Wie Bruce Springsteen der Dunkelheit der Depression entkam

Bruce Springsteen spricht in seinem autobiografischen Werk "Born to run" über seine Depressionen. Erfahre mehr darüber!
Wie Bruce Springsteen der Dunkelheit der Depression entkam
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 20. August 2022

Bruce Springsteen gibt zu: “Ich weiß, dass ich nicht ganz gesund bin.” Der bekannte Rockmusiker ist sich bewusst, dass der Kampf gegen die Depression jeden Tag weitergeht und von ihm verlangt, die Hoffnung zu sehen und die Dunkelheit zurückzulassen, in der er bereits öfter gefangen war. Nur mithilfe von Medikamenten, Therapien und seiner Familie ist es ihm gelungen, die Kontrolle über sein Leben zurückgewinnen.

In seiner Autobiografie “Born to run” (2016) beschreibt der Musiker private Situationen, die er parallel zu seinen musikalischen Erfolgen erlebte. Wir dürfen nicht vergessen, dass Kunst ein Weg der Katharsis ist, aber auch ein Zufluchtsort für sensible und gequälte Seelen. In Springsteens Autobiografie spiegelt sich Aufrichtigkeit und auch eine gewisse Rohheit wider.

Bruce Springsteen erklärt darin, wie er den Umgang mit Depressionen gelernt hat. Er gibt auch zu, dass er noch immer davor Angst hat. Er beschreibt diesen Zustand als mächtig, eine Präsenz, die von unerklärlichen Orten ausgeht, die im Falle des Musikers mit seiner Genetik zu tun haben. Sein Vater litt an Schizophrenie und in der Familie gab es weitere psychische Probleme.

Bruce Springsteen bedauert, dass sein Vater vor seinem Tod nicht mehr “Ich liebe dich” zu ihm sagen konnte.

Wie Bruce Springsteen der Dunkelheit der Depression entkam
Bruce Springsteen erlitt seinen letzten emotionalen Zusammenbruch im Alter von 60 Jahren. Editorial credit: Ron Adar / Shutterstock.com

Bruce Springsteen und seine dunklen Territorien

Bruce Springsteen ist 72 Jahre alt, hat 20 Grammy Awards und mehr als 120 Millionen verkaufte Platten vorzuweisen. Er singt, er komponiert und wir kennen ihn als “The Boss”, aber jenseits der Bühnen kennt der gefeierte Rockstar auch die andere Seite des Lebens.

In letzter Zeit haben viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Schritt gewagt und über ihre psychische Gesundheit gesprochen. Manche sehen dies als Modeerscheinung, doch die Berichte über die psychischen Probleme können diese Erfahrungen auch kollektivieren. Jeder kann psychisch erkranken.

Zusätzlich zu seiner Autobiografie hat Bruce Springsteen vor einiger Zeit mit dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama einen Podcast gestartet: In der ersten Folge von “Renegades: Born in the USA” sprach der Musiker über seine Kindheit und die Beziehung zu seinem Vater.

“Meine Depression ergießt sich wie Öl über den schönen türkisgrünen Golf meiner sorgfältig geplanten und kontrollierten Existenz. Ihr schwarzer Schlamm droht jeden letzten lebenden Teil von mir zu ersticken.”

Bruce Springsteen

Rock and Roll und familiäre Dämonen

Bruce Springsteens Vater hatte Schizophrenie und eine lange Familiengeschichte mit psychischen Problemen. Bei vielen Angehörigen wurde keine Diagnose gestellt. Einige fürchteten sich vor geschlossenen Räumen, andere rissen sich die Haare aus … Mit einem Vater aufzuwachsen, der in einem emotionalen Chaos navigiert und leidet, hinterlässt tiefe Spuren und verändert alles.

Springsteens Kindheit wurde von einer gewalttätigen und gefühllosen Vaterfigur beherrscht. Als Bruce jedoch die Musik zu seinem Leben machte, zögerte er nicht damit, sich die Dämonen seines Vaters anzueignen, um seine Lieder zu schaffen. Er benutzte diese inneren dunklen Mächte auch, um sein Image aufzubauen. Der Musiker entschied sich für Arbeiterkleidung und gab seiner Musik eine gewisse Dunkelheit. Er zeigte seine Identität und nutzte sie gleichzeitig, um die Geschichte seines Landes aufzugreifen.

Bruce Springsteen und seine Begegnungen mit der Depression

Das erste Mal sah sich Bruce Springsteen im Alter von 30 Jahren mit Depressionen konfrontiert. Als er schon über 60 war, erlebte er den Zustand noch einmal und konnte diesen erst mit 64 Jahren wieder überwinden. Wie der Musikstar selbst erklärt, hatte er lange Zeit eine hohe Abwehrkraft aufgebaut, um den Belastungen seiner Kindheit standzuhalten.

Aber ab einem bestimmten Punkt waren all diese inneren Konstrukte nicht mehr nützlich. Alles brach zusammen. Bruce Springsteen hatte in der Kontrolle seiner Gefühle eine Lösung gefunden, die jedoch schließlich zum Zusammenbruch führte. Wie er in seiner Autobiografie erklärt, wurde er nicht ins Krankenhaus eingeliefert, auch wenn das nötig gewesen wäre.

Seit dieser ersten Krise nahm er Medikamente. Bruce Springsteen sucht den Ursprung seiner Depressionen und manischen Zustände in der Figur seines Vaters. Er spricht von einer Dunkelheit, die ihn, wie er sagt, an ziemlich schlimme Orte bringt.

Ich weiß nur, dass mit zunehmendem Alter das Gewicht unseres unsortierten Gepäcks immer schwerer wird. Mit jedem Jahr, das verstreicht, wird der Preis für unsere Weigerung, diese Entscheidung zu treffen, höher und höher.

blau leuchtendes Gehirn
Depressionen können mehrere Ursachen haben, häufig spielen genetische Faktoren eine bedeutende Rolle.

Wie hat Bruce Springsteen die depressive Dunkelheit überwunden?

Der Rockmusiker weiß, dass er es noch nicht ganz geschafft hat. Noch immer nimmt er Medikamente, doch in der Therapie hat er sich wertvolle Werkzeuge angeeignet, um mit negativen Gedanken und Gefühlen besser umgehen zu können. Wie er in seinem Buch ausführt, ist es das Wichtigste, über das Leid und die Schmerzen zu sprechen, diesen Zuständen einen Namen zu geben.

“Ich fühle mich schlecht, weil …”, “Jetzt fühle ich …”, “Das ist passiert, und mich beunruhigt, dass …” – Wir müssen genau definieren, was wir erleben, die Präsenz dieser Emotionen und Zustände erkennen und dann daran arbeiten. Den Dingen einen Namen zu geben, wirkt befreiend.

Trotzdem kann Bruce Springsteen nicht umhin, sich eine Frage zu stellen: Kann ich jemals so krank werden, dass ich meinem Vater viel ähnlicher bin, als ich dachte? Bisher ist das nicht passiert, und die Musik bleibt zusammen mit der Familie seine beste Stütze. Vielleicht hat er es doch geschafft, seine Dunkelheit durch seine Texte und Lieder nach außen zu wenden und sich davon zu lösen.

Bildnachweis: Antonio Scorza / Shutterstock.com
Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Depressionen hindern uns daran, an positives Feedback zu glauben
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Depressionen hindern uns daran, an positives Feedback zu glauben

Depressionen machen uns skeptisch gegenüber positivem Feedback. Worte voller guter Absichten nützen Betroffenen wenig.



  • Springsteen, Bruce (2018) Burn to Run. DeBolsillo