Wie man sich Menschen mit Autismus gegenüber verhalten sollte

· 20. Januar 2018

Dies ist ein Blogbeitrag über Autismus, eine Kondition, die tausende Familien betrifft. Es geht um die Angst vor dem Unbekannten. Die Ablehnung der Gesellschaft. Dieses Rätsel des Autismus. Den Schmerz von unzähligen Müttern und Vätern auf der ganzen Welt.

Aber vor allem geht es um den Schmerz, das Missverständnis und die Verlassenheit eines Kindes. Es geht darum, was unwiederbringlich verloren ist, es geht um die Notwendigkeit, umzukehren und unsere Einstellungen zu überdenken. Es geht um die Inklusion, von der Wiege bis zur Bahre.

Dies ist ein Beitrag, den die Mutter eines Kindes mit Autismus auf ihrer Facebook-Seite „Mein Junge blau“ geschrieben hat. Darin identifiziert sie das Kind mit der Farbe blau, der Farbe, die wir mit Autismus assoziieren, um die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. Warum ist es sie zu einem Symbol geworden? Weil sie darstellt, was Menschen und Familien mit Autismus jeden Tag erleben: Leuchtend blau ist der Ozean an einem Sommertag und dunkelblau ist das stürmische Wasser. Es ist eine visuelle Darstellung der Herausforderungen, die mit der Diagnose von Autismus einhergehen.

„Mein Junge blau“ lässt uns alle reflektieren

„Als ich diese Seite kreierte, versprach ich mir, dass ich dieses Jahr Menschen dazu bringen würde, Autismus zu verstehen. Jedes Jahr machen die Leute ihre Ziele oder Wünsche für das Jahr aus. Mein Hauptwunsch für dieses Jahr ist es, die ‚Verurteilenden‘ zum Verstehen zu bringen.

Wenn du herausfindest, dass du Mutter wirst, träumst du davon, dein kleines Baby zum ersten Mal zu halten, du träumst davon, es anzukleiden, es zu zeigen und von jeder seiner Bewegungen fasziniert zu sein. Du träumst von seinem ersten Wort, vom ersten Mal, das es in die Hände klatscht, das es auf Wiedersehen winkt und natürlich von seinen ersten Schritten. Von allen diese ,normalen‘ Dingen.

Nun, in meinem Haus sind diese Dinge weit davon entfernt, normal zu sein. Ja, wir hatten einige von ihnen, aber sie sind verschwunden. Worte gingen verloren, Meilensteine wurden nicht erreicht und viele Tränen wurden auf dem Weg geweint. Das ist nicht ,Faulheit‘ seinerseits. Es ist nicht so, dass er stur sei, und es ist sicherlich nicht so, dass er bewusst so handele. Mein kleiner Junge ist genau wie dein Kind: Er liebt es, zu tanzen, er liebt es, gekuschelt zu werden, er weint, wenn er fällt, und er liebt Mickey Maus. Er ist jedoch ,anders verdrahtet‘.

Junge mit Autismus

Die kleinen Dinge, die wir für selbstverständlich halten, sind die schwierigsten Dinge, die er bewältigen kann. Lichter, Geräusche, Gerüche oder sogar das Aussehen von etwas können eine Überlastung verursachen, die für einen Erwachsenen nur schwer auszuhalten wäre, ganz zu schweigen von meinem kleinen Jungen. ,Normale Dinge‘ wie einkaufen gehen, auf einem Spielplatz spielen oder sogar ein Haarschnitt können für ihn unerträglich sein.

An die Leute, die ihn anstarren, weil er summt: Beteilige dich an seinem kleinen Singsang, denn in seinen Augen singt er das schönste Lied der Welt. An die Mütter, die ihre Kinder von ihm wegziehen: Ihr schafft so die Mobber der Zukunft! Kinder bemerken die Unterschiede gar nicht, sie wollen nur spielen, also lasst sie. An die Dame, die ihn im Supermarkt kühn nannte: Versuche einmal, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten. Eine Überladung von Farben und Tönen. Menschen sausen an dir vorbei. Du würdest dir auch die Augen ausweinen, wenn du niemandem sagen könntest, wie du dich fühlst, wenn alles zu viel wird. Und an die Freunde, die verschwunden sind: Ich hoffe, dass der Autismus niemals an eure Haustür klopft. Ich würde meinen kleinen Jungen für nichts in der Welt verändern wollen und wenn du ihn nicht verstehen kannst und nicht weißt, wie er tickt, dann verdienst du es nicht, in seinem Leben zu sein.

Kinder mit besonderen Bedürfnissen sind die tapfersten, mutigsten und erstaunlichsten Menschen auf dieser Welt. Sie kämpfen Schlachten, von denen niemand weiß, und ich garantiere, dass nicht ein Erwachsener die Hälfte der Hindernisse überwinden könnte, die sie jeden Tag nehmen. Nur weil es keinen physischen Unterschied gibt, heißt das nicht, dass sie nicht mutig sind.

Also bitte ich dich, dieses Jahr gut nachzudenken, bevor du urteilst. Lebe einen Tag in den Schuhen meines Jungen und du wirst verstehen, wie viel von einem Superhelden er in sich hat.“

Junge mit Autismus

Wie man jemanden mit Autismus versteht

Autismus ist immer noch ein großes Rätsel, weshalb er als sozial störend empfunden wird. Im Jahr 1996 schrieb Ángel Riviére eine kurze Zusammenfassung dessen, was Menschen mit Autismus von uns verlangen könnten. Die folgende List orientiert sich an seiner Arbeit und soll zeigen, wie man sich Menschen mit Autismus gegenüber verhalten sollte:

  • Hilf mir, zu verstehen. Organisiere meine Welt und mache es mir leichter, vorauszusehen, was passieren wird. Gib mir Ordnung und Struktur, nicht Chaos.
  • Sei nicht ängstlich um mich herum, weil mich das noch ängstlicher macht. Respektiere meinen Rhythmus. Du wirst immer in der Lage sein, mit mir in Verbindung zu treten, wenn du meine Bedürfnisse und die besondere Art, wie ich die Realität verstehe, verstehst. Mach dir keine Sorgen, ich werde mich im Laufe der Zeit immer weiter entwickeln.
  • Sprich nicht zu viel oder zu schnell mit mir. Worte mögen nur Luft für dich sein, aber sie können ein schweres Gewicht für mich sein. Sie sind oft nicht der beste Weg, um mit mir zu interagieren.
  • Genau wie andere Kinder und wie Erwachsene mag ich es, Dinge zu genießen und Dinge gut zu machen, auch wenn ich es nicht immer schaffe. Lass es mich wissen, wenn ich die Dinge gut gemacht habe, und hilf mir, sie zu erledigen, ohne zu versagen. Wenn ich zu viele Fehler mache, passiert mir, was auch dir passieren würde: Ich verliere mein Selbstvertrauen und erlaube mir dann gar nicht mehr, Dinge zu tun.
  • Ich brauche mehr Ordnung und Planung als du. Wir müssen verhandeln, was meine Rituale sind, damit wir zusammen leben können.
  • Es ist schwer für mich, den Grund für die meisten Dinge zu verstehen, die die Leute von mir verlangen. Hilf mir, zu verstehen. Versuche, mich zu bitten, Dinge zu tun, die eine konkrete und entzifferbare Bedeutung für mich haben. Lass mich nicht gelangweilt sein oder inaktiv bleiben.
  • Stoße mich nicht unnötig an. Manchmal sind Menschen zu unberechenbar, laut und stimulierend. Respektiere meinen Raum, ohne mich in Ruhe zu lassen.
  • Nichts, was ich tue, ist gegen dich. Wenn ich einen Wutanfall habe oder dich schlage, wenn ich etwas kaputt mache oder mich zu sehr bewege, wenn es mir schwerfällt, aufmerksam zu sein oder zu tun, was du möchtest, versuche ich nicht, dir weh zu tun. Da ich mit dem Verständnis der Absichten der Menschen meine Probleme habe, schreibe mir keine schlechten Absichten zu!
  • Meine Entwicklung ist nicht lächerlich, obwohl sie nicht leicht zu verstehen ist. Sie hat ihre eigene Logik und viele der Verhaltensweisen, die du „abnormal“ nennst, sind nur meine besondere Art, die Welt wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Bemühe dich, mich zu verstehen.
  • Andere Leute sind zu kompliziert. Meine Welt ist nicht komplex und verschlossen, sie ist einfach. Auch wenn das, was ich sage, dir vielleicht fremd vorkommen mag. Meine Welt ist so offen, so unbefleckt von Fassaden und Lügen, so wirklich offen für andere, dass es schwierig sein kann, einzudringen. Ich lebe nicht in einer „leeren Festung“, ich lebe in einer offenen Ebene, die gar unzugänglich scheint. Ich bin viel unkomplizierter als die, die man für normale Menschen hält.
  • Frage nicht immer wieder dasselbe, fordere nicht die gleichen Routinen. Du musst dich nicht autistisch machen, um mir zu helfen! Ich bin derjenige mit Autismus, nicht du!

Wir müssen Menschen mit Autismus helfen, sich selbst zu schützen, da sie zu intensiv sehen und hören. Wir müssen verstehen, dass sie nicht unhöflich sein wollen, aber sie funktionieren so, dass sie den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht werden.

Menschen mit Autismus sind keine leeren Hüllen, sondern Menschen mit Persönlichkeit, Gefühlen und Bedürfnissen. Fordere sie nicht auf, „normal“ zu sein. Versuche, ihnen zu helfen, und nicht, sie zu kontrollieren. Arbeite an einem Ort der Hoffnung, damit du eine bessere Welt für sie erschaffen kannst.