Wie können wir Kinder zu freundlichen und emotional intelligenten Menschen erziehen

29. Dezember 2017

Freundlichkeit wird durch wohltuende zärtliche Berührungen, eine erziehende Mimik und durch ein Vorbild als Beispiel vermittelt. Wenn wir bei unseren Kindern den Samen eines noblen, zuneigungsvollen und empathischen Verhaltens pflanzen, schenken wir der Welt stärkere, würdigere und mutigere Menschen, die dazu in der Lage sind, ihre eigenen Wege zu gehen.

Die emotionale Intelligenz ist gerade sehr in Mode. Dennoch stützt man sich immer noch mehr auf Studien und Forschungsarbeiten, die sich auf die Verbesserung der schulischen Leistung von Kindern in den traditionelleren Schulfächern konzentrieren. Darauf nimmt zum Beispiel das amerikanische Gesetz No Child Left Behind (zu Deutsch: Kein-Kind-Wird-Zurückgelassen) Einfluss, das Schüler und Familien dazu bewegt, ihre schulische Bilanz zu verbessern, um weiterhin finanzielle Unterstützung zu erhalten.

„Ein Gramm Freundlichkeit ist mehr wert als eine Tonne Intellekt.“

Alejandro Jodorowsky

Das Gesetz hat dazu geführt, dass mehrere Forschungsarbeiten entwickelt wurden, die sich allesamt auf eine sehr grundlegende Sache konzentrierten: die Förderung der maximalen Gedächtnisleistung der Kinder. Die Studien selbst sind aus wissenschaftlicher Sicht interessant, weil sie sich mit den verschiedenen Strukturen befasst, die das Gehirn verwendet, um Beziehungen herzustellen, Daten zu entschlüsseln und neue Erinnerungen abzuspeichern.

Seinerzeit wurde dieses Gesetz vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush verabschiedet. Heutzutage fühlen sich die Lehrer unter Druck gesetzt und die Schüler sind frustriert. Es ist gerade so, als ob unser politisches und soziales Umfeld auf der einen Seite sich nur auf die Gedächtnisleistung fokussieren. Die Neurowissenschaft auf der anderen Seite scheint uns wegen den aus der Gesamtheit der Studien abgeleiteten Ergebnissen in diesem Zusammenhang gerade zu anzuschreien, dass sie anderer Meinung ist.

Das Gehirn eines Kindes braucht eine vollständigere und komplexere Erziehung als die gegenwärtige; eine Erziehung, die das Üben mnestischer Strategien beeinflusst und anregt. Dabei geht es darum, das Gedächtnis zu fokussieren, was die „Bausubstanz“ der Kenntnisse so beeinflusst, dass die Neugier beflügelt und die Grundlage für eine starke, reife und glückliche Persönlichkeit gebildet wird.

Wenn wir dazu in der Lage sind, Kinder mithilfe von Freundlichkeit und Anerkennung zu erziehen, zu leiten und zu motivieren, werden wir der Welt eine viel würdigere und auf die Herausforderungen des Lebens besser vorbereitetere Generation schenken.

Kleine Fee

Wie Freundlichkeit das kindliche Gehirn beeinflusst

Wir möchten zuerst einen wichtigen Aspekt erläutern. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist es nicht dazu in der Lage, seine Gefühle zu regulieren, und in seinem Gehirn gibt es keinen Bereich, in dem das Konzept von Freundlichkeit genetisch vorprogrammiert ist. Was allerdings existiert, ist das angeborene und natürliche Bedürfnis, sich mit seiner Umgebung zu „verbinden“. Als erstes mit seinen Eltern, um zu überleben, und später dann mit Gleichgesinnten, um seine ersten sozialen Beziehungen zu knüpfen.

Wir müssen verstehen, dass die emotionale Welt von Kindern einem sehr konkreten Entwicklungsprozess folgt, bei dem wir Erwachsene sie leiten, für sie vermitteln und sogar für sie entscheiden sollten. Die neurologische Entwicklung des kindlichen Gehirns ist sehr komplex und daher entscheidet nicht immer das chronologische Alter darüber, ob eine Funktion, eine Fähigkeit oder eine bestimmte Leistung gegeben ist. Deshalb sollten wir geduldig sein und lernen, die körperliche, psychomotorische und emotionale Entwicklung eines jeden Kindes zu respektieren.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Faktoren, die die Qualität dieser neurologischen Entwicklung bei unseren Kindern bestimmt. Wenn wir davon sprechen, auf Grundlage von Freundlichkeit zu erziehen, beziehen wir uns nicht nur auf die Wertevermittlung. Wir sprechen auch darüber, wie eine gutmütige Erziehung voller sanfter Berührungen, Blicke und Anerkennung zweifellos eine Verbindung herstellt, mit der eine bessere neuronale Entwicklung geschaffen werden kann.

Gehirn mit Blumen

Ein Kind kann durch ein freundliches Verhalten schon in einem sehr frühen Alter Verbindungen knüpfen. Es versteht die Freundlichkeit durch die Stimme seiner Mutter und die Arme seines Vaters. Wenn es lernt, zu sprechen, und man ihm zuhört, wenn es dem Beispiel seiner Eltern folgt, wenn sie seine Emotionen wieder in Einklang miteinander bringen und ihm beibringen, andere zu schätzen, zu respektieren und sich selbst zu respektieren, dann haben Eltern alles richtig gemacht.

Freundlichkeit ist viel mehr als nur ein Wert. Durch sie können wir etwas auf eine außergewöhnliche Weise lernen.

Wie wir unsere Kinder zu freundlichen Menschen erziehen können

Wir haben zu Beginn des Artikels darüber gesprochen, dass viele Schulen den schulischen Leistungen in klassischen Fächern Priorität geben und die Emotionale Intelligenz hinten ansteht. Wir wissen alle, dass keiner von uns ändern kann, was die Gesellschaft an Forderungen stellt. Deshalb müssen wir unsere Kinder emotional erziehen, damit sie auf das vorbereitet sind, was die Gesellschaft von ihnen verlangt. Wir müssen ihnen von klein auf zu Hause beibringen, mit ihnen Gefühlen umzugehen.

„Jeder Ausdruck von Freundlichkeit ist mächtig.“

Miguel de Unamuno

Nachstehend möchten wir dir einige Ratschläge geben, wie dir das gelingt.

Kinder zu freundlichen und respektvollen Menschen erziehen

Sehr zutreffend wird uns im Buch „Wie Sie reden, damit ihr Kind zuhört und wie Sie zuhören, damit ihr Kind redet“ erklärt, dass wir alle gute Eltern sind, bis wir wirklich Eltern sind. Damit ist gemeint, dass wir alle eine ideale Vorstellung von unserer Erziehung im Kopf haben und genau wissen, was wir tun würden und was nicht, bevor wir Kinder bekommen. Sobald wir allerdings Kinder haben, lernen wir das reale Leben kennen.

  • Um ein freundliches und respektvolles Kind heranzuziehen ist es wichtig, geduldige Eltern zu sein. Die Erziehung unserer Kinder ist jeden Tag ein Abenteuer, kein Tag gleicht dem anderen und die Bedürfnisse eines Kindes können sich vom einen auf den anderen Moment ändern. Am Wichtigsten ist in diesen Fällen, dass wir selbst uns genauso verhalten, wie wir es von unseren Kindern erwarten: genauso zugänglich, genauso geduldig, dass wir uns an die gleichen Regeln halten und unserem eigenen Beispiel folgen.
  • Ein weiterer Ratschlag, den uns Maria Montessori einst gegeben hat, ist die Notwendigkeit, unserem Kind von klein auf „noble“ Werte mit auf den Weg zu geben, auch wenn es sie noch nicht versteht. Der Tag wird kommen, an dem diese Werte Früchte tragen werden.
Eine freundliche Geste in Form einer Blume

Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass Freundlichkeit eine der Eigenschaften ist, die das Wesen des Menschen am besten widerspiegelt. Ein Kind zu einem freundlichen Menschen zu erziehen, bedeutet, aus ihm einen ehrenwerten Bürger zu machen, ihm beizubringen, seine Mitmenschen zu respektieren, die Natur zu lieben und natürlich auch sich selbst zu lieben.

Wir sollten unsere Kinder auf diesem Weg leiten, der ihnen zweifellos Tag für Tag helfen wird, ein erfüllteres Leben zu genießen.