Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

18. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung - Eine Gewitterwolke hängt über einer verzweifelten Frau.

Die Wahrheit ist, dass wir in unserer heutigen Welt, meist jene Verhaltensweisen, die sich auf Arbeit, Produktivität und Ergebnisse beziehen, wertschätzen und verstärken wollen. Ein Perfektionist zu sein, sorgfältig, organisiert und kompetent zu sein, wird am Arbeitsplatz sehr geschätzt. Daher neigen Menschen mit diesen Eigenschaften dazu, auf verantwortungsvolle Posten befördert zu werden.

Aber Individuen mit einem Hang zu obsessiven Handlungen erfüllen die Merkmale einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung ebenfalls sehr gut. Sie wollen ihre Aufgaben nicht nur gut machen, sondern sie wollen die Besten sein. Sie nehmen sich kaum Freizeit. Aus ihrer Perspektive sehen eine Auszeit und Spaß wie ein Verlust von produktiver Zeit aus und stellen somit keinen Fortschritt dar.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung: Merkmale Betroffener

Diejenigen, die zu zwanghaften Handlungen tendieren, lassen ihren Instinkten oder ihrer Spontaneität selten freien Lauf. Die Antworten, die sie geben, sind zu meist das Ergebnis tiefer Reflexion. Sie genießen es nicht, Risiken einzugehen, sondern planen, ordnen und klassifizieren, wo auch immer sie nur können. Sie messen in der Regel anhand ihrer eigenen Skalen und Werte, wie zufrieden sie mit jenem Verhalten sind, dass sich daraus ergibt. Erst dann betrachten sie die Resultate ihrer Handlungen und die Bedeutung, die anderen ihnen beimessen.

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Betroffene sind anfällig für Stress; es fällt ihnen schwer, sich zu entspannen und das Leben zu genießen. Freizeit ohne geplante Aktivitäten zu haben, kann sie nervöser machen als ein voller Terminkalender. Sie widmen ihrer Familie und anderen Beziehungen deutlich weniger Zeit, als angemessen wäre. Sie neigen jedoch dazu, sicherzustellen, dass die Grundbedürfnisse ihrer Lieben abgedeckt sind.

Ein Mann schneidet mit einer Nagelschere Gras

Wenn zwanghafte Verhaltensweisen auf die Spitze getrieben werden, wird das Endergebnis fehlangepasstes Verhalten sein, das das eigene Handeln ineffizient oder ineffektiv macht. Darüber hinaus greift es auch erheblich in das Alltagsleben des Menschen ein. Wenn das der Fall ist, sprechen wir von einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung.

Perfektionismus oder zwanghafte Persönlichkeitsstörung?

Der Unterschied zwischen einer perfektionistischen Persönlichkeit, einer Obsession und zwanghaften Persönlichkeitsstörung liegt in der Schwere der Symptome. Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung sind so akribisch, dass sie Probleme bei der Arbeit und in ihrem persönlichen Leben haben.

Wenn unser Perfektionismus uns unseren Alltag erschwert, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung vor. Auf der anderen Seite schätzen westliche Gesellschaften einen perfektionistischen Stil. Individualität, Kompetenz und Karriereentwicklung sind Grundwerte in diesen Kulturen und werden nicht als krankhaft verstanden.

Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung scheint in Industrieländern häufiger vorzukommen. In Kulturen also, die im Allgemeinen organisierter und disziplinierter sind. Eigenschaften wie Effizienz, Pünktlichkeit, Ausdauer, harte Arbeit und Akribie sind in diesen Gesellschaften von Vorteil, wenn es um den Aufstieg geht, und fördern wohl das Entstehen der genannten Erkrankung.

Ein Mann ohne Mängel ist ein Narr oder ein Heuchler, dem wir misstrauen sollten.

Eine Frau macht übereifrig Notizen.

Selbstdisziplin, Verantwortungsgefühl und Beziehungen

Betroffene weisen übermäßige Selbstdisziplin auf,  ein starkes Über-Ich, wenn man es aus einer psychoanalytischen Perspektive betrachten will. Wer eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung hat, wird von seinem Intellekt geleitet und verlässt sich nicht auf seine Emotionen. Außerdem sind Betroffene normalerweise reserviert und wenig temperamentvoll.

Was Paarbeziehungen betrifft, sind Betroffene genau deshalb meist treue Partner. Sie sind verantwortungsbewusst und kümmern sich gut um ihren Partner. Sie tun dies jedoch auf eine unromantische Weise und zeigen wenig Emotionen. Grundsätzlich sind sie eher praktisch veranlagt.

Aufgrund ihrer Zurückhaltung passen sie gut zu histrionischen Menschen, die überschwängliche und dramatische Züge haben. Obsessive Persönlichkeiten werden von histrionischen Persönlichkeiten angezogen, weil sie sich in ihrer Gegenwart aktiver und lebendiger fühlen. Gleichzeitig kann die histrionische Persönlichkeit einen Menschen mit einer Zwangsstörung attraktiv finden, weil er jene Stabilität bietet, an der es ihr fehlt.

Der zwanghafte Typ verträgt sich auch gut mit antisozialen, ausweichenden, abhängigen und selbstzerstörerischen Typen. Auf der anderen Seite scheinen Menschen mit obsessiver Persönlichkeit eher selten gute Beziehungen zu Menschen mit der gleichen Persönlichkeit bzw. Menschen, die narzisstisch, paranoid oder sadistisch veranlagt sind, zu haben.

Ein Paar streitet sich in einem Café.

Wie können wir uns mit dem zwanghaften Persönlichkeitstyp verstehen?

Hinsichtlich der Interaktion mit Personen, die an einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung leiden, schlagen Oldham und Morris bestimmte Verhaltensweisen vor, um die Beziehung „runder“ laufen zu lassen. Sie empfehlen, den Sinn für Humor zu wahren und tolerant zu sein und der betroffenen Person zu erlauben, das zu tun, was sie tun möchte. Wir sollten also flexibel sein und Betroffenen erlauben, so zu handeln, wie sie es gewohnt sind, solange es uns nicht zu sehr irritiert.

Wir sollten nicht erwarten, dass Betroffene sich von selbst verändern. Angesichts ihrer Zurückhaltung gegenüber neuen Situationen muss der Impuls zur Veränderung von jemand anderem ausgehen. Außerdem kann ihr Mangel an Zuneigung entmutigend auf uns wirken. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Betroffenen es schwerfällt, ihre Gefühle offen zu zeigen. In keiner Weise deutet das jedoch auf eine Abwesenheit von Gefühlen hin.

Vor allem Künstler versuchen, perfekte Arbeit abzuliefern, denn es ist wirklich schwierig, im Leben Perfektion zu erreichen.

Machtkämpfe mit Menschen, die eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung haben, sind nicht ratsam, da sie sehr streitlustig sind. Experten empfehlen stattdessen, ihnen zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen. In einer Beziehung wird der Betroffene dazu neigen, die Kontrolle zu übernehmen.

Zusammengefasst heißt das, dass eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung nur nach außen wie Perfektionismus aussieht. Sie zeichnet sich durch übermäßigen Einsatz auf der Arbeit, Starrheit und Inflexibilität aus. Beziehungen mit dieser Art von Person können schwierig sein, wenn das Paar die oben erwähnten Aspekte nicht berücksichtigt oder der nicht Betroffene Partner diese nicht zu akzeptieren bereit ist.

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