Wieso gibt es so viele Singles wie noch nie?

· 31. Juli 2018

Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Singles es gibt, aber es gibt Studien, die uns eine neue Realität aufzeigen: Noch nie zuvor gab es, zumindest in der westlichen Welt, so viele Singles. Unabhängige Forschungen schätzen, dass jeder vierte Erwachsene, der älter als 50 Jahre ist, noch nie verheiratet war. Es gibt Orte, an denen diese Zahl sogar noch höher ist. In New York beispielsweise lebt jeder zweite Erwachsene allein.

Aber wieso ist das so? Das ist nicht leicht zu erklären. Dieses Phänomen ist so neu, dass es noch keine endgültigen Schlussfolgerungen gibt. Andererseits existieren verschiedene Theorien darüber, die eine Erklärung für diese Realität liefern könnten. So wie auch viele alltägliche Aussagen von Menschen, die ganz ehrlich sagen, dass eine feste Partnerschaft oder eine Ehe nichts für sie sei. Sie seien eine Last, die sie sich nicht aufbürden wollen würden.

„Ich will niemanden, der mir sagt, dass immer alles gut werden würde. Ich bevorzuge jemanden, der mir in die Augen sieht und sagt: ‚Alles geht schief, aber ich bleibe bei dir.’“

Yoha Navarrete

Gleichzeitig wächst das emotionale Unbehagen in der Welt, so wie auch immer mehr Menschen an Depressionen und psychischen Störungen aller Art leiden. Für diejenigen, die keinen biologischen Ansatz verfolgen – das bedeutet, für diejenigen, die nicht für alles die Gene verantwortlich machen -, ist das aktuelle Weltgeschehen eng mit geschwächten oder dysfunktionalen affektiven Bindungen verbunden. Vielleicht folgt die Tatsache, dass es immer mehr Singles gibt, ebenfalls dieser Logik.

Frau sitzt im Wald und schaut in den Himmel

Singles und Einzelgänger

Es gibt viele Singles, die ein gutes und glückliches Leben führen. Das sind Fälle, in denen das Alleinsein kein Synonym für Einsamkeit oder Isolierung ist. Für gewöhnlich trifft das auf Menschen zu, die sich bewusst dazu entschieden haben, nicht in einer Partnerschaft zu leben. In der Regel haben sie darüber hinaus andere Interessen, die ihr Leben erfüllen.

Die Entscheidung, Single zu bleiben, wird fast immer von dem Wunsch angetrieben, all seine Energie in ein oder mehrere Projekte, wie beispielsweise die Arbeit, zu stecken. Diese Menschen gehen leidenschaftlich gern ihrer Arbeit nach und möchten ihr nicht weniger Zeit widmen, um den Erwartungen einer Familie gerecht zu werden. Trotzdem haben sie normalerweise ein starkes soziales Umfeld, das von Freunden und Familienmitgliedern gebildet wird.

Einzelgänger hingegen wissen nicht genau, warum sie keine stabile Partnerschaft haben, in der sie leben. Oft ist die Antwort darauf, dass sie noch nicht den richtigen Partner gefunden haben. Jedoch fühlen sie sich auch nicht vollkommen wohl damit, allein zu leben. Häufig führen sie ein routiniertes Leben und oft überkommen sie Gefühle wie Teilnahmslosigkeit oder Traurigkeit.

Es gibt aber auch andere Arten von Einzelgängern. Hierbei handelt es sich um jene Menschen, die sehr oft ihren Partner wechseln, ohne lange mit einem zusammen gewesen zu sein. Sie leben im Hier und Jetzt, wie eine ewige Jugend, bei der die Zukunft nicht interessiert.

Gründe für das Single-Dasein

Soziologen haben verschiedene Theorien, um diese enorme Anzahl an Singles zu erklären. Manche gehen davon aus, dass es an einem Umfeld liege, das eine egozentrische Haltung so sehr wie noch nie zuvor fördere. Das Individuum wäre zum Mittelpunkt von allem geworden. Die größte Sorge vieler Menschen sei ihr eigenes Ich. Bei diesem Schema gebe es keinen Platz für irgendjemand anderen. Deshalb würden sie die Gefühle und Bedürfnisse eines anderen Menschen nicht so sehr interessieren.

Paar steht sich unter Wasser gegenüber

Auch ist der Gedanke aufgekommen, dass hier das sogenannte Auswahl-Paradoxon greift. Dieses Paradoxon lässt sich folgendermaßen erklären: Zuvor war die potenzielle Anzahl von Personen, die man kennenlernen konnte, begrenzt. Das Internet hat es möglich gemacht, dass die Anzahl an Verbindungen in der virtuellen Welt nahezu unbegrenzt ist. Ebenso ist die potenzielle Anzahl von Partnern unzählbar. Daraus resultiert, dass die Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt wird.

Wenn sich ein Mensch schließlich für etwas entscheidet, hat er immer das Gefühl, dass er etwas anderes verliere. Und er hat dieses Gefühl, weil er immer andere Möglichkeiten haben wird, die er mit seiner „Wahl“ vergleichen kann. Der Mensch neigt dazu, sich nach dem zu sehnen, was er nicht hat, anstatt zu schätzen, was er hat.

Das Single-Dasein im Vergleich zu einer Beziehung

Es scheint, als hätten heutzutage viele Menschen vergessen, dass eine Beziehung mehr ist als sich einfach nur zu daten oder miteinander zu schlafen. Gespräche, Kompromisse, Konflikte und Erfahrungen machen aus einer Partnerschaft erst das, was sie ist.

Aus diesem Grund bedeutet eine Beziehung Arbeit, genauso wie Toleranz, Großzügigkeit und Geduld. Gleichzeitig aber auch Verzicht. Genau das wollen aber einige Singles nicht: Eine Beziehung, die nun mal Arbeit bedeutet, oder in ihrer emotionalen Welt Platz für die Bedürfnisse eines anderen Menschen schaffen.

Mann sitzt allein an einem Fenster

Eine nicht selbst gewählte Einsamkeit ist niemals eine gute Option. Es gibt Studien, die belegen, dass das sogar Schmerzen in unserem Körper auslösen kann. In diesen Fällen müsste man darüber nachdenken, ob man vielleicht noch nicht den richtigen Partner gefunden hat oder ob man selbst noch nicht bereit dazu ist, mit einem anderen Menschen eine Partnerschaft einzugehen. Diese Fragen sollten wir uns auf jeden Fall stellen.