5 Situationen, die uns emotionale Energie rauben

7. März 2019

Wir alle haben uns schon in solchen Situationen wiedergefunden, in denen die Umstände unserer Energiespeicher förmlich leerzusaugen schienen. Dabei handelt es sich in aller Regel um Situationen, die uns in unserem Inneren berühren, entweder weil wir selbst involviert sind oder weil sie uns an die Substanz gehen, da wir ihnen eine große Bedeutung zuschreiben. Meist ist es aber so, dass wir uns nach der Erfahrung nur erschöpft fühlen, ohne dass wir im Gegenzug für all die investierte Energie etwas erhalten hätten.

„Emotionale Energie“ kann als Synonym für „Vitalität“ verstanden werden. Dabei handelt es sich um diese Lebenskraft, über die wir verfügen, die aber nicht unendlich ist. Wenn wir nun sagen, das bestimmte Situationen uns unsere emotionale Energie rauben, dann beziehen wir uns auf Umstände, unter denen wir unsere Vitalität regelrecht verschwenden, obwohl sie das gar nicht wert sind.

„Liebst du das Leben? Wenn du das Leben liebst, verschwende nicht deine Zeit, denn das Leben ist aus Zeit gemacht.“

Benjamin Franklin

Unglücklicherweise kommen wir immer wieder in Situationen, die unsere emotionale Energie aufzehren. Wir sollten uns bemühen, sie zu vermeiden, denn sie kosten uns viel und bringen nur wenig. Diese Episoden sind nur dazu da, um uns von dem abzulenken, was wirklich wichtig ist, was uns bereichert. Lernen wir also, sie zu identifizieren. In diesem Artikel beschreiben wir fünf von ihnen.

1. Diskussionen über Nebensächlichkeiten

Die Debatte bietet eine hervorragende Möglichkeit, die eigene Perspektive darzustellen und aus den Argumenten anderer zu lernen. Es gibt wohl wenige Situationen, die unseren Horizont derart erweitern können, wie ein konstruktiver Dialog mit Menschen, die anders denken als wir. So lernen wir neue Blickwinkel kennen und können Motivation und Handlungsweisen der anderen verstehen lernen. Außerdem stärken wir unsere Fähigkeiten zur Kommunikation.

Streit unter Kollegen

Ganz anders gestaltet sich die Sache, wenn zwei Menschen in einer Diskussion aufgehen, die Nebensächlichkeiten betrifft und deren einziger Sinn darin besteht, gegen den anderen „zu gewinnen“. Hier wird die eigene Position durchgesetzt, die eigenen Argumente werden dem Gegenüber regelrecht aufgezwungen. Das kann nur Unwohlsein hervorrufen, und zwar auf beiden Seiten: Beide investieren jede Menge Energie, bringen ihre unschönste Seite zum Ausdruck. Und bei alledem geht es nur um verletzten Stolz.

2. Beschwerden als eine weitere der Situationen, die uns emotionale Energie rauben

Sowohl das ständige Anbringen von Beschwerden wie auch die dauerhafte Exposition gegenüber Beschwerden anderer sind extrem anstrengende Umstände. Ja, wir alle beschweren uns dann und wann. Das ist normal und auch sinnvoll, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Aber wenn die Beschwerde zur Gewohnheit wird, zu einer Lebensweise, dann haben wir eine Grenze überschritten. Hinter dieser Grenze sprechen wir immer und immer wieder dasselbe Thema an, ohne effektiv daran zu arbeiten, eine Lösung für die Probleme zu finden, die wir überall sehen.

Bei der Beschwerde handelte sich um einen Diskurs, der ein Gefühl der Impotenz hervorruft. Die Realität ist nicht so, wie wir sie uns wünschen würden, aber anstatt uns darauf zu konzentrieren, Lösungswege zu erarbeiten, verschwenden wir unsere Energie damit, immer wieder die gleichen Probleme zu benennen. Damit gewinnen wir gar nichts. Es ist es einfach nicht wert, unserer Zeit damit zu vergeuden.

Wenn uns diese Probleme so sehr stören, dann sollten wir Verantwortung übernehmen, und uns ihnen stellen.

3. In der Gerüchteküche

Manch einer unserer Leser wird gar nicht glauben, wie viel Energie es kostet, ständig auf dem Laufenden zu bleiben, was das Privatleben anderer Leute betrifft. Dabei haben wir mit dem eigenen doch schon genug zu tun! Trotzdem neigen wir dazu, diese Art des Voyeurismus zu praktizieren, und haben dafür zwei Gründe: Es mangelt uns an einer eigenen Identität und in anderen suchen wir nach Spuren derselben, ohne jemals fündig werden zu können, und während wir an den Problemen anderer „arbeiten“, müssen wir uns nicht unsere eigenen kümmern.

Außerdem wird in der Gerüchteküche selten Positives zubereitet. Was wir über andere hören und erzählen, ist meist von gnadenloser Kritik durchsetzt. Schon der Ansatz ist destruktiv. Kollegen, Nachbarn und andere werden beobachtet, um herauszufinden, was sie verbergen könnten, und es dann in der Welt zu verbreiten. Welch eine Zeitverschwendung!

Wer sich Gerüchten hingibt, verliert nicht nur emotionale Energie, sondern auch seine eigene Würde.

4. Wiederholte Zweifel

Gedanken, Sorgen und Zweifel immer wieder durchzugehen, verstärkt unsere Verwirrung nur und verdammt uns so zur Passivität. Natürlich ist es sinnvoll, vor wichtigen Entscheidungen das Für und Wider abzuwägen, und dazu müssen wir die Listen aus Argumenten und Kontraargumenten wiederholt betrachten. Vielleicht auch an verschiedenen Tagen, denn morgen mag sich uns ein Blickwinkel eröffnen, den wir heute nicht sehen können. Aber zwischen einem gesunden Prozess der Entscheidungsfindung und einem ewigen Kreisen um Zweifel verläuft ein tiefer Graben.

Kopf voller Zweifel

Eine der Situationen, die uns emotionale Energie rauben, ist die des zwanghaften Zweifelns und Grübelns. Tatsächlich geht es bei dieser Übung nur darum, sämtlichen Alternativen ein „Aber“ voranzustellen und sich so von ihnen zu distanzieren. Anstatt uns einer optimalen Lösung näherzubringen, erreichen wir damit nur, dass schließlich alle Optionen auf der Seite stehen, die uns nicht vertretbar erscheinen. Außerdem verweigern wir uns selbst die Chance, uns eine klarere Perspektive zu verschaffen, indem wir erste Schritte auf dem Weg zu einer möglichen Lösung gehen.

5. Die Suche nach Bestätigung

Es ist üblich, dass wir für unser Handeln nach der Bestätigung durch andere suchen. Das ist normal und menschlich. Auch hier müssen wir aber versuchen, ein Gleichgewicht zu bewahren: Bestätigung und Anerkennung durch andere bzw. ein Mangel daran sollten uns nicht den Schlaf rauben und auch nicht unsere eigene Identität verwischen. Es ist sinnvoll, unsere Zeit in die Suche nach dem Ich zu investieren, darin, herauszufinden, wer wir sind und wer wir sein wollen – unabhängig davon, ob das den anderen nun passt oder nicht.

Wenn wir uns von deren Meinung abhängig machen, neigen wir dazu, unser Leben damit zu verbringen, ihnen genehme Dinge zu tun. Und das ist eine Vergeudung von Zeit und Energie. Entweder die Leute akzeptieren uns, oder sie tun es nicht. Manchmal liegt es gar nicht in unserer Hand, das zu ändern.

Eine interessante Tatsache ist auch, dass der übermäßige Wunsch nach Anerkennung zur Ablehnung führt. Umgekehrt ist es so, dass Ausstrahlung und Authentizität die Bestätigung seitens anderer fördern. Dann sind wir doch viel besser damit beraten, uns diesen Konzepten zu widmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir diese Situationen, die uns emotionale Energie rauben, zu identifizieren lernen und aus unserem Leben verbannen sollten. Wir sind ihnen gegenüber viel anfälliger, wenn wie ihre Zweifel an uns selbst hegen oder eine Phase der Unsicherheit durchleben. Deshalb lohnt es sich immer, an Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit zu arbeiten.

Dein Leben ist wertvoll. Deine Zeit auch. Verschenke sie nicht an Umstände, die dich emotional nicht bereichern.