Weißt du, wie perverse Kommunikation funktioniert?

· 16. August 2017

Um ein Individuum zu destabilisieren, musst du keinen direkten Konflikt kreieren oder körperliche Gewalt ausüben. Ironie, Spott oder Unterstellungen formen Teile einer Art der Kommunikation, in der einer Partie geschadet wird. Wir sprechen über perverse Kommunikation. Sie kann in der Partnerschaft, unter Freunden oder am Arbeitsplatz stattfinden.

Der Terminus „perverse Kommunikation“ bezieht sich dabei auf die psychologische Folter eines Gleichrangigen. Sie macht keinen Lärm, aber entkräftet und verwirrt das Individuum, auf das sie gerichtet ist. All das kann mit einem simplen Akt der Respektlosigkeit beginnen, natürlich ohne jegliche Schuldgefühle seitens der Person, die sie ausführt.

Um diese Art der Kommunikation auszuüben, reicht es aus, dass jemand die Werte und Entscheidungen eines anderen verspottet, seine Errungenschaften oder Erwartungen, sowohl privat als auch in der Öffentlichkeit. Es ist auch üblich, dass der anderen Person nicht gestattet wird, sich auszudrücken, oder ihr Unterstellungen gemacht werden, ohne dass der Gegenüber die Chance erhielte, sich zu rechtfertigen.

„Ein Wort kann töten oder erniedrigen, ohne dass sich der Täter die Hände schmutzig machen müsste.“

Pierre Desproges

Ironie und Sticheleien: zwei Formen perverser Kommunikation

Der Täter bedient sich der Waffen Ironie und Sticheleien. Zunächst kann er so das Bild eines starken Individuums abgeben, denn sein Verhalten vermittelt den Eindruck einer Person, die weiß, was sie tut. Es wird nur selten erkannt, dass er nicht dazu fähig ist, eine ehrliche und intime Kommunikation zu führen. Auf lange Sicht führt das zum kollektiven Glauben, dass dieser Mensch einfach so sei.

Sarkasmus und Verachtung werden als kleine, sanfte Hiebe eingesetzt, um die Mitmenschen zu stören und zu ärgern. Oft im Beisein anderer Menschen. Die Aggression ist so heimtückisch, dass der Attackierte häufig daran zweifelt, ob sie überhaupt ernst gemeint ist oder einfach nur ein Witz, den er akzeptieren sollte, wenn er nicht als Spielverderber verstanden werden will.

Manchmal neigt der Täter dazu, von der Verstärkung und der Unterstützung eines Komplizen abzuhängen, der Teil seiner sozialen Gruppe ist. In dessen Anwesenheit werden dann verstärkt Hiebe verteilt.

Der Teufelskreis dieser toxischen Beziehungen

Perverse Kommunikation ist so gewöhnlich, dass sie schon normal erscheint. Sie beginnt mit einer einfachen respektlosen Handlung. Es folgen kontinuierliche Attacken, die Konsequenzen für die psychologische Gesundheit des Opfers haben.

Die Opfer akzeptieren sie irgendwann einfach. Sie nehmen das Verhalten des Täters hin, weil sie davon überzeugt sind, dass es besser sei, sich gut mit ihm zu stellen, als sich zu wehren. Das führt zu einer authentischen Verzerrung der Beziehung zwischen dem Täter und seinen Opfern.

Marie-France Irigoyen sprach über diese Art von Gewalt. Über die heimliche Gewalt, die nach und nach beginnt. In der die geschädigte Person nicht reagiert, um gegenzusteuern: „Stattdessen manifestiert sie eine Einstellung, die die versteckten Aggressionen noch füttert: übertriebene Güte. Sie denkt, dass die andere Person womöglich gütiger werde, wenn sie erst einmal lernt, sie zu mögen.“

Lasst uns nicht vergessen, dass der Täter nicht zögert, das Opfer aufzuhalten, wenn es wirklich rebellieren will. Sie werden kritisches Denken um jeden Preis verhindern wollen und dafür sorgen, dass das Opfer nach und nach seine Identität verliert.

Wie man diese Art der Beziehung beendet

Unsichere Menschen gelangen häufiger in die Hände von Manipulierern, weil sie die Meinungen anderer über ihre eigene stellen. Sie denken, dass andere stets besser über ein bestimmtes Thema Bescheid wüssten als sie selbst.

Aber Unsicherheit besteht tatsächlich auf beiden Seiten: auf Seite derjenigen Person, die manipuliert wird, und bei derjenigen, die andere manipuliert, um sich stark zu fühlen. Es ist deshalb wichtig, unseren Kinder Respekt anderen gegenüber lehren, und zwar von klein auf. Sie – und wir selbst – müssen verstehen, dass jedes Individuum einzigartig ist.

Du hast den gleichen Wert wie jede andere Person um dich herum. Keinen höheren, keinen geringeren. Gehe deinen Weg erhobenen Hauptes, aber erniedrige auch niemand anderen. Denn dein Körper, deine Meinungen, Bestrebungen und Ziele sind es wert, geschätzt zu werden, in genau derselben Art und Weise wie die deiner Mitmenschen.