Zusammen, aber eigenständig – die Partnerschaft als emotionale Vitaminbombe

8. August 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Häufig kommt es in einer Partnerschaft vor, dass beide Partner förmlich aneinander kleben und sich somit selbst die Möglichkeit nehmen, emotional zu wachsen. Man muss der besseren Hälfte Flügel verleihen, um fliegen zu können, und darf sie nicht in einem Käfig einsperren, um der Einzige zu sein, der sich an diesem Menschen erfreut.

Deshalb sollte es auf der Hand liegen, dass das Glück einer Person von einem selbst abhängt, und die Beziehung trägt natürlich viel dazu bei. Damit eine Partnerschaft sich auch wirklich so auswirken kann, sollten wir auf vieles achten, damit wir keine Beziehung voller Co-Abhängigkeit führen.

Damit die Partner denselben Effekt wie ein wichtiges Vitamin haben, muss folgendes gegeben sein: Beide müssen ein gemeinsames Ziel vor Augen haben und gleichzeitig noch ihren persönlichen Freiraum bewahren. Dieses Verständnis muss langlebig sein und die Partner müssen sich beide sehr gut kennen.

Partnerschaft

Ein gemeinsames Ziel, um eine gesunde Beziehung aufzubauen

Der erste Schritt, um den persönlichen Freiraum jedes einzelnen gewährleisten zu können, ist es, ein gemeinsames Ziel ausfindig zu machen. Auf diese Weise lernt man sich näher kennen und erweitert seinen Horizont, was beide Partner im Einzelnen bereichert.

Diese Momente zu erschaffen und gemeinsam zu erleben, hilft beiden Partnern zu verstehen, dass es eine Zeit gibt, in der beide zusammen wachsen. Doch wir müssen aufpassen, dass dieses gemeinsame Vorhaben uns nicht von der Außenwelt abgekapselt oder uns als Partner oder Person mit eigenen Interessen vollkommen vereinnahmt.

Partner, die demnach für ihr Herzblatt eine emotionale Vitaminbombe darstellen, teilen Interessen miteinander, weshalb es wichtig ist, sich über einige Details im Klaren zu sein. Es sind versteckte Botschaften, die manchmal während eines Streites verloren gehen, wie beispielsweise:

  • Sich darüber bewusst sein, dass es nicht bedeutet, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt, wenn man eine andere Meinung als der Partner hat.
  • Es ist normal, unlösbare Konflikte zu haben und über die Fähigkeit zu verfügen, seinen Standpunkt zu äußern. 69% aller Streitpunkte in einer Partnerschaft bleiben sogar für immer bestehen.
  • Auch wenn nicht jedes Problem gelöst werden kann, können die Partner aber sehr wohl mit den unterschiedlichen Ansichten leben.
  • Jeder legt unterschiedlich viel Wert auf die gleiche Situation. Das macht es oftmals sehr schwierig, sich in die Lage des anderen zu versetzen.
  • Den „emotionalen Idealismus“ jedes Einzelnen anzuerkennen und darüber reden zu können, ist ein wichtiger Schritt in Richtung emotionale Verbindung, die in einer Beziehung vorhanden sein muss.
  • Die beste Art, Meinungsverschiedenheiten beizulegen, ist, dem anderen Respekt zu zollen„Ich weiß, dass wir nicht einer Meinung sind, ich verstehe aber, dass du zu dem Thema eine eigene Ansicht hast, so wie ich auch. Deshalb respektiere ich dich.“
  • Beide Partner entdecken gemeinsame Rituale und erschaffen neue.

Kuschelndes Paar

Den persönlichen Freiraum zu bewahren, bedeutet, eigene Träume zu entdecken

Je mehr emotionale Informationen hinsichtlich der eigenen Interessen in einer Partnerschaft ausgetauscht werden, desto gesünder ist die Beziehung in Bezug auf dessen, was sich die Partner von ihr wünschen und auch was die emotionale Verbundenheit anbelangt. Diese Voraussetzung muss gegeben sein, um eigene Träume erschaffen zu können.

Das heißt, dass es nicht allein ausreicht, sich nicht die Freiheit nehmen zu lassen und sich am Leben zu erfreuen, sondern dass wir als emotional gesunde Partner die Verwirklichung der Träume des anderen unterstützen sollten. Oftmals gelingt uns das nicht und das spiegelt sich in Sätzen, wie: „Ich habe dir nicht gesagt, dass du das nicht tun sollst,“  nieder, obwohl wir in Wahrheit auch nicht genug dazu beigetragen haben, damit unser Partner etwas getan hat oder ihm nicht das Gefühl gegeben haben, dass wir für ihn da sind, auch wenn das Projekt scheitern sollte.

Vielleicht sagen wir es nicht, aber wenn wir unsere Meinung nicht ausdrücklich mitteilen, ist es wahrscheinlich, dass wir an traditionellen Ansichten über eine Beziehung festhalten. Es sind Gedanken, die die proaktive Einstellung unmittelbar angreift, die uns dazu bewegt, unsere Träume zu realisieren.

Mann umarmt Frau

Es ist ratsam, in unserem Verstand versteckte und schwer zu findende Notizbücher in unserer Partnerschaft zu vermeiden und einen emotionalen Raum zu erschaffen, um Wünsche und Interessen zu teilen, die uns dabei helfen, erneut einen Freiraum für die individuelle Entwicklung entstehen zu lassen. Damit uns das gelingt, sollten wir:

  • Dem anderen zuhören, wenn er über seine Interessen und Träume spricht.
  • Ihm Fragen stellen, die ihn dazu animieren, selbst zu entdecken, wieso er nach etwas strebt.
  • Mitgefühl zeigen und ihm mitteilen, dass wir verstehen, dass es für ihn sehr wichtig ist, ganz gleich, ob wir seinen Traum teilen oder nicht.
  • Emotionale Unterstützung anbieten und Entscheidungen und Fortschritte anerkennen. Es ist sehr wichtig, dass unser Partner merkt, wie stolz wir auf ihn sind.

Sich zu lieben heißt sich „trotz“ und „mit“ seinen Stärken und Schwächen zu lieben. Wir alle haben eine unschöne, eine schöne, eine verletzende, eine nervige, eine anstrengende, eine bittere, eine süße, eine salzige, eine fröhliche, eine ängstliche, eine traurige, eine neugierige, eine faule und eine verblüffende Seite an uns.

Jede einzelne unserer Facetten macht uns zu Wesen, die es würdig sind, zu lieben und geliebt zu werden, weshalb wir jeden Gefühlsausdruck und jede Art des Seins respektieren sollten, um uns als emotionales Vitamin dienen und uns vervollständigen zu können. Denn nur so können wir mit jeder Faser unseres Seins lieben.

Glueckliche Beziehung

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Puung und Claudia Tremblay

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