Wir lassen unsere Hände los, bevor wir unsere Herzen loslassen

· 19. Juli 2017

Wir haben vergessen, unsere Herzen loszulassen, bevor wir unsere Hände losgelassen haben. Wir haben vergessen, wie schwer es ist, uns von der Person zu distanzieren, die wir am meisten lieben. Und zwar ohne sie zu verletzen. Wir haben nicht erkannt, dass wir nicht mehr gemeinsam unterwegs waren, sondern getrennte Wege gingen. Abhängigkeit, Schaden, Verachtung und Monotonie haben uns unseres Besten beraubt und verändert. Und jetzt erkennen wir uns im Spiegel nicht mehr wieder. Wir haben vergessen, uns selbst Raum zu geben, etwas Luft zu bekommen, unsere Zeit allein zu genießen, genauso wie das gemeinsam Erlebte.

Unsere Hände loszulassen scheint wie ein Lebewohl, aber wir haben so oft Lebewohl gesagt, dass unsere Herzen das schon für Routine halten. Unsere Herzen vor unseren Händen zu trennen, zu erkennen, dass wir uns nicht mehr lieben, ist oft leichter, als unsere Herzen schneller schlagen zu lassen, wenn wir zusammen sind. Und jetzt wissen wir nur, wie wir zusammen sein und uns hassen können. Denn unsere Herzen verstehen trotz allem nicht, wie sie getrennt voneinander schlagen können.

„Und wir beide haben verschiedene Wege eingeschlagen, aber wir haben vergessen, unsere Herzen loszulassen, bevor wir unsere Hände losgelassen haben.“

Mario Benedetti

Wir haben vergessen, uns zu lieben

Wir haben vergessen, uns zu lieben und deshalb beschlossen, dass es an der Zeit sei, uns zu trennen. Aber das, was wir mit Worten gesagt haben, hat nicht widergespiegelt, was wir in unseren Seelen gefühlt haben. Und so hat sich der Groll durch meine Organe gefressen und damit begonnen, sie in kleine Stücke zu reißen.

Wir haben vergessen, wir zu sein. Wir sind zu zwei Fremden geworden, die nichts außer Hass verspüren, und alles, was wir jetzt tun, ist, uns gegenseitig zu verletzen. Wir fühlen uns allein, betrogen, leer. Wir wissen nicht, wie wir ohne den anderen an unserer Seite leben können.

Aber vor allem haben wir vergessen, uns zu lieben, und erkennen nun, dass wir uns tatsächlich nicht mehr lieben. Wir lieben die Liebe, die wir uns zwischen uns vorstellen, aber sie ist nicht echt. Sie ist einfach nur eine Illusion, die wir erschaffen haben, während wir mit offenen Augen träumten.

Wir haben angefangen, voneinander abhängig zu sein

Wir haben vergessen, wir selbst zu sein, und damit angefangen, voneinander abhängig zu sein, als ob es kein Leben hinter unseren Umarmungen gäbe. Wir haben Angst bekommen, uns zu widersprechen, und das hat uns zum Schweigen gebracht. Es sollte kein einziges Wort unseren idyllischen Bund zerstören.

Wir haben damit aufgehört, uns selbst zu lieben, sodass wir uns gegenseitig mehr lieben konnten, bis wir uns in einer Beziehung verloren haben, die keinerlei Bedeutung mehr hat. Die Liebe, die ich für dich fühlte, ist zur Angst, dich zu verlieren, geworden. Und die Angst, dich zu verlieren, ist zu einem Hass auf dich geworden, weil ich dich nicht mehr lieben konnte, weil mir meine Identität genommen wurde.

Als wir aufgehört haben, uns zu respektieren, haben wir realisiert, dass unsere Liebe keine Liebe mehr war, sondern eine erstickende Bindung, die uns tatsächlich einfach nur wehtut. Wir haben beschlossen damit aufzuhören, voneinander abhängig zu sein, und unsere Hände loszulassen. Aber es war schon zu spät, denn unsere Herzen haben nicht verstanden, warum es so sehr wehtut, wenn wir nicht beieinander sind. Wir sind immer noch aneinander gebunden. Abhängigkeit hat uns zu Asche werden lassen und wir wissen nicht länger, wie wir das sein können, was wir waren, bevor wir uns begegnet sind.

Wir mussten lernen, wir selbst zu sein

Nach allem, was wir durchgemacht haben, mussten wir wieder lernen, wir selbst zu sein. Wir mussten den Schmerz, den wir aus Angst davor, allein zu sein, geboren haben, akzeptieren.

Wir haben damit begonnen, zu erkennen, dass wir unsere Identitäten unfreiwillig aufgegeben haben und dass allein wir und das Bedürfnis danach, zu jedem Preis an jemanden gebunden zu sein, die Schuld daran tragen. Wir haben das verstanden. Wenn es um die Liebe geht, dann sollten wir nie damit aufhören, wir selbst zu sein, und schließlich sollten wir dazu fähig sein, uns zu verabschieden.