Wir genießen wenig von dem, was wir haben, aber schätzen sehr, was uns fehlt

· 23. Oktober 2018

Eines unserer größten Probleme ist, dass wir wenig von dem genießen, was wir haben, aber allzu sehr schätzen, was uns fehlt. Das, was wir dann vermissen, zu übertreiben, ist eine verbreitete und unrealistische Art, über unsere Situation nachzudenken. Obwohl unsere Ziele aus dem heraus geboren werden, was uns fehlt, ist es ein Irrtum, Bedürfnisse für etwas zu verstärken, das wir gar nicht brauchen.

Manchmal verfallen wir dem Irrtum, dass wir fast alles, was wir nicht haben, bräuchten, und vergessen unsere Verpflichtung dem gegenüber, was wir wirklich genießen könnten – Menschen, Gefühle und Erfahrungen. So verpassen wir viele einmalige Anlässe, weil wir lieber fantasieren als die Realität zu erleben, vielleicht weil unsere Traumwelt leichter zu verarbeiten ist als die Wirklichkeit.

Im Allgemeinen genießen wir wenig von dem, was wir haben; das ist ein Muster, dem einige Menschen lebenslang folgen. Experten auf diesem Gebiet sprechen sogar vom Syndrom des fehlenden Stücks, um auf jene konstante Fixierung auf das hinzuweisen, was wir nicht haben, die manchmal gar an Besessenheit grenzt.

Warte nicht, bis du alles hast, um das Leben zu genießen. Du hast bereits das Leben, um alles zu genießen.

Traurige Frau denkt an die Vergangenheit

Hören wir auf, zu idealisieren und leben

Es ist vernünftig und logisch, ein Ziel zu erreichen und dann an das nächste zu denken. Zum Problem wird es erst, wenn wir zur gleichen Zeit nur wenig von dem genießen, was wir haben. Das ist der Schlüssel: Der gegenwärtige Moment, ob wir ihn nun mögen oder nicht, ist das Einzige, was wir haben, und der Eintritt in ein volles Leben.

Nonkonformismus ist eine dem Menschen innewohnende Tendenz, die aber nicht dazu führen muss, dass unser Leben verbittert wird. Auf der anderen Seite ist Motivation lebensnotwendig und bis zu einem gewissen Grad instinktiv. Nun, das muss kein Nachteil sein, aber wenn wir zu dem chronischen Nonkonformismus die Idealisierung dessen hinzuzufügen, was wir nicht haben, können wir in eine Grube der Unzufriedenheit fallen und uns dort eine parallele Realität erschaffen.

Die Idealisierung spielt uns oft einen Streich. Wir vermissen oder wünschen uns etwas, weil wir glauben, dass es uns besser gehen würde, wenn wir es erreichten. Dabei können wir nicht mit Gewissheit sagen, wie sich unsere Zukunft gestalten wird, bis wir sie erleben. Zu idealisieren heißt, blind einen Wert zuzuordnen, der in der Regel nicht dem tatsächlichen Wert entspricht. Sich all das klar zu machen, ist der erste Schritt, um unseren Alltag zu genießen.

Wir müssen uns dessen bewusst sein, was wir haben, was wir sind, und das genießen, was das Leben uns zu bieten hat. Wir müssen vorsichtig mit dem sein, was wir anstreben und uns wünschen. Es gibt kein perfektes Leben, sondern nur das, das wir uns in den Kopf gesetzt haben. Und dort kommt die Idealisierung dessen ins Spiel, was wir nicht haben, was andere haben und was uns fehlt.

Manchmal hören wir auf, unser Leben zu leben, für etwas, das es nicht mehr gibt. Die Idealisierung ist der erste Schritt zur Desillusionierung.

Die Hölle ist gepflastert mit mangelnder Aufmerksamkeit

Wir genießen wenig von dem, was wir haben, weil wir nicht zuhören. Zu wissen, worauf zu achten ist, ist der erste Schritt zur Beurteilung. Die Beachtung dessen, was wichtig ist, öffnet ein Fenster zum Wohlbefinden, denn wer weiß, wie er das Wenige oder Viele, das ihn umgibt, zu genießen hat, hat die Essenz des Lebens erkannt. Die Würdigung und Wertschätzung des Bestehenden ist von grundlegender Bedeutung, um sowohl unsere Bedürfnisse als auch die der Menschen um uns herum zu befriedigen.

Hand greift nach der Sonne

Nun teilen wir mit dir eine alte Geschichte, die uns den Grund dafür lehrt, warum wir oft auf oberflächliche Vergnügungen fokussiert leben, die wir nicht erreichen können, während wir alles Positive an unserer Existenz vermissen.

In einer englischen Burg galt die Regel, dass die Besucher keine Eintrittsgelder zahlen mussten, und das zog die meisten der Touristen, die in den Ort gekommen waren, an. Einmal auf der Burg, gab es nur eine Bedingung, um nicht zur Kasse gebeten zu werden: Man musste den Besuch mit einem Löffel voller Sand in der Hand zu Ende bringen, und wenn nicht ein Gramm herunterfiel, blieb das Erlebnis ohne Kosten. Die Besucher waren begeistert von der Idee, nahmen die Herausforderung an und begaben sich auf den Rundgang durch die Burg, um das Ende erreichen zu können, ohne ein Gramm Sand zu verlieren.

Dies hatte zur Folge, dass die meisten Besucher nicht den materiellen Eintritt bezahlten, sondern einen viel höheren Preis: Sie konnten sich im Inneren der Burg an nichts erfreuen. Keiner der Besucher, der mit einem Löffel voller Sand zurückkam, hatte das Innere der Festung, ihre wertvollen Gemälde, ihre Architektur bestaunt, denn sie hatten nur auf ihren Löffel geschaut, um nicht den Sand zu verschütten.

Sei nicht wie diese Besucher. Nimm die Augen von dem, was du glaubst, dass du verpasst, und fange heute an, das zu genießen, was du schon hast.