5 Zitate von Giorgio Nardone über Beziehungen

· 1. Oktober 2018

Giorgio Nardone gilt als einer der Väter der strategischen Kurztherapie. Dieser Psychotherapeut hat eine Reihe von Büchern geschrieben, in denen er komplexe Themen, wie Essstörungen, Angststörungen und andere wichtige psychologische Befunde, behandelt. Um seine Ideen besser zu verstehen, betrachten wir fünf Zitate von Giorgio Nardone aus seinem Buch Gli errori delle donne (in amore)  (zu Deutsch: Fehler, die Frauen in der Liebe machen, nicht auf Deutsch verfügbar).

In diesem Buch schlägt Nardone 17 verschiedene Wege vor, wie Frauen Liebe interpretieren können, und gibt ihnen Namen wie „Die Fee“, „Dornröschen“ oder „Wer den Frosch küsst“. Es ist einfach, sich mit diesen Szenarien zu identifizieren. Sie beschreiben die von der Gesellschaft akzeptierte Art und Weise, wie wir lernen, miteinander umzugehen. Schauen wir uns diese Zitate einmal näher an.

1. Jeder Reiz braucht eine Veränderung

„Wenn wir uns neu orientieren, wird selbst der aufregendste Reiz aufgrund unserer perzeptiven und physiologischen Anpassung weniger wirksam. Um attraktiv zu bleiben, bedarf es ständiger Veränderung.“

Dieses erste der Zitate von Giorgio Nardone bricht mit einer allgemeinen Vorstellung über die romantische Liebe: Die Leidenschaft würde niemals sterben. Das ist nicht wahr. Ohne Veränderung muss die Anziehungskraft verblassen und sterben, wie die Flamme einer Kerze. Nardone schlägt zwei Optionen vor, um dieses Problem zu lösen:

  • Vielzahl von Reizen. Ohne Vielfalt gibt es Langeweile. Neue Aktivitäten aufzunehmen, ist das Gegenmittel dazu. Spielzeug im Schlafzimmer wäre eine Variante. Es kann dazu beitragen, die Leidenschaft am Leben zu erhalten oder sogar noch zu steigern.
  • Alternierende Reize oder die Abwesenheit von Reizen. Wenn man absolut alles gemeinsam erlebt, kann das die Beziehung zerstören. Es kann auch dazu führen, dass du und dein Partner über Kleinigkeiten streiten. Fange damit an, einigen Aktivitäten allein nachzugehen, damit du die andere Person „vermissen“ kannst. Du kannst auch versuchen, sexy Nachrichten zu verschicken oder eine suggestive Notiz im Haus zu hinterlassen, damit dein Partner sie finden kann.

Zeichnung einer Frau, die auf einem Schallplattenspieler sitzt2. Selbstbetrug Liebe

„Am Anfang einer Beziehung sehen wir in der anderen Person nur das, was wir in ihr sehen wollen. Liebe ist die höchste Form der Täuschung. Wenn dieser anfängliche Impuls der Beziehung an Stärke verliert, ist die Enttäuschung unvermeidlich.“

Wenn du dich verliebst, idealisierst du die andere Person. Die Erwartungen, die du an sie hast, machen es möglich, dass du die Aspekte, die du eigentlich nicht magst, ignorierst. Die Anfangsphase einer Beziehung wird jedoch irgendwann enden. Sobald das der Fall ist, wird dieser „ideale Partner“ von seinem Sockel fallen.

Dann wirst du von der Person vor dir überrascht sein. Du wirst dich über das ärgern, was du bisher toleriert hast. Diese Enttäuschung kann ein so schwerer Schlag sein, dass die Beziehung allmählich zerfallen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich dieser Selbsttäuschung bewusst zu sein und hart daran zu arbeiten, sie zu identifizieren, bevor du in die Falle tappst.

3. Selbstsucht in einer Beziehung

„Um sich selbst zu erhalten, muss eine Beziehung alle Bedürfnisse und Wünsche erfüllen. In einer romantischen Beziehung muss der Egoismus des einen mit dem des anderen übereinstimmen. Wenn nicht, wird die Beziehung nicht funktionieren.“

Dieses dritte der Zitate von Giorgio Nardone erlaubt es uns, über die Selbstbezogenheit einer Beziehung nachzudenken. Stelle dir die Bedürfnisse und Wünsche vor, deren Erfüllung du von der anderen Person erwartest.

Denke zum Beispiel daran, dass deine Vorstellung von einem romantischen Paar die von zwei Menschen ist, die liebevoll miteinander umgehen. Außerdem ist ein generelles gutes Gefühl essenziell. Du gibst Zuneigung und erwartest im Gegenzug ebenfalls Zuneigung.

Zeichnung eines Mannes, der in einem Ruderboot auf den Haaren einer Frau fährt

Dann dann stelle dir vor, dass dein Partner kalt, distanziert und viel zu unbeteiligt wäre, um dir die nötige Zuneigung zu geben. In diesem Fall würde der „Egoismus“ eines einzelnen Partners nicht mit dem des anderen übereinstimmen. Als Ergebnis würde es im Laufe der Zeit offensichtlich, dass das Paar sich nicht vorwärtsbewegen kann. Der Grund dafür wäre, dass Konflikte entstehen und mindestens einer der Partner etwas verlangt, das der andere zu geben nicht bereit ist.

4. Die Eigenschaften des anderen zu ergänzen ist nicht unbedingt eine gute Sache

„Dass eine Person die andere in einer Beziehung ergänzt ist keine gute Sache. Es ist viel mehr so, dass, wenn jemand jemanden in einer Beziehung ‚ergänzt‘, es dysfunktionale Elemente in der Interaktion zwischen beiden gibt, die sich gegenseitig steigern.“

Wenn wir über Menschen nachdenken, die sich in einer Beziehung ergänzen, denken wir an zwei Menschen, die sich gut verstehen. Aber laut Nardone sei es vielmehr so, dass die eigentliche Funktion der Beziehung gestört sei, wenn sich zwei Menschen ergänzen (müssen).

Zum Beispiel könnte es eine dominante Person und eine devote Person in der Beziehung geben. Die Tatsache, dass diese beiden Menschen sich gegenseitig ergänzen, bedeutet dabei nicht, dass das gesund wäre. Eine emotional abhängige Person kann von jemandem mit einer vermeidenden Persönlichkeit – wie beim Road Runner und Wile E. Coyote – angezogen werden. Wie du sehen kannst, gibt es „komplementäre“ Paare, die dennoch eindeutig dysfunktional sind.

5. Das Paar sollte sich anpassen

„Eine Beziehung ist ein lebendiges System. Um das Gleichgewicht zu halten, müssen beide Partner lernen, sich anzupassen. Sie müssen sich zusammen mit den Veränderungen entwickeln, die die Zeit unweigerlich mit sich bringen wird.“

Dieses letzte der Zitate von Giorgio Nardone besagt, dass sich ein Paar im Laufe der Zeit ändern müsse. Das ist überhaupt nicht negativ, sondern immer förderlich: Zu wissen, wie man sich an Veränderungen anpasst, ist ein Zeichen dafür, dass man als Partner erfolgreich sein kann.

Trotzdem gibt es immer wieder Probleme. Mangel an Leidenschaft, Routine, Kinder … All dies kann dazu führen, dass eine Beziehung sich abnutzt. Davon abgesehen bedeuten sie nicht das Ende, wenn das Paar weiß, wie man sich anpasst und Lösungen findet. Wenn die Partner das nicht können und stattdessen anfangen, sich gegenseitig die Schuld zu geben, sind sie zum Scheitern verurteilt.

Giorgio Nardone

Jedes dieser Zitate von Giorgio Nardone hilft uns, die Liebe in einer Beziehung aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sie betonen die Phasen, die jede Beziehung durchlaufen muss. An welches der Zitate aus diesem Artikel wirst du dich in Zukunft erinnern? Gibt es eines, welches auf besondere Weise auf dich zutrifft?