie nicht fähig sind, Neues zu lernen.
  • Sie leisten keine Beiträge für die Gesellschaft, müssen jedoch versorgt werden.
  • Sie verstehen nichts, hören nicht gut..
  • Ihr Körper wird als unschön betrachtet, ihre Sexualität wird stigmatisiert.

Nicht zu vergessen ist die institutionelle Altersdiskriminierung. Viele ältere Menschen sind fähig und bereit, zu arbeiten, finden jedoch trotz jahrelanger Erfahrung keine Beschäftigung. Dazu kommen jene Menschen, die sich in Altersheimen in einer sehr verletzlichen Situation befinden.

Frau leidet an Altersdiskriminierung

Altersdiskriminierung hat psychologische Auswirkungen

Die Diskriminierung älterer Menschen geht über ein einfaches Vorurteil oder negative Denkmuster hinaus und wird in vielen Bereichen deutlich. Wir wissen zum Beispiel, dass ab einem bestimmten Alter bestimmte medizinische Eingriffe und Behandlungen nur noch eingeschränkt möglich sind. Diese Diskriminierung hat für ältere Menschen psychologische Konsequenzen. 

Gefühle der Nutzlosigkeit, Frustration, ein Gefühl des Verlassenseins, paternalistische Behandlung oder sogar Infantilisierung untergraben schließlich ihre physische und psychische Gesundheit. Wir sollten nicht zulassen, dass dieser bedeutende Teil unserer Gesellschaft unsichtbar bleibt und diskriminiert wird. Vielmehr sollten wir von älteren Menschen lernen, sie unterstützen und wertschätzen, denn sie haben in ihrem Leben bereits viel geleistet. Es ist an der Zeit, Maßnahmen gegen die Altersdiskriminierung zu ergreifen und uns für einen würdigen Umgang mit älteren Menschen einsetzen.


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  • Donna M. Wilson, Begoña Errasti-Ibarrondo, Gail Low. Where are we now in relation to determining the prevalence of ageism in this era of escalating population ageing? Ageing Research Reviews, 2019; 51: 78 DOI: 10.1016/j.arr.2019.03.001

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