Wie beeinflusst die Reihenfolge, in der Geschwister geboren werden, deren Persönlichkeit?

· 18. Dezember 2015

Stell dir für einen Moment vor, dass du zusammen mit deinen Geschwistern auf Reisen gehst. Ihr seid bereits erwachsen. Mit welcher der folgenden Situationen identifizierst du dich am ehesten?

– Du hast diese Reise für die gesamte Familie bereits seit Wochen bis ins letzte Detail geplant: Du hast ein Hotel gebucht, ein Auto gemietet, Restaurants ausgesucht. Bei allem hast du an deine Geschwister gedacht und du hast Zeit und Raum gesucht, um emotional abschalten zu können.

– Du hast einen gesamten Tag damit verbracht, alles für die Reise zu organisieren, und hast auch für die Tage, an denen du nicht daheim sein wirst, alles vorbereitet.

– Diese Familienreise, die ihr geplant habt, hört sich einfach großartig für dich an! Du hast rein gar nichts organisiert, genießt dann einfach die Reise, erfreust dich an ihr und verbringst mit deinen Geschwistern eine tolle Zeit. Du findest es toll, wie dein älterer Bruder alles organisiert hat und du musstest für diese Reise keinen Finger krumm machen.

Kommt dir Situation Nummer eins bekannt vor?
Dann bist du sicherlich der oder die Älteste unter euch Geschwistern.

Wenn Situation Nummer zwei auf dich zutrifft…
…bist du das mittlere Glied in der Kette der Geschwister.

Wenn du dich mit der letzten Situation identifizieren kannst…
….
bist du sehr wahrscheinlich das Nesthäkchen der Familie.

Wieso ist die Reihenfolge, in der Geschwister geboren werden, wichtig?

Viele Studien haben gezeigt, dass die Reihenfolge, in der Geschwister geboren werden, so wichtig ist wie das Geschlecht und das genetische Erbe, wenn es um die Entwicklung der Persönlichkeit geht. Das wirft die umstrittene Frage auf, ob die Persönlichkeit eines Menschen Erziehungssache ist oder in der Natur der Person selbst liegt.

Innerhalb einer Familie gibt es keine Geschwister, die genetisch gleich veranlagt sind, von eineiigen Zwillingen einmal abgesehen. Doch wieso ist das so? Eltern geben jedem ihrer Kinder unterschiedliche Gene mit auf den Weg, weshalb sich Geschwister zwar häufig sehr ähneln, aber doch nie gleich sind. Wenn du beispielsweise unter deinen Geschwistern derjenige bist, der sich immer um den Rest der Geschwister kümmert, dann nimmt deine Schwester oder dein Bruder eine andere Rolle ein, z.B. die des „glücklichen Sorglosen“.

Die drei Arten der geschwisterlichen Rollenverteilung

Das älteste Geschwisterkind ist dazu bestimmt, erfolgreich zu sein; das mittlere Kind ist dafür gemacht, um Verständnis zu zeigen und als Streitschlichter zu fungieren; und das Nesthäkchen sucht die Aufmerksamkeit. Das Ergebnis der Studie zeigt demnach, dass die Reihenfolge, in der Geschwister das Licht der Welt erblicken, sehr eng mit der persönlichen Entwicklung verbunden ist.

Die drei Arten der geschwisterlichen Rollenverteilung sind folgende:

Das älteste der Geschwisterkinder: der Gewinner. Das älteste der Geschwisterkinder hat normalerweise mit anderen älteren Geschwisterkindern mehr Gemeinsamkeiten als mit seinen eigenen Brüdern oder Schwestern. Als Erstgeborener hat es über seine Eltern mehr Kontrolle gehabt und nach seiner Geburt die ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.

Erstgeborene sind meist sehr verantwortungsbewusste Personen, auf die man bauen kann und sie wissen auch, wie man sich zu verhalten hat. Sie gehen sehr achtsam mit sich selbst und ihren persönlichen Beziehungen um, da sie sich an ihren Eltern orientieren.

Wenn du das Älteste deiner Geschwister bist, dann suchst du sicherlich oft die Bestätigung bei anderen und bist sehr erfolgsorientiert, und das aus dem einfachen Grund, weil du als ältestes Geschwisterkind darauf gepolt bist.

Das älteste Geschwisterkind hat oft eine höhere Bildung und geht Führungspositionen nach. Als Erstgeborener versuchst du, deine Geschwister zu leiten und zu erziehen.

Innerhalb einer Familie passiert es oft, dass sich das erste Kind verlassen fühlt, sobald ein Geschwisterchen auf die Welt kommt. Das Kind hat dann das Gefühl, dass es seine Vormachtstellung und die ungeteilte Aufmerksamkeit verliert, da es zuvor allein war und das kann bei einem Kind schmerzliche Gefühle verursachen.

Doch alles, was das Kind vor der Geburt seines Bruders oder seiner Schwester erlernte, erlaubt es ihm, sich schnell und angemessen anzupassen.

Das mittlere der Geschwisterkinder: der Pazifist. Kinder, die das mittlere Glied der Kette der Geschwister sind, sind oft verständnisvoll, kooperativ und anpassungsfähig, obwohl sie ab und an auch den Wettstreit suchen.

Gleichberechtigung ist ein Aspekt, der ihnen sehr am Herzen liegt, und sie setzen sich innerhalb der Familie stark für die Gleichberechtigung aller Familienmitglieder ein. Sie haben meist einen sehr engen Freundeskreis, der einem zusätzlichen Teil ihrer Familie gleicht.

Als mittleres Geschwisterkind erhalten sie die geringste Aufmerksamkeit. Und so kommt es, dass ihre selbst gewählte Familie diesen Part übernimmt.

Für gewöhnlich brauchen sie ein bisschen länger, um erwachsen zu werden, aber am Ende gelingt es ihnen, eine erfolgreiche Karriere zu haben, bei denen sie ihr Verhandlungsgeschick, durch das sie all die benötigte Aufmerksamkeit erlangen, ausleben können.

Die zwei ältesten Kinder sind meistens sehr gegensätzlich. Die Charaktereigenschaften des Zweitgeborenen sind häufig der Gegenpol zu denen des Erstgeborenen oder des Nesthäkchens. Den Vorteil, den diese unglaublichen sozialen Fähigkeiten, die das mittlere Geschwisterkind erlernt hat, mit sich bringen, sind die perfekte Grundlage, um später einmal ein erfolgreicher Unternehmer zu werden.

Das Nesthäkchen: der Sorglose. Wenn du in deiner Familie das Nesthäkchen bist, dann hatten deine Eltern während deiner Erziehung bereits das benötigte Vertrauen in ihre Rolle als Beschützer und Vorbilder, was dazu führt, dass sie geduldsamer mit dir umgegangen sind und nicht jeden deiner Schritte beobachteten, so wie sie es noch zuvor bei deinen älteren Geschwistern gemacht haben.

Diese Situation hat zur Folge, dass du die benötigte Aufmerksamkeit durch dein sympathisches und liebliches Verhalten von deinem Umfeld bekommst.

Sie haben mehr Freiheiten als ihre Geschwister und sind unabhängiger. Die Nesthäkchen haben viel mit dem ältesten Geschwisterkind gemeinsam, da beide besondere Extreme erleben. Sie wissen schnell, wo sie im Leben hingehören, und können sich gut mit sich selbst identifizieren, was ihnen ein Gefühl von Sicherheit verschafft.

Sie gehen oft Berufen wie Schauspieler, Comedian, Regisseur, Schriftsteller und vergleichbaren Berufen nach. Sie eignen sich auch gut als Ärzte und Lehrer.

Die Flexibilität ihrer Eltern ermöglicht ihnen eine unvergleichliche Freiheit, ihre persönliche Kreativität zu entwickeln und auszuleben.

Auf ihnen lastet weniger Verantwortung und aus diesem Grund suchen sie die Verantwortung.

Und was passiert, wenn du keine Geschwister hast?

Das Einzelkind: Einzelkinder wachsen in einer Umgebung voller Erwachsener auf, weshalb sie oft verbal aktiver und reifer sind. Diese Bedingung erlaubt es ihnen, an Intelligenz zu gewinnen und jeglichen Unterschied zwischen Geschwisterkindern leichtfertig zu überwinden.

So viel Zeit allein mit sich selbst zu verbringen, hat zur Folge, dass sie reifer, kreativer sind und an ihrer Unabhängigkeit festhalten. Oft haben Einzelkinder vieles mit ihren Eltern gemeinsam, was sich auch auf ihren beruflichen Werdegang auswirkt.

Ich möchte dich gerne dazu einladen, dass du bei eurem nächsten Familientreffen einmal auf deine Geschwister achtest, ob die Reihenfolge, in der ihr geboren seid, euch ebenfalls diese Charakterzüge verliehen hat. Sicherlich wirst du dieses Treffen mit einem Lächeln im Gesicht verlassen.

Bist du das älteste, das mittlere oder das jüngste Geschwisterkind?