Wie unser Schweigen zu unserem Verbündeten werden kann

· 1. November 2016

Wir glauben für gewöhnlich, dass wir im Recht sind, wenn sich unser Gesprächspartner bei einem Streit in Schweigen hüllt, aber durch dieses Schweigen bekommen wir die Möglichkeit, über unser Gesagtes nachzudenken und uns zuzuhören, vor allen Dingen, wenn unser Monolog voller Vorwürfe ist. Du solltest stets daran denken, dass derjenige, der schweigt, nicht immer zustimmt, sondern uns manchmal mit seiner Stille den Schmerz vor Augen führt, den unsere Worte bei ihm auslösen, wenn sie bei einer Auseinandersetzung unkontrolliert über unsere Lippen kommen.

Schweigen und zuzuhören sollten keine vermeintlichen Zeichen von Schwäche sein, sondern von Intelligenz, Respekt und Verständnis für den anderen zeugen. Denn wenn wir alle schreien, hört niemand zu und niemand lernt etwas. Sobald wir alle unser Wort erheben, verlieren wir unsere Vernunft und die Wörter fliegen nur wahllos umher, ohne Gehör zu finden, und dadurch verlieren sie ihren gesamten Sinn. Oder was noch schlimmer ist: Sie werden zu sinnlosen Projektilen voller Kritik, die nichts weiter tun, als zu verletzen.

„Der Weg zu allen großartigen Dingen führt über das Schweigen.“

Friedrich Nietzsche

Wir sind die Sklaven unserer Worte

Oftmals werden Worte nicht einfach vom Wind hinfortgeweht, vielmehr werden sie zu Dolchstichen, die denjenigen, der sie hört, mitten ins Herz treffen. Versuche nicht, ein Pflaster auf ein verletztes Herz zu kleben, das wegen deiner Worte blutet. Schweige lieber, bevor es zu spät ist. Denke über das, was du sagen willst, nach und versetze dich in die Lage des anderen.

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Wenn sich Streitigkeiten immer um ein und dasselbe Thema drehen, ohne zu einer Übereinkunft zu kommen, wird daraus häufig die sogenannte „emotionale Eskalation“. Bei dieser Eskalation werden stets dieselben Vorwürfe gemacht, um unserer Wut Luft zu machen, ohne aber den Standpunkt des Gegenübers hören zu wollen. Die Stimme, mit der der „Widersacher“ sich konfrontiert sieht, wird immer lauter, dieser antwortet auf die gleiche Art und Weise und es wird unmöglich, effizient zu kommunizieren.

Denke daran, dass es sehr schwierig wird, mit gleichen, sich wiederholenden Worten etwas anderes zu sagen. Das passiert, weil sie immer wieder die gleiche Botschaft übermitteln und du dich die ganze Zeit auf dieselbe Weise ausdrückst. Wenn du das tust, ist das ein Zeichen dafür, dass du nicht zuhörst und dass deine Worte ignorieren, was der andere sagt.

Sobald jemand schweigt, hört er zu, aber ist keinesfalls unterwürfig, sondern denkt nach und versucht, mitfühlend zu sein. Dadurch kann sich die Kommunikation verbessern. Damit dir das gelingt, kann dein Schweigen ein großartiger Verbündeter sein. Vergiss nicht, dass ein guter Gesprächsführer sein Schweigen benutzt, um zu sehen, worin er sich geirrt hat und wie er das mit seiner nächsten Antwort verbessern kann.

„Schweigen ist der lauteste Lärm, vielleicht sogar der lauteste Lärm überhaupt.“

Miles Davis

Wenn wir schweigen, bekommen die Worte den Wert, den sie verdienen

Nach dem Schweigen, und wenn dieses nicht falsch verstanden wird, kehrt normalerweise Ruhe ein. Es gab Zeit, um in sich zu gehen und man hat sich auf die Suche nach einem Punkt gemacht, an dem man sich mit dem anderen trifft und sich darüber austauscht, was einen stört. Dann haben wir verstanden, dass unser Standpunkt nicht der gleiche ist wie der unseres Gesprächspartners und dass wir nicht das Gleiche fühlen, weil wir nicht die gleiche Person sind.

Dafür sollten wir uns auf die bestmögliche Art und Weise erklären und unsere Emotionen zum Ausdruck bringen, ohne den anderen zu verletzen. Ein sehr nützliches Werkzeug hierfür sind die sogenannten Ich-Nachrichten.

Die Ich-Nachrichten beinhalten keine Vorwürfe, sondern teilen dem anderen mit, was wir – „ich“ – fühlen, denken, meinen oder wünschen. Somit vermeiden wir Schuldgefühle beim anderen und sagen ihm dennoch, wie wir empfinden.

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Ein Beispiel für diese Nachrichten wäre: „Ich denke/ich fühle/ich glaube, dass…“  Anstatt zu sagen: „Weil du das oder jenes getan/gesagt/bei mir ausgelöst hast…“  Diese Nachrichten beinhalten vollständige Gespräche. Das heißt: Wir können damit beginnen, die Situation oder das, was unser Gegenüber tut, zu beschreiben, ohne zu werten. Daraufhin sprechen wir eine Ich-Nachricht aus und beenden das Ganze mit einem  Vorschlag zu einer möglichen Alternative im Hinblick auf das Geschehene.

Ein gesamtes Beispiel hierfür wäre folgendes:

  • Beschreibung der Situation: „Gestern Abend, als wir mit unseren Freunden bei uns zu Hause zu Abend gegessen haben, hast du mir nicht geholfen, den Tisch zu decken.“  So formuliert ist das ein Vorwurf.
  • Ich-Nachricht: „Ich habe mich dadurch gefühlt, als wäre ich deine Dienstmagd, deine Kellnerin, anstatt deine Ehefrau.“
  • Alternativvorschlag in Bezug auf das Ereignis: „Ich hätte es schön gefunden, wenn du mit mir zusammen den Tisch gedeckt und dann die Teller wieder weggeräumt hättest.“

Um ein Gespräch dieser Art zu führen, müssen wir unsere Gewohnheiten ändern. Zuzuhören, im Stillen einen Moment lang nachzudenken und eine Antwort zu geben, ist nichts, dass wir einfach so anwenden können, das muss geübt werden.

Es ist normal, dass es uns am Anfang nicht gelingt oder wir uns zu Beginn etwas schusselig dabei fühlen, wenn wir doch unser ganzes Leben lang anders kommuniziert haben. Uns kann sogar das Gefühl überkommen, dass wir einen Teil unserer Macht verlieren, doch auf lange Sicht gesehen wird es uns dabei helfen, offenere und gesündere Beziehungen aufzubauen.