Wie definiert die Sexologie das erotische Verlangen?

Das sexuelle Verlangen mag komplex sein, doch es handelt sich um ein intensives und angenehmes Gefühl, das tief in unserem Wesen entsteht und keine Grenzen oder Regeln kennt. Es liebt seine Freiheit!.
Wie definiert die Sexologie das erotische Verlangen?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. März 2022

Das erotische Verlangen ist sehr individuell und nicht einfach zu definieren. Die Sexologie oder Sexualwissenschaft befasst sich schon lange mit diesem interessanten Konzept, das wir in unserem heutigen Artikel näher betrachten werden.

Verschiedene Forscher haben versucht, das erotische Verlangen auf den drei psychologischen Ebenen Gefühle, Gedanken und Verhalten zu untersuchen. Es ist jedoch sehr komplex und muss unter verschiedensten Aspekten betrachtet werden.

Es handelt sich nicht um eine Emotion und es kann nicht durch eine kognitive Umstrukturierung oder eine andere Verhaltensweise verändert werden. In gewisser Weise gehört das erotische Verlangen zu allen drei Bereichen, kann jedoch nicht darauf beschränkt werden.

Wie definiert die Sexologie das erotische Verlangen?

Das erotische Verlangen: eine neue Definition

Freud versuchte, das Begehren mit dem Konzept der “Libido” zu definieren. Dieses wird auch heute noch verwendet, obwohl es kein sehr genauer Begriff ist. Es ist nicht einfach, Begehren wissenschaftlich oder operativ zu definieren, auch wenn viele Vorurteile nicht mehr vorhanden sind.

“Wenn sie lieben, begehren sie nicht, und wenn sie begehren, lieben sie nicht.”

Sigmund Freud

Helen Singer Kaplan hat einen essenziellen Beitrag zu den Theorien des erotischen Begehrens geleistet. Sie betrachtete das Verlangen auf der Grundlage des berühmten Modells der menschlichen sexuellen Reaktion (Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmus, Rückbildungsphase) von Masters und Johnsons und definierte die Phasen “Verlangen, Erregung, Orgasmus und Rückbildung”.

Stephen B. Levine zählt zu den renommiertesten Forschern auf diesem Gebiet. Dieser amerikanische Psychiater definierte die drei Elemente des erotischen Verlangens: Impuls, Sehnsucht und Motivation.

Der Ansatz von John Bancroft ist besonders interessant: Er versteht das Begehren als Erfahrung und nicht als neurophysiologisches Bedürfnis. Er geht davon aus, dass bei der Definition des sexuellen Verlangens drei Dimensionen berücksichtigt werden müssen: die kognitive, die affektive und die neurophysiologische.

In der Aktualität forschen viele Wissenschaftler über das erotische Begehren. Die spanischen Sexualwissenschaftler Joserra Landarroitajauregi, Francisco Cabello und Miren Larrazabal beschäftigen sich schon lange mit diesem Thema.

Die Merkmale des erotischen Begehrens

Es gibt keine allgemeingültige oder offizielle Definition dieses Begriffs: Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein sehr komplexes Phänomen, doch folgende Merkmale zählen zu den wichtigsten:

  • Unkontrollierbar. Das erotische Verlangen ist nicht kontrollierbar, wir können nur unser Verhalten kontrollieren. Wir müssen das Verlangen nicht ausleben, können es jedoch nicht verhindern.
  • Unfreiwillig. Das Begehren entsteht unfreiwillig und wir können nicht entscheiden, in welchem Augenblick es auftaucht.
  • Anarchisch. Erotisches Begehren hat keine Ordnung, keine konkrete Hierarchie. Manchmal begehren wir Menschen, die in unserem täglichen Leben keine wichtige Rolle spielen. Es können auch Menschen sein, die wir gerade kennengelernt haben.
  • Inkohärent. Wir können sogar Menschen begehren, die wir nicht mögen. Das erotische Verlangen kennt keine Kohärenz: Es kann sich um Menschen mit einer anderen Ideologie, Religion oder mit einem unvereinbaren Lebensstil handeln.
  • Promiskuitiv. Die Promiskuität ist das Hauptmerkmal der sexuellen Lust. In der Welt der Fantasie hat alles Platz. Niemand kann dieses Begehren kontrollieren oder durch gesellschaftliche Konventionen, Stereotype, Vorurteile oder Schönheitsideale einschränken.
das sexuelle Verlangen

Das sexuelle Verlangen mag komplex sein, doch es handelt sich um ein intensives und angenehmes Gefühl, das tief in unserem Wesen entsteht und keine Grenzen oder Regeln kennt. Es liebt seine Freiheit!

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