4 Merkmale von Sexualverbrechern im Internet

· 28. Februar 2019

Zwischen 1970 und 1990 kam es in Russland zu einer ganzen Reihe von Morden und sexuellen Übergriffen. Andrei Romanowitsch Tschikatilo, ein Mann mittleren Alters, tötete mehr als 50 Menschen. Seine Geschichte wurde einige Jahre später in dem Film Citizen X dargestellt. Wir können seine kriminellen Handlungen auch dahingehend auswerten, um Rückschlüsse auf die Psychologie von Sexualverbrechern im Internet zu schließen.

Nachdem er aus einer Schule, in der er unterrichtet hatte, entlassen worden war, weil er seine Schüler misshandelt hatte, fand er eine Anstellung als Fabrikarbeiter. Da er in seiner Funktion viele Geschäftsreisen unternehmen musste, benutzte er oft Bahnhöfe, um an seine Opfer zu gelangen. Die meisten seiner Opfer waren junge Frauen und Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen. Es waren immer Kinder oder Jugendliche in verwundbaren Situationen, die nicht mit dem Zug reisen konnten.

Sexualverbrecher waren im Laufe der Geschichte immer wieder – um nicht zu sagen: immer – ein soziales Problem. Trotzdem hat sich die Art und Weise, wie sie agieren, im Laufe der Zeit gewandelt. Andrei Romanowitsch Tschikatilo passte sich der Situation an, in der er lebte. Er nutzte die Infrastruktur der Bahnhöfe, um seine Opfer auszuwählen und anzugreifen.

Moderne Verbrecher haben ihren Weg zur Sexualkriminalität in den neuen Technologien gefunden perfektioniert. Durch die Verwendung sozialer Netzwerke, Chatrooms oder Foren kann ein beliebiger Nutzer schnell zu vielen Menschen Kontakt aufnehmen. Diese digitalen Räume erleichtern es diesen Kriminellen, ihre Opfer auszuwählen und glaubwürdige Lügen zu verbreiten.

Andrei Romanowitsch Tschikatilo hat seine Verbrechen vor dem Zeitalter von Sexualverbrechern im Internet begangen.

Grooming und Sexualverbrecher im Internet

Die Art und Weise, wie Sexualverbrecher im Internet insbesondere Kinder verfolgen, nennt man „Grooming“. Die Geschwindigkeit des Informationsaustauschs und der Mangel an Sicherheit sind zwei der wichtigsten Faktoren, welche den Tätern bei der Begehung dieser Handlungen helfen.

Laut einer kürzlich durchgeführten Studie zur Cyberkriminalität seien die meisten Sexualverbrecher im Internet männlichen Geschlechts. Sie können jeder Altersgruppe angehören, obwohl die meisten Straftaten von Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren begangen werden. Auf der anderen Seite sind ihre Opfer in der schwächsten Altersgruppe zu finden, bei den Minderjährigen.

4 Merkmale von Sexualverbrechern im Internet

Es gibt verschiedene psychologische Merkmale, die uns dabei helfen können, die Strategien dieser Verbrecher zu erklären und die Gründe für ihr Tun zu verstehen:

Manipulation

Sexualverbrecher im Internet wissen, wie sie Situationen so einfädeln, dass sie zu ihnen und ihren Interessen passen. Sie erzeugen wiederholt kognitive Verzerrungen, um ihre Opfer aus dem Gleichgewicht zu bringen. So können sie ihre Opfer dazu bringen, ihnen genau das zu geben, was sie wollen. Dies ist bei Minderjährigen in der Regel sehr einfach.

Dominanz

Dies ist im Prinzip eine Erweiterung des vorherigen Merkmals. Sexualverbrecher im Internet schaffen ein Machtungleichgewicht, damit sie die andere Person ihrem eigenen Willen unterwerfen können. Schon von Anfang an versuchen sie, den anderen zu dominieren, um das zu bekommen, was sie wollen. Sie möchten jene Zufriedenheit spüren, die sie nur dann erleben, wenn sie Macht über jemanden ausüben.

Einige extreme Sexualverbrecher im Internet stellen im Alltag allerdings das genaue Gegenteil gar. Da sehen sie vielleicht wie ganz normale Menschen aus, sodass man annehmen könnte, sie wären es, die leicht zu beherrschen wären.

Oberflächlicher Charme

Moderne Sexualverbrecher verwenden das Medium Internet, um für sie komfortable Räume zu erschaffen. Sie identifizieren sich mit den Problemen ihrer Opfer und zeigen ihnen, dass sie sie verstehen und daran interessiert seien, was mit ihnen passiere. Diese Sexualverbrecher interessieren sich für die Geschmäcker und individuellen Wünsche ihrer Opfer und wissen ganz genau, wie sie sich den Anforderungen verschiedener Situationen stellen können.

Ein geringes Selbstwertgefühl macht es für Sexualverbrecher schwierig, gesunde Beziehungen zu Personen in ihrem Alter aufrechtzuerhalten. Deshalb suchen sie nach Menschen, die anfälliger für ihre Avancen und insgesamt zugänglicher sind.

Eine Phantommaske liegt auf der Tastatur eines Laptops.

Neigung zur Entpersonalisierung und Objektivierung

Sexualverbrecher im Internet behandeln ihre Opfer als Objekte, die einzig und allein dazu dienen, ihre sexuellen Wünsche zu befriedigen. Da sie sich über Computerbildschirme mit ihnen in Verbindung setzen und sie nicht in echt sehen können, fällt es ihnen leicht, sie nicht als menschlich zu betrachten. So brauchen sie ihre Gesprächspartner nicht wie ein fühlendes Wesen zu behandeln, was wiederum ihre Rechtfertigung dafür ist, dass sie ihre unerlaubten Handlungen durchführen. Sie beschuldigen das Opfer und argumentieren sogar, dass es das Ganze freiwillig gemacht hätte.

Im heutigen, vom Internet geprägten Zeitalter fragen sich die Leute, wie wir uns vor Sexualverbrechern im Internet schützen können. Es ist klar, dass diese Verbrechen hauptsächlich Kinder und Jugendliche betreffen. Tatsächlich gilt dies auch für Cyberkriminalität im Allgemeinen. Daher müssen Eltern jenen Websites, die ihre Kinder und Jugendlichen besuchen, entsprechende Aufmerksamkeit widmen, und ihren Nachwuchs über potenzielle Gefahren aufklären.