Wir sind nicht mehr dieselben

· 29. März 2016

Wie mag wohl die Begegnung zweier Menschen sein, wenn sie sich, Jahre nachdem sie ihre Beziehung beendet haben, wieder treffen? Wir stellen uns eine Geschichte vor… Irgendeine Geschichte…

Wir begegnen uns plötzlich. Das mag poetisch klingen, aber wir gehen um eine Ecke und stoßen zusammen. Ohne Fluchtmöglichkeit.

Drei Jahre lang haben wir uns nicht gesehen und unsere jeweiligen Leben verliefen seither in parallelen Bahnen. Jeder in seinem Zug oder vielleicht auch nur in verschiedenen Wagen desselben Zuges und mit unterschiedlichem Gepäck unterwegs. Es schmerzte, dass alles nach einer vier Jahre andauernden Beziehung endete.

In den letzten Monaten führten unsere Probleme dazu, dass wir mit hängendem Kopf durch unser Leben gingen, weil das unerträgliche Gewicht der Traurigkeit oder der Wut schwer auf uns lastete. Oder wir schauten in den Himmel und dachten daran, wie die Beziehung einmal war, und wünschten uns, dass dieser Zustand zurückkehrte.

“Ich machte weiter und zerstörte jede konkrete Erinnerung, denn ich möchte dir nicht mehr in meinen geheimen Ecken begegnen, noch weniger in meinen Träumen, und deshalb bist du nun dort, wo ich dich nicht mehr suche und nun suche ich das Glück.“

Julio Cortázar

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Sein lassen

Sein zu lassen heißt, in gewisser Weise einen Bruch mit sich selbst zu akzeptieren. Ein Teil von dir, der dich aber nicht mehr repräsentiert, wünscht sich die Rückkehr dieser Illusion. Daher ist es oft notwendig, gehen zu lassen.

Es scheint so, dass wir oftmals in jene vergangenen Zeiten verliebt sind, die wir erlebt haben. In jenen Widerschein, den es nicht mehr gibt in unserer Realität, den wir aber, um nicht diese Unstimmigkeit konfrontieren zu müssen, wie eine Erinnerung oder einen Schatten akzeptieren.

Es stimmt, das sich Beziehungen verändern und wie eine Achterbahn sein können, mit allen Kurven und Drehungen und Wendungen. Und es stimmt auch, dass Verliebtheit vergeht, und dass die Liebe zwei Menschen weiterhin verbinden kann, wenn sie akzeptieren, dass Veränderungen eben genau das sind: Veränderungen.

Und schließlich stimmt es auch, dass ein solcher Weg Beziehungen nicht schaden kann, sondern sie im Gegenteil immer größer, reifer, stärker, fast unsterblich macht.

Wenn es endet

Aber dies ist keine Geschichte des Kampfes, sondern eine Geschiche von Flucht und gleichzeitig von einer Schlacht. Es ist die Geschichte eines Niedergangs, von Problemen, die über das Emotionale oder eine vorübergehende Etappe hinaus gehen.

Es war schwierig, zu akzeptieren, dass wir uns trotz aller Versuche nicht glücklich machen konnten. Im Gegenteil, mit jedem gescheiterten Versuch würden wir unglücklicher, die Beziehung gab uns nicht mehr, was wir brauchten.

Jener Anfangszustand der Verliebtheit war schnell vergangen und die Liebe konnte nicht mehr wachsen, jedenfalls nicht auf eine natürliche und ehrliche Weise. Daher entschieden wir uns dafür, uns aus der Ferne zu lieben und uns auf eine andere Weise zu mögen.

Wir beweinten unseren Verlust, das „Seinlassen“, und wir liebten uns mehr als jemals zuvor. So feige und gleichzeitig so mutig.

Natürlich gab es Spuren von Groll, Fragen, die niemals eine Antwort erhielten und Unwohlsein in unserem Stolz. Wunden, die schließlich vernarbten, wie wir feststellten, als wir uns an jener Ecke wieder begegneten, wo wir ohne Vorwarnung zusammenstießen, mit unseren jeweiligen Spiegelungen.

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Wir sind nicht mehr dieselben. Wir sind dieselben, die wir waren, aber wir erkennen uns nicht mehr auf dieselbe Weise.

Ich hoffe nur, dass der andere lächelt und auch weniger Gewicht auf seinen Schultern spürt, als wir uns an jenem Tag verabschieden. Wie wir wieder feststellen können, sind wir nicht mehr jener Widerschein von damals und dies schmerzt uns auch nicht mehr.

Ich wünsche mir auch von ganzem Herzen, dass die Zeit jeden von uns an seinen Platz gestellt hat: Glücklich. Genau so, wie wir uns einst kennenlernten.

Ich versammelte alle schlechten Eigenschaften,
die ich abgelegt hatte, um bei dir zu sein.
Ich rief die Rache herbei,
den Groll, den Stolz.

Meinen Händen gab ich Fausthiebe zurück,
meinem Mund die Grausamkeit
und meinem Herzen den Egoismus.

Um dir die Waffen wegzunehmen,
mit denen du mich tötetest,
floh ich vor der Reinheit
und der Ehrlichkeit.

Und ich ertränkte mein eigenes Blut,
den Unschuldigen, der nicht wußte,
dass dir alles zu geben
ihn in einem Menschen mit leeren Händen verwandelte.
Leer für dich.

Ich vermisste dich nur in der Zeit,
in der ich mich noch an den Geschmack deiner Lippen erinnerte.
Oder die Form, in der das Meer deiner Nacktheit
gegen deine Haut stößt.

Aber heute bin ich gerettet
vor deinen Augen.
Die Körper der anderen
haben den deinen bereits vergessen.

Und bei allem, was ich erwarte,
fehlst du nicht.

Ich versammelte den Egoismus,
den Groll, den Stolz.
Wie kann derjenige irren,
der im Tausch gegen das, was er am meisten liebte,
seine Freiheit zurückerhält.”

Benjamín Prado