Wie Achtsamkeit das Sexualleben verbessern kann

· 10. Juni 2018

Was ich dir jetzt sage, ist kein Geheimnis. Das Sexualleben zu verbessern ist so einfach wie die eigene Präsenz in der Gegenwart zu erhöhen, was beides durch Achtsamkeit erreicht werden kann. Verstärkte Präsenz bedeutet im Wesentlichen, sowohl in der inneren als auch in der äußeren Welt gegenwärtig zu sein. Wir können Achtsamkeit dazu in vielen Situationen üben, nicht nur während der Meditation.

Immer mehr Menschen praktizieren Achtsamkeit, um Stress abzubauen, Ängste und Depressionen zu bewältigen, besser zu schlafen und ihr Leben und ihr Umfeld aus einer neuen Perspektive zu betrachten. All dies sind Vorteile der Achtsamkeit, die uns helfen, uns des Hier und Jetzt verstärkt bewusst zu werden. Achtsamkeit holt uns aus den gewohnten Gedankengängen heraus und erlaubt es, die Menschen und die Empfindungen zu genießen, die den gegenwärtigen Moment gestalten. Aus diesem Grund empfehlen viele Therapeuten die Achtsamkeit als einen Weg, auf dem wir das persönliche Leben, die Beziehungen und sogar das Sexualleben verbessern können.

Achtsamkeit kann unsere Beziehungen verbessern

Unser tägliches Leben lenkt uns ab. Negative Gedanken, Stress, Unsicherheit und Verpflichtungen hindern uns daran, Momente der Entspannung und Zeit mit anderen zu genießen. Wir vergessen, zu fühlen. Das hat zur Folge, dass viele Beziehungen den Bach hinunter gehen, weil Menschen mit ihren Partnern zusammen sind, ohne wirklich da zu sein. Dies betrifft alle Aspekte der Beziehung, einschließlich des Sexuallebens.

Sex ist ein wichtiges Element von romantischen Beziehungen, aber die Magie wird oft gebrochen, wenn die Partner in intimen Momenten nicht aufmerksam genug sind, um den Sex zu genießen. Wenn der Verstand wandert, können sie den Moment nicht genießen, und der Partner bekommt den Eindruck, dass der andere gedanklich nicht bei der Sache sei und das Interesse an ihm verliere – nicht nur im sexuellen Sinn.

Nacktes Paar

Wenn wir Achtsamkeit üben, lernen wir, bewusst und präsent zu sein und alles, was um uns herum geschieht, wahrzunehmen und zu genießen. Dies wird die gemeinsame Erfahrung erweitern und das körperliche und emotionale Erleben auf eine spirituelle Ebene heben.

Wenn wir beim Sex verstärkt präsent sind, zeigt dies dem Partner, dass wir auf ihn achten, dass es für uns im Augenblick nichts anderes gibt als uns beide. Dies wird nicht nur die sexuelle Erfahrung befriedigender machen, sondern auch dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen und die Intimität langfristig zu fördern.

Darüber hinaus kann Achtsamkeit Menschen helfen, die mit sexuellen Problemen zu kämpfen haben. Dazu gehören Probleme im Zusammenhang mit Versagensängsten, die dazu führen, dass der Betroffene sich nicht mehr auf das konzentrieren kann, was er gerade tut, weil er ein Gefangener der eigenen Ängste ist.

Bewusster Sex, bewusste Liebe

Wir sind es allzu sehr gewohnt, beim Sex weniger präsent zu sein, weil wir Sex oft mit geistigen Zuständen ähnlich der Betäubung durch Alkohol in Verbindung bringen: Fantasie und Realitätsflucht. Wir sind auf die egoistische Befriedigung fixiert und vergessen, dass die Zufriedenheit des Partners uns helfen kann, unsere eigene Zufriedenheit zu stärken.

Bewusster Sex ermutigt dazu, für einen Moment innezuhalten und einen tiefen Austausch von Emotionen und Sinnlichkeit zu ermöglichen. Wenn wir dem Herzen und dem Körper des Partners und unserer selbst Aufmerksamkeit schenken, dann werden wir entdecken, dass Erregung erst der Anfang ist. Meditation kann Sex zu einem transzendenten und intensiv genussvollen Erlebnis machen.

Wenn du die Hand deiner Frau, deines Mannes hältst, warum nicht in Stille sitzen? Warum nicht die Augen schließen und fühlen? Fühl die Gegenwart des anderen, tritt in seine Gegenwart ein, lass seine Gegenwart in dich hinein. Pulsiert zusammen, schwingt zusammen, wenn euch dann plötzlich eine gewaltige Energie überkommt, tanzt zusammen – und ihr werdet orgastische Höhen erleben, wie ihr sie nie gekannt habt. Diese orgastischen Höhen haben nichts mit Sex zu tun, sie haben mit Stille zu tun.
Und wenn du auch in deinem Sexleben meditativ sein kannst, wenn du in Stille lieben kannst, wie in einem Tanz, dann wirst du überrascht sein. In dir gibt es etwas, das dich an das fernste Ufer tragen kann.“

Osho

Das Sexualleben verbessern – mit Achtsamkeit

Die Praxis der Achtsamkeit im Privatleben hilft uns, unser Sexualleben zu verbessern, besonders dann, wenn der Partner mitmacht. Hier geben wir einige Tipps, wie du sie in dein tägliches Leben mit deinem Partner integrieren kannst:

Bewusst Küssen

Erinnerst du dich an deinen ersten Kuss? Erinnerst du dich daran, wie du zum ersten Mal deinen jetzigen Partner geküsst hast? Und wie oft hast du davon geträumt, dass diese Magie des ersten Kusses wiederkäme? Nun – das kann geschehen, wenn du deine ganze Energie auf einen einzelnen Kuss konzentrierst.

Küssende Köpfe

Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt mit deinem Partner

Es spielt keine Rolle, was vorher passiert ist oder was noch kommen wird. Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, auf dich und deinen Partner. Es gibt jetzt keinen anderen Partner, es gab nie einen anderen und wird niemals einen anderen geben. Keine Eile! Erforsche jeden Moment und jede Empfindung vollständig.

Sich einander bewusst werden

Schaut einander tief in die Augen, sodass ihr eine spirituelle Vereinigung erlangt.

Fühle die Energie des anderen

Stelle dir während des Höhepunkts eine von dir ausgehende Lichtkugel vor, die am unteren Ende der Wirbelsäule beginnt und nach außen wächst. Stelle dir dann vor, dass ihr beide durch eure Herzen und Geister mit der Lichtkugel verschmelzt. Last zu, dass sich eure Gedanken im Lichtstrahl auflösen und lasst die Lust eines jeden von euch zu einer einzigen werden.

„Denkt daran, dass die beste Beziehung die ist, in der eure Liebe zueinander euer Bedürfnis nach einander übersteigt.“

Dalai Lama

Reduziere dein Stressniveau

Wenn du dein Stressniveau reduzierst, so verbessert dies dein Sexualleben, weil es dir erlaubt, präsenter zu sein. Achtsamkeit zu üben wird dir helfen, zu verstehen, wie deine Gedanken durch deinen Kopf wandern. Wenn du dies bewusst wahrnimmst, dann kannst du störenden Gedanken erfolgreicher entgegenwirken.

Regelmäßige Meditation kann den Kortisolspiegel, das Niveau des Stresshormons, senken. Kortisol wird in Vorbereitung auf Kampf oder Flucht freigesetzt und bewirkt, dass das Blut zu Bereichen des Körpers geleitet wird, die für den Kampf oder die Flucht nützlich sind, wie die Muskeln. Dabei wird die Blutversorgung anderer Organe, wie der Genitalien, gedrosselt. Auf diese Weise reduziert Kortisol die Libido. Daraus folgt, dass du deine Libido erhöhen kannst, wenn du Stress reduzierst.

Dies sind nur einige Gründe, weshalb Achtsamkeit eine wichtige Rolle bei der Verbesserung des Sexuallebens spielen kann. Und: Was das Sexualleben verbessert, wird auch die Paarbeziehung im Allgemeinen fördern!