Wir bestehen aus Licht und Schatten

· 23. Mai 2018

Licht und Schatten sind unsere ständigen Begleiter und füllen unser inneres Wesen. Sie sind Teil dessen, wer wir sind und was wir nicht sein wollen. Sie sind, was wir in der Zukunft sein können. Licht und Schatten, das ist der Kampf zwischen dem, was wir erkennen und dem, was wir vermeiden. Was wir in unser Leben lassen, was wir ignorieren und was wir nicht sehen wollen. Und in diesem kleinen, aber komplizierten Balanceakt versuchen wir, unser Leben zu leben, ohne dass uns irgendjemand etwas vorschreibt.

Unsere Intuition sagt uns, dass das Gleichgewicht zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir nicht wissen wollen, schwer zu erreichen ist. Um mit uns selbst leben zu können, müssen wir die Wahrheit akzeptieren können. Wir sind aus Licht und Schatten gemacht. Deshalb wird es immer Teile von uns geben, die wir nicht akzeptieren wollen.

Unser Licht und unsere Schatten kennenlernen

Die dunkleren Seiten unseres Lebens zu akzeptieren, kann schmerzhaft sein, aber zur gleichen Zeit kann es auch Wachstum, Veränderung und Selbstakzeptanz bedeuten. Das heißt, dass wir uns selbst kennenlernen und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln sollten. Nicht alles ist Licht, aber noch leuchten die Lichter in unserem Leben. Manchmal blenden sie uns sogar und die Schatten geben uns die Antworten, nach denen wir suchen.

„Es ist nicht möglich, das Gewissen ohne Schmerzen zu wecken. Die Menschen sind in der Lage, alles zu tun, wie absurd es auch erscheinen mag, um zu vermeiden, dass sie sich ihrer eigenen Seele stellen müssen. Niemand wird erleuchtet, indem er über Lichtgestalten fantasiert, sondern sich seiner dunklen Seite bewusst wird.“

Carl Gustav Jung

Zwei Frauen Rücken an Rücken

Kennst du deine eigenen Schatten?

Carl Gustav Jung definierte unsere Schatten als die Kombination von Frustration, beschämenden oder schmerzhaften Erfahrungen, Ängsten und Unsicherheiten, die in unserem Unterbewusstsein stecken. Diese Schatten enthalten alle negativen Aspekte unserer Persönlichkeit, die unser Ego nicht immer akzeptieren kann. Aus diesem Grund können sie uns tatsächlich davon abhalten, zu leben und unsere wahren Gefühle auszudrücken.

Böses, Egoismus, Neid, Feigheit, Eifersucht, Gier und viele unserer Emotionen und Ängste sind Varianten der Schatten, die in unserem Inneren lauern. Oft werden wir uns ihrer bewusst, wenn sie uns in Konflikte mit anderen Menschen führen. Bei anderen Gelegenheiten zeigen sie sich in Schuldgefühlen oder sogar unerklärlichen Anfällen von Traurigkeit. Am Ende erkennen wir nicht einmal das Bild, das wir anderen vermitteln.

Wir sind von unserer Kindheit an programmiert, unsere Fehler, unsere Verzweiflung und jeden negativen Aspekt unseres Lebens zu verbergen. Wir sind deshalb in der Lage, diese Schatten auf andere zu projizieren, weil wir nicht akzeptieren wollen, dass diese Gefühle, Gedanken oder Ideen zu uns gehören.

Aber es ist menschlich, diese Schatten in uns zu haben, genauso wie wir gleichzeitig unser Licht bewahren. Licht und Schatten gehen Hand in Hand.

„Ein Mann, der wegen seiner Leidenschaften nicht durch die Hölle gegangen ist, hat sie nie überwunden. Soweit wir es erkennen können, besteht der einzige Zweck der menschlichen Existenz darin, ein Licht in die Dunkelheit unseres Seins zu werfen.“

Carl Gustav Jung

Steine balancieren

Bist du jemals von deinem eigenen Licht geblendet worden?

Das Licht, aus dem wir bestehen, die Lichter, die uns umgeben und die von unserem inneren Wesen ausgehen, sind all diese Qualitäten, Tugenden, Emotionen, Verhaltensweisen oder Wünsche, die wir gern anderen zeigen. Wie leicht ist es, sie die ganze Zeit wie eine Maske zu tragen, als wären sie unsere einzige wahre Identität. Wir wollen Helden sein, intelligent, verständnisvoll, gesellig, mutig. Wir wählen aus, wie wir uns anderen in unserem Umfeld vorstellen wollen, damit dieser Eindruck vermittelt wird.

In der heutigen Zeit leuchten die Lichter unserer Persönlichkeit zudem immer mehr durch unser Auftreten in sozialen Netzwerken auf. Wir leben ein zweites Leben, in dem sich die Schatten nicht nur verstecken, sondern gar nicht existieren. Was zunächst wie eine gute Sache erscheint und uns vor dem Elend unseres Lebens schützt, wird tatsächlich zum Epizentrum des Ausdrucks des modernen Narzissmus.

Wir lassen uns von unserem eigenen Licht blenden. Wir sind so besessen davon, zu denken, dass sie die einzige Möglichkeit seien, sich der Außenwelt gegenüber auszudrücken, dass wir aufhören, Mensch zu sein.

Deshalb ist es so wichtig, zu wissen, was unsere Schatten sind. Sie helfen uns, ein inneres Gleichgewicht zu bewahren. Wir sind fehlbar, wir fühlen Eifersucht, Neid oder Schuld, aber wir bauen uns auch wieder auf. Wir sind Menschen und akzeptieren die wahre Realität, und nicht eine fiktive Arbeit, die uns hilft, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln und ein besseres und erfüllteres Leben zu führen.

Verleugne deine Schatten deshalb nicht, sondern akzeptiere sie. Blende dich nicht mit den Lichtern – sondern achte auf dein inneres Gleichgewicht.