Wir ärgern uns, wenn wir die Beherrschung verlieren

· 7. Juni 2017

Es ist nicht unbedingt etwas Negatives, sich zu ärgern. Wie alle anderen Emotionen hat auch Ärger einen Zweck zu erfüllen. Allerdings liegen kontrollierter Ärger und rasende Wut eng beieinander. In diesem Artikel geht es um diesen zweiten, eher negativen Aspekt: Hier zeigen wir uns von unserer dunkelsten Seite. So betrachtet reagieren wir, wenn wir uns ärgern, aus unserem freien Willen heraus auf eine Provokation von außen – und könnten diese Reaktion demnach auch vermeiden. Niemand ärgert uns – wir ärgern uns.

Ärger, der sich in Wut verwandelt, bringt uns durcheinander

Ärger ist dann nicht mehr positiv, wenn er aufgrund eines Kontrollverlusts toxisch wird. Das Problem beginnt, wenn du die Kontrolle verlierst und sie dem Ärger überlässt: Das Gefühl nimmt uns ein und vernebelt unseren Verstand.

Es kann unseren Verstand so stark vernebeln, dass es durchaus vorkommen kann, dass wir im Gespräch die Beherrschung verlieren und uns völlig gehen lassen. Letztendlich vergessen wir sogar oft, was unsere Verstimmung überhaupt ausgelöst hatte. Ärger und Wut beginnen, unsere Emotionen zu bestimmen und dadurch begehen wir leicht Fehler.

„Ärger ist eine sehr intensive Emotion, die unser Gehirn geißelt. Wenn wir dem Ärger in die Falle gehen, sorgt er teils für eine so starke Neuordnung unseres Gedächtnisses, dass wir sogar mitten in einem Streitgespräch vergessen können, wodurch dieses ausgelöst wurde.“

Daniel Goleman

Hierbei handelt es sich um Fehler, die bedeuten, dass wir es hinterher bereuen, mehr gesagt zu haben als beabsichtigt, und noch dazu nicht auf die richtige Art. Dass wir uns aufgrund unserer Arroganz und Selbstsucht von anderen entfernen, nicht zuhören und auf uns selbst fixiert sind. Wir finden uns wegen unserem Ärger schließlich in einer Lage wieder, ohne zu wissen, wie wir dort hingekommen sind und warum, in einer Position, in die wir gar nicht geraten wollten.

Vertraue darauf, dass es einen anderen Weg gibt

Was machen wir dann? Diese Frage kommt auf, wenn wir uns darüber bewusst werden, wie schwierig es ist, die negative Seite von Ärger zu neutralisieren. Wir müssen darauf vertrauen, dass es eine Alternative gibt, Begebenheiten zu verstehen. Aufgrund bestimmter Umstände – wie etwa permanentem Stress – haben wir regelmäßig Grund, uns zu ärgern. Eine Möglichkeit ist es dann, nach Hilfsmitteln zu suchen, die uns psychisch und emotional auf einen Konflikt vorbereiten.

Die Hauptsache ist, zu wissen, dass irgendwann etwas geschehen kann, das uns verändert. Wir sollten das als eine Möglichkeit hinnehmen. Streit wird es immer geben, genau wie dieses Gefühl der Gereiztheit, das in uns aufkommt, wenn wir in Streit verwickelt werden.

„Vertraue nicht darauf, dass kein Feind auftauchen wird. Vertraue darauf, dass du auf ihn wartest. Vertraue nicht darauf, dass er dich nicht angreifen wird. Vertraue darauf, dass du unangreifbar sein kannst.“

Matilde Asensi

Trotz allem, unsere wunden Punkte zu kennen, wird uns dabei helfen, mit ihnen umzugehen, wenn es notwendig wird. Es kann uns helfen, darüber zu schreiben, unseren Frust mithilfe von Techniken wie Yoga abzubauen oder indem wir eine positivere Perspektive auf die Welt entwickeln, in welcher der Hauptdarsteller Humor heißt.

Der paradoxe Kontrollverlust des Kontrollierbaren

Wie oben beschrieben ist ein Konflikt mit einer anderen Person geprägt von Aktion und Reaktion und es ist schwierig, nicht die Beherrschung zu verlieren. So gesehen kann man sagen, dass wir zwar alle Herr unserer Emotionen und Einstellungen sind, es uns aber paradoxerweise nicht gelingt, sie zu kontrollieren.

Auf der einen Seite scheint es Menschen zu geben, die eher dazu neigen, sich über andere zu ärgern. Sie regen sich mehr auf als die meisten anderen – sie schreien, zeigen ihre schlechte Laune und beleidigen andere regelmäßig. Auf der anderen Seite werden durch Ärger häufig andere negative Gefühle ausgedrückt, die in unserer Gesellschaft als noch schlimmer betrachtet werden, so wie Eifersucht und Neid.

„Es ist Ironie, dass eines der wenigen Dinge im Leben, über das wir völlige Kontrolle haben, unser Verhalten ist, und doch die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang handeln, als ob sie überhaupt keinen Einfluss auf dieses hätten.“

Jim Rohn

Jeder begeht Fehler: Ärger ist Teil unserer menschlichen Natur, aber es tut uns gut, die Kontrolle zu bewahren, so dass wir selbst Herr unseres Verhaltens bleiben. Zusammengefasst ist es das Beste, den Ärger und seine Freunde, Produkte der Frustration, zu vermeiden.