7 Lektionen von Walter Riso

· 1. Februar 2016

Wenn du nicht in der Lage bist, mich zu lieben, wie ich es verdiene, geh lieber. Es wird schon jemanden geben, der wertschätzen kann, was ich bin.

Walter Riso

Ich war 17 Jahre alt, als ich Walter Riso kennengelernt habe. Ich erinnere mich daran, dass ich eine schwere Zeit in der Liebe verbracht hatte und da fiel mir das Buch „Los límites del amor“ in die Hände, was so viel heißt wie „Die Grenzen der Liebe“. Das Buch half mir, in vielen Aspekten meines Privatlebens die Augen zu öffnen und mir einiger Dinge bewusst zu werden, wie etwa der Unendlichkeit der Fehler, die ich begehe, ebenso in meiner Beziehung zu der Zeit, wie mit mir selbst.

Vorher hatte ich die überromantischen Ideen, die uns immer verkauft werden, komplett aufgesogen und lernte nun, dass diese in den meisten Fällen nur Leiden hervorrufen.

Walter Riso ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Psychologe. Er ist Spezialist für kognitive Psychologie und bildet Therapeuten dafür aus.

Durch die Lektüre von „Los límites del amor“ wurde mein Interesse an weiteren Werke Risos geweckt, der um die zwanzig Bücher veröffentlicht hat. Heute ist er einer der Autoren, die mich am meisten beeinflusst haben. In diesem Artikel werde ich versuchen, einige seiner Lehren zusammenzufassen, die mich sowohl persönlich als auch beruflich stark beeinflusst haben.

Sich von der Anhänglichkeit befreien

Riso lehrt uns, dass die Anhänglichkeit eine Zwangsbindung zu jemandem oder etwas ist. Wenn wir anhänglich sind, neigen wir dazu, zu glauben, dass diese Person oder jener Gegenstand uns vollkommen glücklich macht, uns Sicherheit gibt und außerdem unserem Leben einen Sinn gibt.

In Wirklichkeit ist dies eine falsche Idee, ein Produkt der Überromantisierung, die dazu führen kann, dass die betroffene Person an krankhafter Eifersucht leidet, an emotionaler Abhängigkeit, einem Mangel an Identität.

Es gibt verschiedene Methoden, um herauszufinden, ob wir von jemandem oder etwas abhängig sind:

  • Sehen zu können, ob dein Verlangen unersättlich ist oder nicht: Wenn du nie genug bekommst und immer mehr benötigst, leidest du an Anhänglichkeit.
  • Wenn du die Selbstkontrolle verloren hast: Wenn du nicht mehr Herr deines eigenes Verhaltens bist, sondern Sklave der Anhänglichkeit.
  • Wenn du dich unwohl fühlst, wenn du ohne dein Objekt oder die Person deines Verlangens bist.
  • Wenn du weiterhin daran hängst, obwohl du weißt, dass es dir schadet.

„Sein“ und „haben“ unterscheiden

Einer der Schlüssel zum persönlichen Wachstum ist es, uns dafür schätzen zu können, was wir sind – für unsere Werte, unsere Prinzipien, unser Naturell – und nicht für das, was wir haben.

Wenn wir uns danach wertschätzen, was wir besitzen, setzen wir unser Glück in das Äußere, wovon wir für immer abhängig sein werden. Man muss sich dessen bewusst sein, dass wir mehr sind als das, was wir haben, und dass wir einen Wert haben, weil wir sind, wie wir sind.

Das ideale und das reale Ich unterscheiden

Unsere Unsicherheit stammt immer aus der Kluft zwischen dem realen Ich und dem idealen Ich. Das reale Ich ist das, was wir sind, während das ideale Ich das ist, was wir sein wollen.

Das Problem ist, dass das reale Ich häufig verfälscht ist und wir dazu neigen, uns selbst zu bekämpfen, indem wir uns nur auf unsere Fehler und Mängel konzentrieren und dabei nicht in der Lage nicht, unsere positiven Seiten zu sehen. Andererseits neigen wir auch dazu, uns unrealistische und zu hohe Ziele zu stecken, sodass die Distanz zwischen dem realen und dem idealen Ich wächst.

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Liebe nicht mit Besessenheit verwechseln

Sätze wie „Ich denke nur an dich“, „Alles riecht nach dir“  oder „Ohne dich kann ich nicht leben“  zeigen eher Besessenheit als Liebe und wo die Besessenheit beginnt, hört die Liebe auf zu funktionieren.

Es ist notwendig, dass die Liebenden verstehen, was sie am anderen haben, ohne aber von der Beziehung abhängig zu sein und damit ihre eigene Identität verlieren. Wir sind Individuen, die entschieden haben, sich mit einer anderen Person zu verbinden, aber morgen können wir uns genauso gut von ihr lösen.

Sich ähnlich sein, um in der Liebe zu triumphieren

Das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ ist mehr Mythos als Wirklichkeit. Klar ist, dass eine gewisse Ähnlichkeit der Partner grundlegend dafür ist, dass eine Beziehung funktioniert. Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Ähnlichkeit: die Art zu denken, die Werte, die Überzeugungen und das Wesen sind keine oberflächlichen Faktoren wie es zum Beispiel die persönlichen Vorlieben sind.

Uns zuerst in uns selbst verlieben

Die Gesellschaft lehrt uns, dass man sich opfern muss und sich zuerst um die anderen kümmern muss und dann erst um sich selbst. Walter Riso hingegen schärft uns ein, dass wir der wirkliche Bezugspunkt sind.

Wir müssen lernen, uns selbst zu lieben und dafür brauchen wir folgende vier Grundpfeiler: ein gutes Selbstbewusstsein, ohne uns selbst zu bestrafen oder uns unerreichbare Ziele zu setzen, ein positives Selbstbild, gemäß deiner eigenen Kriterien und nicht derer, die die Gesellschaft dir aufzwingt; sich Unterstützung durch Erfolge zu verschaffen; und eine gute Dosis Selbstvertrauen.

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Sich die empfindsame Einsamkeit zur Freundin machen

Man versucht uns zu verkaufen, dass wir nicht vollständig sind, wenn wir allein sind, und sind sogar so weit gekommen, dass wir Personen bemitleiden, die allein ins Kino oder in ein Café gehen. Aber die Einsamkeit ist an sich nicht schlecht, das Alleinsein erlaubt es uns, ganz bei uns zu sein, neue Ideen zu haben, absolute Freiheit zu haben.

Die Einsamkeit kann dir tatsächlich nur dann wehtun, wenn du denkst, dass deine persönliche Verwirklichung von einem Partner an deiner Seite abhängig ist. Dies ist nicht mehr als eine falsche Idee, die von der Gesellschaft aufrecht gehalten wird. Es ist gut, ab und an nur in unserer eigenen Gesellschaft zu sein, auch wenn wir einen Partner haben. Wir sollten ohne Angst das Alleinsein üben und uns mit ihm anfreunden.