9 Zeichen für psychologische Manipulation

2. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Psychologische Manipulation - Ein Paar streitet sich.

Nicht antworten. Sarkastisch sein. Sagen, dass mit dem Gegenüber unmöglich zu reden sei. Mit jemandem reden, als wäre er ein Kind. Mit dem Stellen eines Ultimatums drohen. Das alles sind Zeichen von psychologischer Manipulation, die sich auf vielfältige Art in unserer Kommunikation und in unserer Sprache versteckt. Sie kann ganz schön anstrengend sein. Sie ist eine Form der geistigen Ausbeutung und des emotionalen Missbrauchs. Wir sollten deshalb lernen, psychologische Manipulation zu entlarven.

In einem finsteren Abschnitt der Geschichte Italiens lebte ein Mann namens Licio Gelli. Er war ein Vertreter einer Freimaurerloge, die sich Propaganda Due nannte. Licio Gelli war ein Neofaschist, der sich auf die Manipulation der Massen spezialisiert hatte. Dieser teuflische Mensch zeigte, dass wir nur wissen müssen, wie wir kommunizieren, um andere Menschen zu kontrollieren. Er hat gezeigt, dass er Sprache missbrauchen konnte, um Menschen zu lenken und zu leiten.

„Die Gedanken verderben das Gesagte und das Gesagte kann menschliche Beziehungen verderben.“

George Orwell

Das kennen wir alle nur zu gut. In unserem Alltag sind wir in den Bereichen der Politik, Werbung und Massenmedien fast ununterbrochen der Manipulation ausgesetzt. Man will uns verführen, unsere Entscheidungen beeinflussen und uns letztendlich auch kontrollieren. Im privaten Bereich ist psychologische Manipulation noch einen Tick geheimnisvoller und komplexer.

Wir sprechen dabei über unsere alltägliche Kommunikation mit Mitgliedern unserer Familie, mit Partnern und Freunden. Emotionale und psychologische Manipulation sind überall um uns herum zu sehen, sind aber oft getarnt. Wir können sogar unbewusst in die Falle gehen und sie selbst benutzen: Wir müssen verstehen, dass es nicht nur wichtig ist, vorsichtig mit dem zu sein, was  wir sagen. Wir müssen auch aufpassen, wie  wir etwas sagen. Generell ist es wichtig, dass wir wissen, wie wir psychologische Manipulation erkennen und auf sie reagieren.

Zwei Figuren unterhalten sich.

Anzeichen für psychologische Manipulation

Wenn es zu einer psychologischen Manipulation durch Worte kommt, zeigt dies, dass in der Beziehung zu unserem Gegenüber ein Ungleichgewicht herrscht: Sprache wird dazu benutzt, um einen persönlichen Vorteil zu ergattern. Der andere soll nicht nur kontrolliert werden; es wird mitunter gar die Absicht verfolgt, ihm Schaden zuzufügen. Unsere Emotionen erzeugen diese versteckte Aggression nicht nur in anderen, sondern auch in uns selbst.

Der britische Schriftsteller Aldous Huxley kam zu der Ansicht, dass Worte wie Röntgenstrahlen sein können. Auf machiavellistische Art und Weise können sie alles durchdringen: das Selbstwertgefühl, die Würde und sogar die Identität des anderen. Wir sollten deshalb lernen, psychologische Manipulation früh zu erkennen, ein wenig mehr über ihre destruktive Dynamik in persönlichen Beziehungen erfahren.

Hier sind 9 Zeichen für psychologische Manipulation.

1. Verdrehen von Tatsachen

Jeder, der die psychologische Manipulation beherrscht, ist ein herausragender Stratege, der geschickt die Wahrheit verdrehen kann. Er kann eine gegebene Situation zu seinen Gunsten darstellen. Dabei wird er seinen Teil der Verantwortung verringern und den Großteil der Schuld bei seinem Gegenüber abladen. Außerdem werden wichtige Fakten zurückhalten und andere maßlos übertrieben. Dies geschieht in dem Maße, dass sie zu der eigenen Version der Wahrheit passen.

2. Der Vorwurf, unmöglich mit jemandem reden zu können

Dieser Ansatz ist genauso einfach wie direkt und effektiv. Wenn dir jemand sagt, dass er „unmöglich mit dir reden kann“,  dann verweigert derjenige genau das, was du tun möchtest, nämlich über das Problem zu sprechen. Oft bekommst du dann zu hören, dass du zu emotional seist oder aus einer Mücke einen Elefanten machen würdest. Dann wirst du genau dessen beschuldigt, wofür man wohl eher dein Gegenüber beschuldigen müsste: für schlechte Kommunikationsfähigkeiten.

3. Intellektuelles Schikanieren

Der emotionale psychologische Manipulator bedient sich auch gern der Kommunikationsstrategie des intellektuellen Schikanierens. Es werden dir ununterbrochen Argumente entgegengeschleudert, die verschiedenste Informationen, Fakten und verdrehte Logik enthalten. So sollst du emotional ausgelaugt werden und zu der Überzeugung kommen, dass dein Gegenüber im Recht wäre.

Ein Mann und eine Frau streiten sich. Es sieht aus wie psychologische Manipulation.

4. Ultimaten stellen und kaum Zeit lassen, darüber nachzudenken

„Wenn du nicht akzeptierst, was ich dir sage, ist es vorbei. Ich gebe dir bis morgen Zeit, darüber nachzudenken.“  Diese Art der Kommunikation ist zweifelsohne sehr verletzend und belastend. Wir werden in eine Zwickmühle gesteckt. Das erzeugt große Angst und emotionales Leid.

Wir müssen verstehen, dass niemand, der uns respektiert und wirklich liebt, uns jemals vor eine solche Alles-oder-nichts-Entscheidung stellen würde. Es ist und bleibt eine Strategie, die der Manipulation dient.

5. Im Gespräch ständig unseren Namen wiederholen

Wenn jemand in einem Gespräch unseren Namen fast ununterbrochen und in übertriebener Weise wiederholt, dann handelt es sich dabei um einen geschickten Kontrollmechanismus. Auf dieser Weise wird das Gegenüber dazu gezwungen, aufmerksam zu sein und lässt sich eher einschüchtern.

6. Ironie und schwarzer Humor

Wenn Ironie und schwarzer Humor dazu dienen, zu demütigen und zu spotten, dann ist dies eine weitere Art der psychologischen Manipulation. Der Aggressor oder Manipulator versucht damit, uns herabzusetzen und uns seine psychologische Überlegenheit aufzuerlegen.

7. Schweigen oder ausweichendes Verhalten

„Ich möchte nicht darüber reden. Es ist kein guter Zeitpunkt. Warum kommst du gerade jetzt damit?“  Diese Sätze hört man oft in Beziehungen, vor allem, wenn es einem der Partner an kommunikativen Fähigkeiten und an Verantwortungsgefühl mangelt.

Eine Frau schreit eine andere Frau an.

8. Unwissenheit vortäuschen

„Ich weiß überhaupt nicht, was du meinst.“  Das ist ein weiterer Klassiker. Das Gegenüber tut so, als würde es nicht verstehen, was die andere Person sagen oder bezwecken möchte. So spielt es mit dem Verstand des anderen. Es wird uns vorgeworfen, dass wir die Dinge zu kompliziert sähen und dass das Gespräch so keinen Sinn ergäbe. Diese Strategie ist typisch für den passiv-aggressiven Manipulator, der so vermeidet, Verantwortung zu übernehmen und den anderen dadurch leiden lässt.

9. Man überlässt dir das erste Argument

Eines der subtilsten Mittel der psychologischen Manipulation ist, dem anderen beim Streit den Vortritt zu lassen. Mit dieser Strategie werden verschiedene Dinge erreicht: Zunächst gewinnt der Manipulator die nötige Zeit, um auf unsere Argumente zu reagieren. Außerdem kann er so unsere Schwachstellen herausfinden. Es ist auch üblich, dass der psychologische Manipulator darauf verzichtet, seinen eigenen Gedanken oder Meinungen Ausdruck zu verleihen, nachdem er sich unsere angehört hat. Dann werden uns bloß Fragen gestellt und unsere Unzulänglichkeiten gesucht, anstatt zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Das Gespräch wird so gelenkt, dass wir am Ende als ungeschickte, schwache Menschen dastehen.

Ein Paar sitzt zerstritten auf dem Bett.

Am Schluss wollen wir anmerken, dass es natürlich noch andere Arten der emotionalen und psychologischen Manipulation gibt. Die hier genannten kommen aber zweifellos am häufigsten vor. Es sind Werkzeuge, die der Einschüchterung dienen. Mit ihnen wird es uns erheblich erschwert, einen sinnvollen Dialog zu führen. Außerdem wird das Gegenüber auf allen Ebenen außer Gefecht gesetzt: persönlich, emotional und mental. Deswegen müssen wir lernen, diese destruktiven Strategien zu entlarven und ihnen zu begegnen.

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