5 verblüffende Zitate von Jorge Luis Borges

· 15. März 2018

Du könntest viele Seiten füllen, wenn du versuchtest, interessante Zitate von Jorge Luis Borges zusammenzustellen. Seine Gerissenheit, seine Scharfsinnigkeit und sein Charme hinterlassen uns wundervolle Überlegungen. Diese versetzen uns immer wieder in Erstaunen, wenn wir der Versuchung nachgeben, seine Aussagen zu lesen.

Der Name dieses Argentiniers ist sowohl einzigartig, als auch besonders: Jorge Francisco Isidoro Luis Borges Acevedo. Er wurde ins Buenos Aires des 20. Jahrhunderts geboren. Das Interessanteste an seinem üppigen Werk ist, dass es sich jeder Klassifikation widersetzt. Borges ist Borges. Es gibt keine Schulen oder Doktrinen, die ihm Grenzen setzen.

„Es gibt Niederlagen, die würdevoller sind als ein Sieg.“

Jorge Luis Borges

Eines der Rätsel der Literaturwelt ist, dass ihm niemals der Nobelpreis verliehen wurde. Und das obwohl seine Werke auf der ganzen Welt gelesen und geliebt werden. Jedoch befand sich sein Name immer wieder auf der Liste der Favoriten. Es wurde immer gesagt, dass es an seiner politischen Haltung läge, wenn er nicht ausgezeichnet würde. Von vielen wurde er als erzkonservativ eingeschätzt.

In streng literarischem Sinn verfügen wenige Schriftsteller über die Universalität der Ideen, die Perfektion der Sprache und die Originalität der Argumente, die Borges hatte. Von seiner Poesie ganz zu schweigen. Zur Ehrung dieses Schriftstellers und als kleines Festmahl für unsere Leser, stellt dieser Beitrag fünf faszinierende Zitate von Jorge Luis Borges vor.

Jorge Luis Borges mit einer Katze

1. Die Zeit – ein bei Borges immer wiederkehrendes Thema

Jorge Luis Borges macht die Zeit zu einer der Grundstrukturen seiner Arbeit. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft stellen sich vor ihm zur Schau und inspirierten ihn wohl zu diesem wundervollen Satz: „Die Zukunft ist so unumstößlich, wie das unnachgiebige Gestern. Es gibt nicht eine Sache, die in dieser unentzifferbaren ewigen Skulptur, dessen Buch die Zeit ist, kein stiller Brief ist.“

Borges definiert die Zeit als ein Buch, in dem jede Seite die vorherige fortsetzt und die nächste bestimmt. Die Gegenwart befindet sich nicht darin, zumindest nicht so, wie viele es sehen. Wir sind eine Vergangenheit, die sich auf eine Zukunft hinbewegt, die auch schon vom Gestern umrissen wurde.

2. Die Anonymität, zu der wir werden

Wenn es eine Sache gibt, die Borges charakterisiert, dann ist es sein ausgezeichneter und intelligenter Sinn für Humor. Er machte die Ironie zur Kunst. Dies spiegelt sich in diesem wunderschönen und starken Zitat wider: „Wir alle gehen auf die Anonymität zu, nur dass die mittelmäßigen ein wenig früher ankommen.“

Tatsächlich gehen wir alle auf die Vergessenheit zu. Nach jedem Erfolg, der erreicht wird, löscht die Zeit den Namen des Autors. Diejenigen, die keine hervorragende Tätigkeiten oder Werke leisten, laufen früher die Gefahr, vergessen zu werden. Doch auch die anderen entkommen dem Vergessen nicht. Denn egal wie groß seine Leistung auch gewesen sein mag, es wir immer jemanden geben, der es besser macht.

3. Demokratie und Statistik

Dies ist eines der klassischen Zitate von Jorge Luis Borges über die Politik: „Für mich ist die Demokratie ein Missbrauch der Statistik. Und im Übrigen denke ich nicht, dass sie irgendeinen Wert hätte. Denkst du, dass du die Mehrheit der Menschen zu Rate ziehen müsstest, wenn es ein mathematisches oder ästhetisches Problem zu lösen gilt?“

Mit seinem gewohnten Sinn für Humor spricht Borges mit uns über die fragile Versorgung der Demokratie: den Mehrheitswillen. Er spiegelt dazu eine unangenehme Wahrheit wider: Mehrheiten müssen grundsätzlich nicht bessere Argumente haben als Minderheiten. Es ist schlicht und einfach eine Frage der Statistik, die auferlegt wird.

„Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.“

Jean Cocteau

Läufer und Pferd auf einem Schachfeld

4. Flüssiges Gedächtnis

Borges erinnert uns daran, dass das Gedächtnis eine dynamische Realität, mutierend und ungenau ist. Wie die Wissenschaft bewiesen hat, können wir uns an das erinnern, was wir wollen und wie wir es wollen. Das Gedächtnis basiert also nicht auf echten Tatsachen.

All das zeigt sich in einem von Jorge Luis Borges Sätzen: „Wir sind unsere Erinnerung, dieses chimärische Museum inkonstanter Formen, dieser Haufen zerbrochener Spiegel.“  Er zeigt uns, dass das Gedächtnis ein Puzzle ist, das immer viele Teile braucht und nicht aufhört, magisch zu sein.

5. Wie weit du mit Alleinreisen kommst

Allein zu reisen, nicht im buchstäblichen Sinne, sondern auf eine bildliche Weise, lässt den Weg an Bedeutung verlieren. Genau das hebt Borges hier hervor: „Wenn ich allein eine Reise beginnen würde, würde ich mein Leben damit verbringen, zu kreisen … und ich würde in einem Zollamt, an einem Flughafen ankommen. Möglicherweise würde ich in Ezeiza ankommen und nicht über die Grenze von Ezeiza gehen.“

Es ist, als wollte er uns sagen, dass eine Alleinreise ein Weg sei, um überall hinzukommen. Sie sei nur ein Übergang, ein dazwischenliegender Punkt, aber kein Ziel. Einen einsamen Weg zu reisen bedeute, ohne Sinn umherzugehen und niemals damit aufzuhören, aufzubrechen.

Aus einem Ei geschlüpfte Sonne

Jorge Luis Borges war einer der privilegiertesten Köpfe der literarischen Welt. Seine Überlegungen und seine klare Berufung für die Wahrheit haben uns ein Vermächtnis hinterlassen. Ein Vermächtnis, das wir trotz der Tatsache, dass viel Zeit vergangen ist, sicher noch nicht im angemessenen Maß werten. Borges ist schließlich einer der Schriftsteller, der es immer wert ist, ihn ganz nah bei uns zu haben: auf dem Nachttisch.