Gewalt durch Worte – Drei Beispiele für gewaltvolle Kommunikation

· 30. Dezember 2017

Gewalt durch Worte anzuwenden ist eine der verheerendsten Formen aggressiven Verhaltens. Einerseits besitzen Worte die Macht, Wunden zu öffnen, die auch viele Jahre später noch spürbar sind. Andererseits bleibt Gewalt in der Kommunikation oft unerkannt und wird teilweise gar sozial akzeptiert. Diese Form der Gewalt ist nicht so offensichtlich wie körperliche Gewalt und daher ist es schwieriger, einzugreifen.

Worte hinterlassen zudem keine körperlichen Spuren. Deshalb folgen auf sie nur selten Strafen. Viele sagen, dass sie jenes nicht gesagt hätten, falsch verstanden worden wären oder man das Gesagte nicht zu ernst nehmen solle, wenn Wut im Spiel sei. Doch Gewalt durch Worte mag starken Schlägen gegen die Seele gleichen. Aus diesem Grund ist sie zu unterbinden.

„Ich halte nichts von der Unmöglichkeit, sich mitzuteilen; sie ist die Quelle jeder Form von Gewalt. “

Jean-Paul Sartre

Eine gewaltvolle Kommunikation verletzt Menschen und verschlechtert Beziehungen. Wenn bestimmte Wörter oder spitzfindige Kommentare ausgesprochen wurden, kann eine Beziehung nicht mehr dieselbe sein wie zuvor. Sie überschreiten die Grenze des Respekts und werfen die Vorstellung davon über Bord, was der andere verdiene, weshalb diese Art der Kommunikation verletzend ist und Narben hinterlässt.

In diesem Artikel möchten wir drei Arten der Gewalt durch Worte aufzeigen.

Jemanden als Tier beschimpfen: ein klarer Ausdruck von Gewalt

Obwohl es sich dabei um eine Form der Kommunikation handelt, bei der Gewalt offensichtlich ist, ist es dennoch so, dass sie in der Alltagssprache häufig gebraucht wird. Manche entscheiden sich dazu, ihr Gegenüber als „Schwein“, „Schmeißfliege“ oder „dummes Vieh“ zu beschimpfen. Als „Schwein“ bezeichnen diese Menschen Personen, die in ihren Augen wenig elegant erscheinen oder etwas mehr auf den Rippen haben. Als „Schmeißfliege“ deshalb, weil ausgedrückt werden soll, dass jemand lästig ist. Der Ausdruck „dummes Vieh“ wird für Menschen benutzt, die sich irren oder ohne groß darüber nachgedacht zu haben, einfach drauflosgelegt und dabei etwas falsch gemacht haben.

Frau mit Dalmatinern in Kutsche aus Kürbis

Diese Art von Wörtern zu gebrauchen, die in den aktuellen Sprachgebrauch übergangen sind, ist schon „normal” geworden. Sie werden von der Gesellschaft akzeptiert und man kann definitiv nicht sagen, dass sie zu gemein seien, es sei denn, sie werden häufig wiederholt oder von anderen Zeichen der Verachtung begleitet.

Wir Menschen vergleichen uns auch sonst des Öfteren mit Tieren. Wir sagen nicht, dass jemand hart arbeitee, sondern dass er „wie ein Tier arbeitee“. Wir sagen nicht, dass wir uns von anderen ausgebeutet fühlen, sondern dass wir „der Sündenbock“ der anderen seien. Das Gefährlichste an diesen animalischen Begriffen ist, dass sie den Menschen seiner Natur als Mensch berauben. Wenn solche Ausdrücke öfter verwendet werden, gleicht das der Anwendung des „Gesetzes des Dschungels“, in dem Respekt keine Rolle spielt.

Der Gebrauch von Übertreibungen, um negative Gefühle auszudrücken

Das ist häufig der Fall bei sehr ängstlichen oder äußerst wütenden Menschen. Sie entscheiden sich dafür, ihren Gefühlen oder negativen Emotionen durch Übertreibungen Ausdruck zu verleihen. Sie sagen nicht, dass es sie gestört habe, dass der andere Unordnung auf dem Tisch hinterlassen habe, sondern dass sie empört seien und sich ihnen der Magen beim Anblick dieser enormen Rücksichtslosigkeit umdrehe.

Frau mit Maske schießt Pfeil ab - aber Gewalt durch Worte schmerzt oft mehr, als solch ein Schuss.

Was diese Menschen empfinden, ist keine einfache Wut, sondern rasende Wut oder Zorn. Sie verspüren keine Traurigkeit, aber sie fühlen sich tief in der Seele verletzt oder haben das Gefühl, ihnen ginge ein Pfeil mitten durchs Herz. Sie entscheiden sich immer für die übertriebene Art, ihren Schmerz, ihren Zorn oder ihren Kummer auszudrücken. Ihnen geht es weniger darum, ihre Emotionen zum Ausdruck zu bringen, als den anderen mit diesen Ausdrucksweisen zu verletzen.

Doch der Nachteil an diesen Übertreibungen ist, dass sie einen entgegengesetzten Effekt haben. Anstatt andere damit zu beeindrucken, machen sie sie gefühllos. Es kann gut sein, dass ihre Übertreibungen zu Beginn eine gewisse Wirkung haben, aber wer alltäglich Übertreibungen gebraucht, der bewirkt damit, dass sie ihr Ziel letztendlich verfehlen. Früher oder später schaltet unser Gegenüber bei solchen Äußerungen auf Durchzug.

Immer die alte Leier: unendliche Wiederholungen

Sich unendlich oft zu beschweren oder zu lamentieren, ist eine weitere Form von gewaltvoller Kommunikation. Immer wieder das Gleiche zu sagen, um einer anderen Person Vorwürfe zu machen, ist wie ein Versuch, unserem Gegenüber mithilfe von Worten etwas einzubläuen, ihn zu stigmatisieren oder ihn in eine Schublade zu stecken.

Unaufhörlich dieselben Parolen zu schwingen ist eine sehr einseitige Kommunikation. Doch noch mehr als das ist es ein Versuch, dem anderen etwas aufzudrücken. Das Schlimmste daran ist, dass es sich dabei um einen Versuch handelt, der über den direktesten Weg erfolgt: Die Worte sollen sich in das Bewusstsein des anderen einbrennen. Und genau dadurch wird der Gesprächspartner seines Willens beraubt. Er soll sich unterwerfen, weil er auf eine Sache reduziert wird.

Labyrinth im Kopf

Jede dieser drei Arten der Kommunikation – jemanden als Tier beschimpfen, Übertreibungen und unendliche Wiederholungen – führt zu einer verletzenden Konversation. Dadurch werden Bedeutungen verfälscht oder gehen verloren. Es handelt sich dabei nicht um Ausdrücke, die die Verständigung fördern, sondern um einen Sprachgebrauch, der in erster Linie den anderen verletzen soll. Und falls du einen dieser drei Wege gehst, um dich mitzuteilen, möchten wir dich dazu motivieren, dass du gleich am Anfang deines Weges ein Schild für dich und für dein Umfeld aufstellst, auf dem steht „Zutritt verboten“.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Michael Cheval