5 negative Verhaltensweisen, die für uns sogar sehr gesund sind

9. Mai 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Wir alle wurden in eine Gesellschaft hineingeboren, die uns ganz bestimmte Regeln vorlebt, die uns zeigen, wie wir uns zu verhalten haben. Von unserer Familie und auch in der Schule wurde uns beigebracht, was positive und negative Verhaltensweisen sind, was wir tun und lassen und wie wir andere behandeln sollen.

Letztendlich lernen wir eine Vielzahl an Regeln, um Beziehungen zu anderen aufbauen zu können und um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Wenn wir uns nicht an diese gesellschaftlichen Regeln halten, werden wir nicht akzeptiert – so einfach ist das.

„Ich war schon immer ein Rebell. Auf der anderen Seite aber möchte ich geliebt und akzeptiert werden und nicht nur ein Musiker, Poet, launischer Mensch und ein Großmaul sein. Aber ich kann nicht sein, was ich nicht bin.“

John Lennon

Wir verinnerlichen es, bestimmte Emotionen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken und unsere Reaktionen so zu kontrollieren, um die Art von Mensch zu sein, der akzeptiert wird. Doch was passiert, wenn der Ausdruck all dieser zurückgehaltenen Gefühle eigentlich etwas Positives ist?

Wir sollen gewisse Gefühle, wie zum Beispiel Weinen, unterdrücken, weil wir sonst von der Gesellschaft als eine schwache und verwundbare Person wahrgenommen werden. Aber wenn das nicht stimmt und wir uns irren?

In diesem Artikel kannst du dich davon überzeugen, dass gewisse negative Verhaltensweisen positiver sind als du das bisher vielleicht gedacht hast, du kannst sie aus einer anderen Perspektive sehen und wirst feststellen, dass es nicht gesund ist, bestimmte Verhaltensweisen zu unterdrücken. Wenn du bereit bist, etwas mehr darüber zu erfahren, kann es losgehen:

1. Seine Wut herauslassen

Maedchen mit Drachen

Wut geht über den bloßen Zustand, verärgert zu sein, weit hinaus. Wenn wir wütend sind, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes kurz davor, zu explodieren. Das wird nicht gern gesehen und für gewöhnlich werden wir schief angeguckt, wenn wir unserer Wut freien Lauf lassen.

Aber ist es wirklich besser, sie zu unterdrücken? Wenn du das tust, bist du wie ein aktiver Vulkan. Früher oder später überhäufen sich die Umstände und dein Vulkan der Gefühle bricht aus. Du wirst dann deine Wut nicht mehr kontrollieren können und einfach alles gleitet dir aus der Hand.

Das kann für dich schlimme Folgen haben. Denn wenn wir unserer Wut keinen Ausdruck verleihen, können daraus Gefühle wie Zurückweisung, Hass, Groll usw. entstehen. Halte deine Wut nicht zurück, lasse sie heraus, um dich von diesem Gefühl zu befreien, das dir nur schadet.

Eine an der Universität von Utrecht (Niederlande) diesbezüglich durchgeführte Studie zeigte, dass Menschen, die Wut empfinden und diese auch nach außen tragen, fähiger dazu sind, ihre Ziele zu erreichen und außerdem noch zu stärkeren Personen und Kämpfernaturen werden.

2. Ich fühle mich verloren!

Jeder von uns hat sich doch schon einmal verloren gefüllt, oder? Zu einem bestimmten Zeitpunkt wussten wir nicht, was wir mit unserem Leben anfangen, in welche Richtung wir gehen und wie wir uns verhalten sollten. Das ist vollkommen normal, aber es ist etwas, das wir nicht akzeptieren. Wir haben Angst davor, uns verloren zu fühlen und das wiederum kann bei uns eine große Ängstlichkeit verursachen. Wir haben das Gefühl, dass wir die Zeit verlieren, dass wir nichts mehr unter Kontrolle haben.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Wenn du dich verloren fühlst, kann dir das dabei helfen, zu begreifen, was du alles besitzt. Deine Sinne erwachen und du hörst auf deine tiefsten Gefühle. Schon bald wirst du deinen Weg wiederfinden.

Manchmal ist es einfach notwendig, sich zu verlieren, um sich erneut finden zu können.

Maedchen mit Regenschirm

3. Ich schäme mich, zu weinen

Im Laufe unseres Lebens haben wir gelernt, unsere Tränen zu kontrollieren. Wenn wir Kinder sind, weinen wir wegen allem Möglichen. Doch wenn wir erwachsen sind, ist das automatisch ein Zeichen der Unreife. Aus diesem Grund haben wir gelernt, unsere Tränen zu unterdrücken, weil sie uns in Gegenwart anderer in eine unangenehme Situation bringen. Wenn wir weinen, sind wir verletzlich und werden als schwach angesehen.

Aber es ist sehr gesund, zu weinen. Du kannst dich somit von all deinen schmerzlichen Gefühlen befreien, von deinem Leid, und du weißt, dass es danach wieder weitergeht. Fühlst du dich nicht auch besser, wenn du einmal richtig geweint hast? Deshalb sagt man ja auch, dass Weinen eine befreiende Eigenschaft hat, was für unsere Gefühlswelt unabdingbar ist.

Wenn du weinen musst, dann weine. Befreie dich von all dem Frust, dem Schmerz und anderen Gefühlen und finde danach dein Gleichgewicht wieder.

4. Auch mal nicht zuhören…

Lernen, zuzuhören, ist etwas sehr Schwieriges. Viele Menschen denken tatsächlich, dass sie gute Zuhörer sind, aber das beruht nicht immer auf Gegenseitigkeit. Zuhören ist gut, aber trotzdem nicht immer. Was ist damit gemeint? Wenn wir bestimmte Meinungen oder Kritiken nicht hören wollen, kann das dazu führen, dass wir uns nicht dazu gezwungen fühlen, uns auf eine andere Art und Weise zu verhalten.

Manchmal schenken wir den Worten anderer zu viel Beachtung und verlieren das aus den Augen, was uns wirklich wichtig ist. Deshalb sollten wir lernen, zuzuhören, aber auch das zu überhören, was für uns in Wahrheit nicht von Nutzen ist.

Nicht zuzuhören, bedeutet nicht, dass wir die Worte unserer Mitmenschen ignorieren oder sie nicht beachten sollten, sondern dass wir vorsichtig mit ihnen umgehen und wissen sollten, wo wir ihnen Grenzen setzen. Wir sollten uns keinesfalls von den Meinungen anderer unter Druck gesetzt fühlen.

5. Ich bin nicht dazu in der Lage, mich anzupassen

Frau auf Fahrrad

Sich den Umständen bestimmter Situation anzupassen, ist etwas, das von uns allen erwartet wird. Aber wie verhält es sich, wenn wir uns noch so sehr bemühen, und dennoch einfach nicht dazu in der Lage sind, uns anzupassen? Vielleicht können wir uns nicht in unser Arbeitsumfeld einfügen, fühlen uns dieser Gruppe von Personen nicht zugehörig… Wenn dem so ist, macht das nichts! Lerne, dich zu distanzieren und begib dich auf die Suche nach dem Ort, an dem du dich wohl und zugehörig fühlst.

Du musst dich nicht allem anpassen. Das hat nur zur Folge, dass du deine Komfortzone nicht verlassen willst und dadurch aber auch keine neuen Möglichkeiten entdecken, wachsen und dich verwirklicht fühlen kannst.

„Nur die Dummen passen sich dem Leben an; die Intelligenten versuchen, das Leben an sie anzupassen.“

George Bernard Shaw

Ich lade dich dazu ein, über diese 5 „negativen Verhaltensweisen“ einmal nachzudenken, denn in ihnen steckt viel Positives. Lerne, sie auf eine angemessene Art und Weise auszudrücken, doch verliere niemals die Kontrolle über sie. Alles ist in einem angemessenen Maß gesund. Wie denkst du über den Wunsch, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden?

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Michael Cheval, Vladimir Kush, Nicoletta Ceccoli

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