An die Menschen, die destruktive Kritik ausüben: Was fehlt euch im Inneren?

· 19. Februar 2018

Aus welchem Grund gibt es Menschen, die das Gefühl haben, andere ständig kritisieren zu müssen, um sich selbst besser zu fühlen? Welche Motivation steckt hinter der destruktiven Kritik? Was fehlt diesen Menschen im Inneren, das mit dem Äußeren gefüllt werden muss? Destruktive Kritik ist ein Symptom, und sie schafft nicht, sondern zerstört.

Eine von der Wake Forest University (North Carolina, USA) durchgeführte Studie zeigt, dass Menschen, die ständig kritisieren, tatsächlich unglücklicher und häufiger von Depressionen betroffen sind. Dieses Ergebnis konnte in einer neueren Studie nun reproduziert werden. Letzter zeigte zudem, dass die destruktive Kritik, Ablehnung und Demütigung in demselben Teil des Gehirns generiert werden, der für die Regulierung der Schmerzempfindung verantwortlich ist.

Wenn wir diese Resultate betrachten, können wir erkennen, dass diejenigen, die kritisieren, die sind, die mit ihrem Leben am unzufriedensten sind. Sie sind Menschen, die das Äußere vermindern müssen, um das Innere zu erhöhen; Menschen, die sich nicht über die Errungenschaften anderer freuen können; Menschen, die es bevorzugen, anderen Steine in den Weg zu legen, bevor sie sich an der Problemlösung beteiligen. Sie sind negative oder leere Menschen und Menschen mit geringem Selbstwertgefühl.

„Eine positive Wahrnehmung der anderen Menschen deutet auf große Zufriedenheit mit dem eigenen Leben hin.“

Dustin Wood

Drei lachende Frauen

Ein geringes Selbstwertgefühl ist die Basis destruktiver Kritik

Wenn wir andere Menschen kritisieren, sagt das mehr über uns selbst aus, als über die Person, über die wir sprechen. Wenn wir über andere reden, projizieren wir unser Inneres nach außen. Wer demnach jemanden kritisiert, bringt nicht akzeptierte Teile seiner eigenen Persönlichkeit oder seines Verhaltens ans Licht.

Aus diesem Grund kritisieren Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl weniger häufig. Sie sind ausgeglichen. Sie kennen sich und wissen, was in ihnen steckt, dass ihnen vielleicht der eine oder andere Aspekt nicht gefällt, doch dass sie an sich selbst arbeiten müssen, um diesen zu verbessern, und nicht an ihren Mitmenschen. Unser Selbstwertgefühl und unsere Beziehung zu uns selbst bestimmen darüber, wie wir uns anderen gegenüber verhalten.

Was können wir also tun? Jedes Mal, wenn wir etwas in anderen sehen, das uns irritiert, das wir nicht mögen, das uns stört, müssen wir darüber nachdenken, was davon auch in uns steckt: Warum stört mich das? Warum halte ich das nicht aus? Warum gefällt es mir nicht, dieser Person nahe zu sein?  Vielleicht bringt uns das näher an einen unakzeptierten Teil unserer selbst.

Jeder einzelne von uns kann nur das sehen, was er im Herzen trägt. Wer an den Orten, an denen er war, nichts Gutes finden konnte, wird hier und dort nichts Gutes finden können.

Frau flüstert Mann etwas ins Ohr

Wie können wir positive Kritik ausüben?

Bevor wir jemanden kritisieren, sollten wir uns selbst fragen, ob unser Kommentar helfen wird? Das heißt, wenn ich jemandem Informationen, Ratschläge oder etwas Wichtiges mitzuteilen habe, muss ich mich zunächst selbst fragen: Äußere ich konstuktive oder destruktive Kritik? Wenn ich nichts hinzuzufügen habe, warum möchte ich dann etwas nehmen?

Eine weitere Frage, die man sich vor jeglichen kritischen Äußerungen stellen sollte, ist: Kritisiere ich etwas am anderen oder handelt es sich in Wirklichkeit um etwas, das ich an mir selbst nicht mag? Welcher Teil von mir toleriert dieses Verhalten nicht? Welcher Teil der Kritik ist an mich selbst zu richten?

Und schließlich, bevor man sich entscheidet, jemanden zu kritisieren, sollte man sich mittels Empathie in die andere Person hineinversetzen und abwägen, ob ein subjektiver Kommentar zu der Situation des anderen passt oder ob sich diese Person in einer anderen Position als man selbst befindet. Aus welchem Grund hat die Person so gehandelt? Was könnte ich beitragen, um die Situation zu verbessern?

Kritik, die von einer gesunden, selbstbewusten Person kommt, kann helfen und dazu beitragen, ein Problem zu lösen. Doch im Gegenteil dazu, kann Kritik, die aus Wut, Neid oder Unglück angebracht wird, etwas noch Negativeres auslösen, und wäre somit destruktive Kritik.