3 Zen-Lektionen über Angst

23. Dezember 2018

Zen-Lektionen über Angst sind auch Lektionen über das Ego. Die Meister dieser philosophischen Disziplin sagen, dass, wenn das Ego einen Motor hätte, die Angst sein Treibstoff wäre. Und sie kennen keine lange Liste der Ängste, sondern diese sind auf nur drei beschränkt. Und alle drei haben mit dem zu tun, was wir „Ich“ nennen.

Aus dieser Perspektive haben alle Ängste, die wir als Menschen erleben, zwei klar definierte Wurzeln: Bindung und Unwissenheit.

  • Bindung macht uns verletzlich, denn es geht in zahlreichen Situationen darum, unseren Verstand, unsere Emotionen und unser Verlangen auf etwas Äußeres zu fixieren. Natürlich bedeutet dies eine primäre Form der Angst, die Angst die vor dem Verlust dessen, woran wir gebunden sind.
  • Unwissenheit wiederum versetzt uns in einen Zustand des Zweifels, der das Auftreten von Angst erleichtert. Das Unvermögen, Risiken oder Gefahren präzise zu erkennen und nicht zu verstehen, wie wir ihnen begegnen können, führt dazu, dass wir uns von Unsicherheit und Angst heimgesucht fühlen.

Die nachfolgend vorgestellten Zen-Lektionen über Angst sagen uns, dass es drei Ängste gebe, die aus diesen beiden grundlegenden Wurzeln entstehen.

„Die Quellen all unserer Angst sind unser unkontrollierter Verstand oder Wahnvorstellungen.“

Buddha

1. Das Leben bewahren – eine der Zen-Lektionen über Angst

Die erste der Zen-Lektionen über Angst sagt uns, dass die grundlegendste Angst des Menschen darin bestehe, sein Leben zu verlieren. Wir verstehen den Verlust von Leben im Wesentlichen als den Verlust des Körpers. Wir sind physische Wesen und das ist unsere elementarste Realität. Wir bewohnen unseren Körper und die Angst, ihn zu verlieren, entspricht der Angst, nicht mehr zu sein.

Diese Angst ist gleichbedeutend mit der Angst vor dem Tod. Der Tod bedeutet jedoch nicht nur die vollständige Beendigung unserer organischen Funktionen. Es gibt sozusagen auch andere Dimensionen des Körperverlustes auf dem Weg zum Tod. Zum Beispiel können wir die Jugend verlieren, sicher geglaubte Fähigkeiten, die normale Funktion des Organismus oder unser Selbstbild.

Die Zen-Lektionen über Angst sagen uns, dass die Angst, unser Leben zu verlieren, durch den Körper selbst verschwinden könne. Diese Angst sei körperlich, und wenn sie aus dem Körper verbannt werde, verlasse sie auch den Geist. Was wir diesbezüglich tun sollten, ist, uns um die körperlichen Empfindungen der Angst zu kümmern, beispielsweise indem wir gezielt Bauchatmung praktizieren, um unseren Herzschlag zu regulieren und die Muskeln zu entspannen.

Zeichnung einer Frau mit Angst

2. Das Selbst verlieren

Die Angst vor dem Verlust des Selbst ist auch das, was wir Angst vor Veränderungen nennen könnten. Wir kommen zu dem Schluss, dass wir das sind, was wir gewohnt sind zu sein. Die Aktivitäten, denen wir normalerweise nachgehen, die Räume, die wir Tag für Tag einnehmen, die Menschen, die wir täglich sehen – sie sind unsere Realität.

Wir gewöhnen uns so sehr daran, uns selbst so zu sehen, dass wir eine starke Angst verspüren, wenn sich der Kontext ändert und wir einer Neuheit ausgesetzt sind. Dann entsteht die Angst, das „Ich“ zu verlieren, nicht zu wissen, was zu tun ist oder wie wir zu handeln haben. Es ist eine Art Angst, uns zu verwässern, nicht zu sein.

Die Zen-Lektionen über Angst betonen, dass diese Angst ebenfalls durch Bauchatmung beseitigt werden könne. Aus dieser Perspektive sei der Bauch die Quelle des Wertes. Es heißt, dass dort „das Gebrüll des Lebens“ entstehe, d. h. unsere Ruhe und unser Mut. Es wird dazu geraten, tiefe Atemzüge zu nehmen, wenn wir diese Art von Angst verspüren.

Mann mit Kreis in seinem Geist

3. Angst vor dem Leiden

Im Allgemeinen wird all das als Leiden bezeichnet, was zu einer Überlastung des Nervensystems führt, was ein Gefühl des Unwohlseins und der Überwältigung erzeugt. Es geht um Mängel, Einschränkungen und Frustration oder unerfüllte Wünsche. Es kann sehr intensiv sein und in diesen Fällen kann es in uns eindringen und andere Aspekte unseres Seins lähmen.

Der Weg, die Angst vor dem Leiden zu überwinden, lautet nach den Zen-Lektionen über Angst, für unser spirituelles Wachstum zu arbeiten. Wenn wir uns in eine Perspektive begeben, in der alles, was uns passiert, eine Chance zur Entwicklung darstellt, verschwindet nach und nach die Angst vor dem Leiden. Es geht darum, körperliche oder emotionale Schmerzen als etwas Flüchtiges zu begreifen, das uns hilft, besser zu werden.

Die Zen-Meister sagen uns, dass Leiden ein Phänomen sei, das im Kopf stattfinde. Der jeweilige Mensch sei es, der den Erfahrungen, die er erlebt, eine positive oder negative Bedeutung gebe. Deshalb hänge es von jedem Einzelnen ab, wie sehr er bereit sei, zu leiden. Dementsprechend wachse oder schwinde die Angst vor dem Leiden.

Diese Zen-Lektionen über Angst erinnern uns daran, dass wir selbst unsere Ängste nähren oder daran arbeiten können, sie aufzuheben. Die größte Nahrung unserer Ängste sind die unbegründete Sorge, die Resistenz gegen Veränderungen und natürliche Lebenszyklen. Schließlich gibt es unausweichliche Situationen, und egal wie viel Angst wir vor ihnen haben oder wie sehr wir ihnen ausweichen, sie werden uns immer einholen. Leben wir unser Leben deshalb nicht in Angst vor diesen Momenten.

Fromm, E. (2004). Psicoanálisis y budismo zen. El Árbol y el diván: diálogo entre psicoanálisis y budismo, 83, A83-dq.