5 emotionale Spuren, die alkoholkranke Eltern bei ihren Kindern hinterlassen

· 18. Februar 2017

Alkoholkranke Eltern hinterlassen viele Spuren in der Seele ihrer Kinder. Die Umstände jedes einzelnen Falles sollten immer bedacht werden, denn die Auswirkungen auf die Kinder sind von der Schwere der Sucht und wie sich diese zeigt, vom Alter der Kinder, der Stellung der Mutter und anderer Familienmitglieder und zahlreichen weiteren Faktoren abhängig. Doch es gibt bei Kindern alkoholkranker Eltern gemeinsame Verhaltensweisen, die nur mehr in ihrer Ausprägung variieren.

Fast immer wachsen diese Kinder in einem Umfeld auf, das von Chaos beherrscht wird. Ihre Art, sich zu verhalten und die Welt zu sehen, wird von ihren Erfahrungen, die sie mit dem Alkoholmissbrauch ihrer Eltern gemacht haben, beeinflusst, und so auch die Art und Weise, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen.

„Das Bewusstsein löst sich im Alkohol auf.“

Riane Eisler

Diese Spuren können sowohl von alkoholkranken Eltern, als auch von ihren Kindern nur schwer aufgedeckt werden. Unterschwellig werden sie Teil ihrer Persönlichkeit und oftmals führen sie wider Erwarten zu einer positiven Einstellung. Aber tief in ihrem Inneren haben sie eine offene Wunde, die früher oder später behandelt und geheilt werden sollte.

Im Folgenden möchten wir dir 5 dieser emotionalen Spuren aufzeigen, die im Herzen der Kinder alkoholkranker Eltern zu finden sind.

1. Kinder alkoholkranker Eltern wissen nicht, was ein normales Verhalten ist

Ein alkoholkranker Elternteil ist und bleibt ein Elternteil. Aus diesem Grund ist dieser für seine Kinder ein Beispiel dafür, was es bedeutet, erwachsen zu sein. Doch ein Alkoholiker ist unberechenbar: Heute kann er ein sehr liebevoller Elternteil sein und morgen ein Fremder, der seinem Kind Angst einjagt und es verwirrt. Sein Kind weiß nie, wie er sich ihm gegenüber verhalten wird.

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Daraus folgt, dass Kinder alkoholkranker Eltern Schwierigkeiten damit haben, zu verstehen, was ein normales Verhalten ist, d.h. was ein nicht krankhaftes Verhalten ist. Daher können sie nur schwer einschätzen, was sie sich erlauben können und was nicht. Sie zweifeln die ganze Zeit über.

2. Ihnen fällt es schwer, etwas zu Ende zu bringen

Kinder alkoholkranker Eltern sind labil. Ihr Leben hat sich inmitten von schweren Unsicherheiten entwickelt: Sie wissen nie, wie es ihren Eltern heute geht. Deshalb wissen sie auch nie, was sie von ihrer Familie, der Welt oder sich selbst zu erwarten haben. Alles kann sich von einen auf den anderen Moment ändern.

Diese Instabilität, die Angst und krank macht, ist dafür verantwortlich, dass die Wahrscheinlichkeit bei solch einem Kind höher ist, ebenfalls zu einem instabilen Menschen heranzuwachsen. Diesen Kindern fällt es schwer, an etwas dranzubleiben. Psychologisch gesehen müssen sie letztendlich sehr viel Energie dafür aufbringen, zu versuchen, diese extreme Unsicherheit, die sich durch ihr Leben zieht, zu verstehen und mit ihr umzugehen.

3. Sie verurteilen sich grundlos und können sich nur schwer vergnügen

Ein Kind eines alkoholkranken Elternteils trägt in seinem Herzen Schuldgefühle und ein Gefühl von Unfähigkeit, das es nicht erklären kann. Schuldgefühle verspürt es deshalb, weil es nicht weiß, inwieweit der Alkoholmissbrauch seines Vaters oder seiner Mutter in seiner Verantwortung liegt. Es fragt sich: „Sollte ich etwas dagegen tun oder hätte ich etwas dagegen tun sollen?“

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Das Gefühl von Unfähigkeit entsteht genau durch diese Frage. Im Grunde genommen möchte solch ein Kind etwas tun oder hätte gern etwas getan, um die Situation zu ändern. Doch es weiß nicht, wie es das schaffen könnte. Daraus wird ein stummer Selbstvorwurf. Genauso sehen sie Vergnügen als eine gewisse Gefahr an. Es fragt sich, ob es seiner Mutter oder seinem Vater gut geht oder nicht, wenn sie oder er wieder viel getrunken hat.

4. Sie sind loyal, auch wenn es keinen Grund dafür gibt

Kinder alkoholkranker Eltern sind krankhaft loyal. Sie haben einen oder beide Elternteile gesehen, wenn dieser oder diese betrunken waren und das löst bei ihnen Schmerzen und Angst aus. Oftmals werden sie gebeten oder es wird sogar von ihnen verlangt, dass sie niemandem von dieser familiären Situation erzählen.

Aus diesem Grund wachsen viele dieser Kinder mit dem Gedanken auf, dass blindes Vertrauen ein Wert ist, den sie sich bewahren müssten, ganz gleich welche Umstände gegeben sind. Wenn sie jemanden lieben, haben sie das Gefühl, als müssten sie alles mit dieser Person in Verbindung stehende unterstützen. Sie sind auch der Meinung, dass andere sich so mit ihnen verhalten müssten.

5. Sie reagieren übertrieben und impulsiv

Veränderungen stellen für Kinder alkoholkranker Eltern eine Bedrohung dar. Sie waren ihr ganzes Leben von dieser Unsicherheit umgeben, was passieren wird. Deshalb verteidigen sie ihre gefundene Stabilität im höchsten Maße. Sie glauben, dass mit Veränderungen Chaos einhergeht, wovor sie sich so sehr fürchten.

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Gleichzeitig können sie ihre Gefühle nicht richtig kontrollieren. Sie sind davon überzeugt, dass wir alle dazu bereit sind, ihnen bei jeder Gelegenheit in den Rücken zu fallen – genau das ist es doch, was sie so oft zu Hause erlebt haben. Daher fällt es ihnen unheimlich schwer, angemessene und rationale Verhaltensweisen zu entwickeln.

Wenn die Spuren, die bei Kindern alkoholkranker Eltern hinterlassen wurden, so tief sind, sollte auf jeden Fall psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Ellen Mijjail, Clark Melhbourn