Wie wir die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand nehmen

· 21. November 2018

Hast du Die Verwandlung  von Kafka gelesen? In dieser Erzählung wachte eines Morgens ein Junge auf und war zu einer Art Kakerlake geworden. Eine gruselige Vorstellung. Dennoch wünschen wir uns, dass es umgekehrt passiert und wir eines Morgens aufwachen und alle unsere Probleme verschwunden sind. Das wäre doch super! Dieser Gedanke ist jedoch wenig funktional. Deshalb sollten wir am besten die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand nehmen.

„Eines Tages wird sich alles ändern und besser werden“, „Du wirst sehen, dass alles gut wird“  etc. – Wie oft haben wir solche Sätze wohl schon nachgesagt? Aus irgendeinem seltsamen Grund neigen wir dazu, zu denken, dass ein äußerer Faktor alsbald eine Veränderung bewirken würde, wenn es das Leben gerade nicht gut mit uns meine. Plötzlich sollte etwas die Richtung der Ereignisse ändern und alles würde besser werden. Es scheint so, als wären wir davon überzeugt, dass all unsere Probleme wie durch Zauberhand gelöst werden könnten. Allerdings funktioniert das Leben nicht auf diese Weise.

Dazu habe ich eine wichtige Botschaft für dich: Dein Leben hängt von dir ab.

„Glück ist nichts Erfundenes. Es entsteht durch deine eigenen Handlungen.“

Dalai Lama

Ein kleines großes Geheimnis

Ein weiteres kleines großes Geheimnis ist, dass sich Probleme im Leben nicht von allein lösen. Wenn wir die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand nehmen wollen, müssen wir etwas dafür tun. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die die Beziehung mit ihrem Partner beenden oder eine unangenehme Situation hinter sich lassen wollen, aber nicht dazu in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Ich kenne auch viele Menschen, die sich immer wieder darüber beschweren, dass bei ihnen alles schief laufe. Leider sind sie aber unfähig, zu erkennen, welche Rolle sie in diesem Spiel spielen. In der Erzählung von Kafka scheint alles von Magie gelenkt zu sein, aber die Realität sieht anders aus.

Wenn sich solche Situationen häufen, mag das Konzept der Viktimisierung zutreffen, nach dem wir zur Annahme neigen, dass wir bei allem, was um uns herum passiert, das Opfer wären. Wir sind uns nicht darüber bewusst, welche Macht wir besitzen und beschuldigen die Ereignisse in unserem Umfeld dafür, dass es uns so schlecht gehe und wir so ein Pech haben. Das ist zweifellos eine der Haltungen, die uns am meisten schaden, wenn wir sie einnehmen.

Wenn wir uns immer wieder beschweren, indem wir Sätze sagen wie „Immer gerate ich in solche Katastrophen“  oder wir ähnliche Ausdrücke wiederholen, als wären sie Mantras, die wir uns jedes Mal vorsagen, wenn etwas Negatives passiert, erreichen wir damit nur, dass wir irgendwann diese falschen Glaubenssätze als Wahrheiten annehmen. Außerdem nehmen wir dadurch eine passive Rolle in unserem Leben ein, was heißt, dass wir zu Menschen werden, die unfähig sind, zu handeln. Wir alle erleben verschiedene Situationen, manchmal sind das gute, manchmal schlechte und manchmal häufen sich sogar unglückliche oder schöne Ereignisse, eines nach dem anderen.

Mann steht vor einem unruhigen Meer

Ein Großteil des Lebens hängt davon ab, wie wir uns entscheiden, damit umzugehen, auch wenn uns das Leben noch so sehr zusetzt. Es gibt Menschen, die angesichts der Widrigkeiten des Lebens immer ein breites Lächeln im Gesicht haben, und es gibt Menschen, die nur Sätze voller Negativität und feindseliger Äußerungen für sich selbst, andere und für einfach alles um sie herum übrig haben. Aber das Beste daran ist, auch wenn es sich nach einer Lüge anhört, du hast die Wahl. Du hast die Macht, dich dafür zu entscheiden, dein Leben mit Gelassenheit zu leben, komme was wolle, oder es sehr ängstlich und frustriert zu leben.

Eine Veränderung ist Willkommen

Im Buddhismus gibt es einen Begriff, dessen Beschreibung Hunderte von Seiten füllen könnte, der aber an vielen Stellen das Gesetz von Ursache und Wirkung widerspiegelt, oder, anders ausgedrückt, das Karma. Das Karma besagt, dass wir süße Früchte ernten werden, wenn wir einen gesunden Samen pflanzen.

Und was hat das mit der Veränderung in unserem Leben zu tun? Das ist ganz einfach. Wer eine Veränderung will, muss handeln. Es wird kein äußerer Faktor kommen, um uns zu retten. Die ganze Energie, die wir aufbringen, um von einem besseren Leben zu träumen, können wir in den Beginn einer neuen Reise investieren, in die Kontrolle über unser Leben. Denn unser Weg hängt nur von uns ab und von niemand anderem sonst. Sobald wir also den Samen der Veränderung säen, nähern wir uns dem Wandel.

Jede Veränderung kostet also etwas. Sie erfordert einen Aufwand, und nicht jeder ist dazu bereit, das auch in die Tat umzusetzen. Wir können nicht unser Leben verändern wollen und an absolut allem festhalten. Viele Jahre lang haben wir auf eine sehr bestimmte Art gehandelt, und das hinterlässt bei jedem von uns stark ausgeprägte Verhaltensmuster. Was bedeutet das? Dass wir oft versuchen, Probleme auf eine althergebrachte Weise zu lösen, auch wenn wir bemerken, dass das nicht der beste Weg ist.

Hattest du früher Klassenkameraden, die, obwohl sie den ganzen Tag gelernt haben, schlechte Noten schrieben? Die überwiegende Mehrheit von uns kennt Fälle von Menschen, die trotz schlechter Ergebnisse an den gleichen Methoden festhalten. Sie sind davon überzeugt, dass sie sich nicht genug angestrengt hätten, aber das grundlegende Problem ist häufig ein anderes. Wenn man viel lernt und trotzdem scheitert, was könnte aber das Problem sein? Die Lernmethode. Und genau daran müssen wir arbeiten, um den Ansatz und die Methode zu ändern, mit der wir unsere Ziele erreichen wollen.

Die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen steht für Handeln, Anstrengung und Bewusstsein.

Die ersten Schritte, um die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen

Der erste Schritt, um die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen, besteht darin, zu hinterfragen, was wir ändern wollen: Welche Aspekte unseres Lebens möchten wir verbessern? Es ist sehr wichtig, ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir neigen zur Selbsttäuschung, zur Selbstsabotage, um unsere Fehler nicht erkennen oder nicht an dem zu arbeiten zu müssen, was Sand ins Getriebe streut. Aber genau das ist unser Fehler. Aufrichtigkeit ist wichtig. Außerdem müssen wir in unserem Inneren daran arbeiten, deswegen müssen wir das auch niemandem mitteilen. Wovor schämen wir uns also?

Frau blickt nachdenklich nach unten

Der zweite Schritt besteht darin, uns anzusehen, was wir bisher getan haben, damit alles beim Alten bleibt. Was waren unsere Strategien? Warum handeln wir immer auf die gleiche Weise? Wieso hat sich der Aspekt, bei dem wir uns einen Wandel wünschen, nicht geändert? Wir müssen feststellen, ob wir dazu neigen, immer wieder dieselben Strategien anzuwenden. Wenn das der Fall ist, ist es an der Zeit, etwas zu ändern.

Der dritte Schritt, um die Zügel unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen – der fast wichtiger als die vorherigen Schritte ist – ist die Überwindung der Angst. Angst ist ein äußerst notwendiges Grundgefühl, das uns in gefährlichen Momenten das Leben retten kann. Aber wenn sie sich auf den Alltag ausdehnt, beginnt sie, ein Problem darzustellen. Diese Emotion neigt dazu, uns zu lähmen und uns in unserer Komfortzone gefangen zu halten. Wir haben es lieber weiterhin schwer, als uns mit etwas Neuem zu beschäftigen, nur weil wir Angst davor haben, was passieren könnte, oder weil wir bestimmte Aspekte unseres Lebens hinter uns lassen müssten, was uns ebenfalls Unwohlsein bereitet.

Was hältst du davon, wenn du, anstatt auf der Couch zu sitzen und darauf zu warten, dass sich dein Leben wandelt, aufstehst und die Veränderung selbst in die Hand nimmst? Habe Vertrauen in dich. Ich versichere dir, du wirst langsam, aber sicher Ergebnisse sehen, die du nie für möglich gehalten hättest. Wie ein berühmtes Sprichwort sagt: Um tausend Kilometer zurückzulegen, muss man den ersten Schritt gehen.