Freundlichkeit ist ein Geschenk, das es sich zu teilen lohnt

10. November 2017 en Psychologie 0 Geteilt
Kind zeigt seiner Mutter einen Frosch

Freundlichkeit ist ein Wert, an den viele von uns noch immer glauben. Sie ist die Sprache des Respekts und Anerkennung. Sie ist das Kissen, das die Schläge abfedert, die wir im Laufe des Lebens abbekommen. Freundlichkeit ist ein Geschenk, das wir anderen durch Blicke, Worte und kleine Taten Tag für Tag zukommen lassen. Freundlich zu sein, kostet nichts. Aber es erreicht so viel.

Lao Tse teilte uns in seinen Schriften mit, dass freundliche Worte Vertrauen schaffen. Noble Gedanken seien der Ursprung von Freundlichkeit, und respektvolles Handeln schaffe eine unzerstörbare Verbindung. In unserer Umwelt sähen wir diese Werte jedoch weniger häufig umgesetzt, als uns das lieb sei.

„Sei gütig, denn alle Menschen, denen du begegnest, kämpfen einen schweren Kampf.“

Platon

Experten in Führung und Organisationspsychologie wissen nur zu gut, dass Freundlichkeit und Altruismus keine Konzepte sind, die mit den Qualitäten vereinbar wären, die garantieren, dass ein Unternehmen auf dem Markt Erfolg hat. Konkurrenzkampf, Macht, Einfluss und Innovation stehen über Kameradschaft. Die andere Person wertzuschätzen, ist von wenig Wert, da diese Wertschätzung nur einen Verlust von Status, Zeit und Effizienz darstellt.

Felix Losada, Direktor für Marketing und PR, erklärt in seinem Buch Protocolo inteligente (Das intelligente Protokoll,  noch nicht auf Deutsch verfügbar), dass fehlende Freundlichkeit eine konkrete Ursache hätte. Soziale Höflichkeitsnormen entwickelten sich weiter, und in unserem Fall verliefe dieser Prozess auf der Basis von Eile, Stress und Konsumverhalten. Das schaffe ein Umfeld, in dem eine Person mehr mit ihrem Egozentrismus beschäftigt sei als ihre Mitmenschen wahrzunehmen.

Wenn wir möchten, dass Freundlichkeit wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft erreicht, müssen wir uns daher zunächst selbst ändern.

Freundlichkeit ist ein Geschenk, das höher wächst und heller strahlt als jedes materielle Gut

Leben wir in einer Ära der Unfreundlichkeit?

In der Gegenwart gibt es viele Menschen, die glauben, dass Freundlichkeit reine Zeitverschwendung sei und mit dem Risiko einhergehe, als schwach oder, noch schlimmer, als habgierig angesehen zu werden. In der Arbeitswelt zum Beispiel wird ein Mitarbeiter, der immer aufmerksam, freundlich und zugänglich ist, oft mit Misstrauen betrachtet. Er scheint ein Streber zu sein, der nur versucht, auf eine höhere Position zu kommen und mehr Einfluss im Unternehmen zu erlangen.

Freundlichkeit ist auch in Managementkreisen nicht von Vorteil. Man will uns glauben machen, dass die Manager von heute emotionale Intelligenz besäßen und auf gute Gruppendynamiken bauten. Aber das Einzige, was sie wirklich wollen, ist, dass ihre Mitarbeiter die gesteckten Ziele erreichen, und dass das Unternehmen auf den sich ständig ändernden Märkten konkurrenzfähig bleibt.

In dieser Welt, die vom Ich geprägt ist, haben wir kaum Zeit dafür, jemandem in die Augen zu schauen und „Guten Morgen, wie geht es dir?“  zu sagen. Oder auch mal zu fragen: „Brauchst du irgendwas?“  Es ist nicht mehr möglich, uns gegenüberzusitzen und miteinander zu sprechen. Doch andererseits ist da auch der Druck, Beziehungen zu kultivieren, um ein Klima des Verstehens und der Zusammenarbeit zu schaffen, wo alle als Gewinner hervorgehen. Davon wird zumindest immer gesprochen.

In dieser Ära der Unfreundlichkeit und der Unmittelbarkeit wird Freundlichkeit mit Zeitverschwendung gleichgesetzt, oder mit einem signifikanten Produktivitätsverlust für das Unternehmen. Oder dem Risiko, etwas Wichtiges in unserem sozialen Umfeld zu verpassen, wenn wir unser Handy ausschalten, während wir mit einem Freund oder unserem Partner zusammen sind.

Ist es das wirklich wert?

Selbst in Krisenzeiten bringt Freundlichkeit Hoffnung

Freundlichkeit ist ein Geschenk, das es sich zu teilen lohnt, auch wenn es nicht wertgeschätzt wird. Auch wenn wir keine Dankbarkeit im Gegenzug bekommen. Selbst wenn es widersprüchlich scheint: Wir investieren in uns selbst, in unser Wohlergehen. Und wir entwickeln Empathie, die unser persönliches und emotionales Wachstum fördert.

„Sei höflich zu allen, gesellig zu vielen, Kamerad mit wenigen, Freund mit einem, Feind mit keinem.“

Benjamin Franklin

Selbst wenn viele Philosophen uns sagen, dass das Konzept sozialer Freundlichkeit seine Gültigkeit verliere, gibt es noch Hoffnung. Wir wissen sehr wohl, dass diese moderne Welt uns dazu ermutigt, individualistisch und wetteifernd zu sein. Wir wissen, dass Stress und Nervosität ab und zu das Schlimmste in uns zum Vorschein bringen. Aber ist das wirklich, was und wie wir sein wollen? Menschen, die nicht fähig sind, für eine freundlichere Existenz zu kämpfen?

Freundlichkeit als Erbe an nachkommende Generationen

Denken wir an die nachkommenden Generationen und das unwirtliche Erbe, das wir unseren Kindern zu hinterlassen riskieren, wenn wir nicht anfangen, uns zu ändern. Wir sollten unser Bewusstsein schärfen und zu Aktivisten für diesen Einstellungs- und Fokuswechsel werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass Babys darauf programmiert sind, mit anderen Beziehungen einzugehen, sobald sie auf die Welt kommen.

Frauen in Umarmung

Wenn wir unseren Kindern Zeit widmen und ihnen die Werte der Freundlichkeit von klein auf antrainieren, pflanzen wir die Samen für eine noblere und empathischere Zukunft. Angefangen mit Körpersprache und verbaler Höflichkeit, müssen wir auch Vorbilder im täglichen freundlichen Umgang miteinander sein.

Lasst uns höflich miteinander umgehen. Lasst uns den Blick von unseren Smartphones aufrichten, um uns in die Augen zu sehen. Dort werden wir wahre Mitteilungen empfangen, die aus Herz und Seele kommen. Lasst uns heute damit beginnen, weniger finster drein zu blicken. Versuchen wir, unsere Eile etwas bremsen und die Welt in kleinen Stücken zu genießen. Lasst uns Lächeln verschenken und mehr Zeit verbringen mit den Menschen, die wir lieben.

Denn Freundlichkeit ist ein Geschenk, das nichts kostet und sich richtig gut anfühlt.

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