Wie wir unser emotionales Haus lüften können

11. April 2017 en Psychologie 242 Geteilt

Mit uns wird in unserem Inneren ein emotionales Haus geboren. Ein Ort, an dem unsere Grundgefühle hausen, die für unser Überleben unabdingbar sind: Angst, Wut, Traurigkeit, Freude und Ekel. Um jedes Haus muss sich gekümmert und es muss gelüftet werden, und unser emotionales Haus muss ebenfalls offene Türen und Fenster haben, um Luft hinein zu lassen. Es muss aufnahmefähig sein, weil noch mehr als nur die Grundgefühle in ihm ein- und ausgehen und uns etwas lehren.

„Andere zu kennen, ist der Inbegriff von Weisheit. Sich selbst zu kennen, ist der Inbegriff von Erleuchtung.“

Lao Tse

Aber was passiert, wenn eines dieser Gefühle nicht mehr verschwindet, es sich in unserem emotionalen Haus bequem gemacht hat und nicht mehr gehen will? Wenn irgendein Gefühl bleibt, dann sehr wahrscheinlich deshalb, weil wir es nicht gehen lassen. Es blockiert uns, bringt uns aus dem Gleichgewicht, wir sind deshalb unglücklich und das gefährdet unsere emotionale Gesundheit.

„Wer emotional blockiert ist, kann nicht lernen. Daher ist es notwendig, mit den eigenen Gefühlen umzugehen, ein gutes Selbstwertgefühl und gute soziale Beziehungen zu haben.“

Daniel Goleman

Gefühle, die in dein emotionales Haus eintreten und es wieder verlassen

Zu diesem Zeitpunkt in deinem Leben bist du dafür verantwortlich, was in deinem emotionalen Haus vor sich geht. Es ist wichtig, dass du die Gefühle, die darin wohnen, kennst; weißt, welche Gefühle kommen und gehen; in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen und wie sie dich zum Handeln bewegen. Die Natur der Gefühle, die in dein emotionales Haus eintreten, bestimmen jene, die bei dir neu entstehen,und die zur Folge haben, wie du dich verhältst.

Von Natur aus fließen Gefühle. Du fühlst sie, identifiziert sie, nimmst sie an und erlaubst ihnen, dass sie auch wieder verschwinden. Ganz gleich, ob es schöne oder unschöne Gefühle sind, sobald du sie verspürt hast, musst du sie auch wieder gehen lassen.

Unser emotionales Haus lüften

Die Räume unseres emotionalen Hauses zu lüften, bedeutet auch, ein Gefühl gehen zu lassen, das eingesperrt oder gefangen ist. Wenn du dir beispielsweise nicht erlaubst, Wut zu verspüren und sie in deinem Inneren einsperrst, wird sie nur größer werden. Eine Wut, aus der Zorn, Groll oder Hass wird, wenn du dich nicht mit ihr auseinandersetzt. Wenn du unschöne Gefühle wie Neid, Groll oder Eifersucht in ein Zimmer einsperrst, werden sie dir und deinen Mitmenschen früher oder später schaden, denn irgendwann werden sie herauskommen und dich negativ beeinträchtigen.

Die Fenster zu öffnen, um neuen Gefühlen Zutritt zu gewähren, ist ebenfalls Teil des dynamischen Verlaufs des Lebens. Falls du dir nicht erlaubst, etwas zu genießen oder Liebe zu empfinden, da du noch an einen alten Schmerz gebunden bist, verweigerst du Gefühlen den Zutritt, die für den Moment der Gegenwart nützlicher sind als in der Vergangenheit zu schwelgen.

Du kannst nicht davor fliehen, Gefühle zu verspüren. Auch wenn es sich um für dich unangenehme Gefühle handelt, so sind sie doch wichtig und notwendig, damit du etwas aus einer Situation lernst. Dank ihnen kannst du dein Leben neu ordnen.

Gefühle verstehen

Jedes Gefühl zeigt uns etwas und dient unserer emotionalen Orientierung. Gefühle bringen uns etwas darüber bei, wie wir uns mit uns selbst, mit anderen und mit unseren Plänen im Leben verbinden. Wenn wir sie ausfindig machen, geben wir ihnen einen Namen, wir akzeptieren sie und lassen sie gehen, wir verstehen sie mit der Zeit und lernen angemessen mit ihnen umzugehen. So blockiert uns auch kein einziges dieser Gefühle.

Wenn du intelligent mit ihnen umgehst, sind sie angenehm. Wenn du gegen das Leben arbeitest, sind sie unangenehm und erzeugen bei dir Leid.

  • Das Gefühl der Enttäuschung beschreibt das Wissen darüber, dass etwas, an das wir geglaubt haben, nicht der Wahrheit entspricht. Und es zeigt dir, dass nicht alles kommt, wie du es dir gedacht oder gewünscht hast, ohne dir zwingend die Lust am Leben zu nehmen. Es hilft dir, etwas zu lernen.
  • Intensiver oder permanenter Neid oder Eifersucht erschweren unsere sozialen Beziehungen. Sie können angemessene Gefühle sein, sind es aber nicht länger, sobald sie zur Folge haben, dass wir uns nicht mehr für andere freuen können.
  • Traurigkeit zeigt dir, dass du unter einem schmerzlichen Verlust leidest, mit dem du umgehen musst. Du musst dir dessen bewusst sein und lernen, auf irgendeine Weise damit zu leben.
  • Wut gibt dir Aufschluss darüber, dass etwas oder jemand ein Hindernis darstellt, das es zu überwinden gilt.
  • Ekel oder Abneigung verdeutlichen dir, dass du von etwas Abstand nehmen solltest, das für dich ungesund ist.
  • Angst führt dir eine Gefahr vor Augen und bewegt dich dazu, dich zu beschützen oder zu verteidigen.
  • Freude bringt dich dazu, eine angenehme Situation zu wiederholen.

Wir können also sagen, dass uns jedes einzelne Gefühl Aufschluss über etwas gibt, uns auf bestimmte Art und Weise fühlen lässt, und wir lernen müssen, mit ihm umzugehen.

Dankbarkeit beschreibt die Fähigkeit, im Alltäglichen ein Geschenk zu sehen: im Lächeln eines Freundes, in einem Lied, in einem Essen etc.

Gefühle teilen

Es ist der Umgang mit unseren Gefühlen, der diese in etwas für uns Positives oder Negatives verwandelt. Wir können auf jeden Fall sagen, dass jedes Gefühl nützlich ist, auch wenn manche angenehmer als andere sind. Sowohl unschöne als auch schöne Gefühle tun uns noch besser oder schaden uns weniger, wenn wir sie teilen. Eine gute Unterstützung aus dem sozialen Umfeld dient uns, um unangenehme Gefühle zu relativieren und freudige zu teilen und andere mit unserem Glück anzustecken.

Wenn du fühlst, dass du in einer Gefühlslage feststeckst, schon zu lange traurig oder verärgert bist, oder wenn du denkst, dass deine sozialen Beziehungen nicht zufriedenstellend sind, weil du dich nicht an ihnen erfreuen kannst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, den Umgang mit deinen Gefühlen zu verbessern. Vielleicht fällt es dir schwer, deine Gefühle zum Ausdruck zu bringen und dem Grenzen zu setzen, was deine Gefühlslage hervorgerufen hat. Doch wenn dem nicht so ist, liegt es an dir, deine Gefühle richtig zu konfrontieren, damit dein Herz dieses emotionale Haus sein kann, in das Gefühle eintreten und es auch wieder verlassen können, wenn es an der Zeit dafür ist.

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